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Kyoto II

FAst 10'000 Tore

Der frühe Vogel f...ach ihr wisst schon. Nur eine Station von unserem Bett entfernt ist der Inari Schrein. Der Schrein der 1000 Tore – obwohl es fast 10'000 sind. Wir sind früh dran und trotzdem hat es schon viele Menschen.

 

Dieser Schrein mit seinen Toren ist um und auf dem Inari Berg gebaut. Wir müssen einen Berg erklimmen? Um diese Zeit?! Der Weg auf den Gipfel dauert eine gute Stunde womit wir definitiv nicht gerechnet haben und das vor dem Frühstück!

 

Der Schrein gilt als die am meisten fotografierte Sehenswürdigkeit Japans. Das stimmt allerdings nur für einen Bruchteil der Tore. Ganz zu Beginn liegen viele kleinere Tore ganz nah beieinander. Hier tummelt sich die Meute. Wir schaffen es dank der frühen Morgenstunde mit etwas Geduld auch hier das ein oder andere Bild ohne Menschen zu machen – vergleicht es dann mit dem Foto in zwei Stunden – unvorstellbar!

 

Es gibt aber noch viel mehr Tore, man muss sich allerdings etwas bewegen um diese zu sehen. Noch etwas müde pumpen und schnaufen wir also in der Kälte den Berg hoch. Es ist anstrengend und trotz der Kälte schweisstreibend, dafür ist der Weg gesäumt mit unzähligen roten Toren, welche einen fast durchgehenden Tunnel bilden und ihn wirklich zu einem Erlebnis machen. In Japan gibt es verhältnismässig viele frühe Vögel wie uns, hier oben es ist trotzdem noch ziemlich angenehm was die Menschenmenge angeht und man kann die vielen Tore praktisch leer vor sich sehen. Das liegt aber auch daran, dass wir den Hauptteil schon lange hinter uns gelassen haben. Der Fuchs ist hier allgegenwärtig, als Steinstatue sieht man ihn an allen Ecken, denn er ist der Nachrichtenübermittler des Reis-Gottes, welchem dieser Schrein gewidmet ist.

 

Auf dem Rückweg ist dann der Vorteil der frühen Ankunft unübersehbar. Je weiter runter wir kommen, desto mehr Menschen drängen sich durch die Tore. Joli will unbedingt sehen, wie es bei den ersten kleinen Toren aussieht. Dort ist jetzt fast kein Durchkommen mehr, so viele Menschen drängen sich auf einmal hindurch. Während Joli die Menschenmenge fotografiert, wird Beni von eine Gruppe Schuljungen um ein gemeinsamen Foto gebeten. Leider war Joli nicht zur Stelle um das festzuhalten und Beni war zu perplex um daran zu denken den Jungs sein Handy auch in die Hand zu drücken. Schade, wäre sicher ein witziges Fotos geworden, Beni ist immerhin fast doppelt so gross wie die Jungs in ihren Minianzügen.

 

Wir beobachten noch etwas die Massen, die sich durch die Tore schieben, lachen uns ins Fäustchen und ziehen weiter. Beim Ausgang gibt es mittlerweile viele Streetfood Stände wobei wir uns einmal an mit Tintenfisch gefüllten, frittierten Teigbällchen und einem grilliertem Reisbällchen umwickelt mit Rindfleisch versuchen. Beides ist äusserst «oishii» - lecker.

 

Tofuku-ji Tempel

Allem voran folgende Aufklärung: Joli hat sich schon immer gefragt, was diese drei verschieden farbigen Kugeln bei den Emojis eigentlich darstellen sollen: 🍡

An eine Futterstand liegen genau diese Kugeln im Tresen. Es sind Reisbällchen in den Geschmacksrichtungen Reis, Kirschblüte und Matcha. Sie sehen genau gleich aus wie das Emoji und haben alle genau den gleichen Geschmack. Aber immerhin haben wir gerade wieder ein Geheimnis der Menschheit gelüftet. Jetzt aber zum eigentlichen Thema.

 

Dieser Tempel mit seinem wunderschönen Garten liegt gleich bei uns um die Ecke. Unser Pförtner hat ihn wegen dem schönen Herbstlaub vorgeschlagen und auch in etlichen Blogs haben wir gelesen, das dieser Tempel noch ein echter Geheimtipp ist und sich kaum Menschen dorthin verirren. Der jüngste dieser Blogs ist noch nicht einmal ein Jahr alt…

 

Es ist voll! Brechend voll! Wir haben, nicht übertrieben, noch nie so viele Menschen in einem Garten gesehen. Man kann die Wege nicht entlang gehen, nein nicht einmal schlendern. Man steht an, auf einem Gehweg, durch einen Garten. In Vierer Reihen geht es mit kleinen Trippelschrittchen langsam aber stetig vorwärts. Also so was haben wir noch nie erlebt – ausser vielleicht bei einem Fest, wie dem Thunfest aber auch dort sind solche Verstopfungen nur Stellenweise und während kurzen Zeiträumen anzutreffen. Zudem ist dieses Fest einmal im Jahr, den Tempel kann man 365 Tage im Jahr besuchen. Also kein Vergleich wie wir finden. Dazu kommt noch, das wir Donnerstag haben, kurz nach Mittag. Wieso arbeiten diese Menschen nicht? Wieso sind sie nicht am Mittagessen? Machen diese Schulkinder hier eigentlich nur Ausflüge oder sitzen die auch einmal in einem Klassenzimmer? Wo zum Geier kommen die alle her?! Dieser Tempel ist so was von kein Geheimtipp mehr!

 

Der Garten ist übrigens sehr schön. Das Laub leuchtet in allen erdenklichen Herbstfarben und der Anblick ist wirklich wunderbar. Aber wir sind mehr fasziniert ab der Menschenschlange, die sich langsam durch die Anlage wälzt. Alleine ein Teil dieser Menschenmasse zu sein, welche sich durch den zwei Meter breiten Weg drückt ist ein Erlebnis für sich. Beni trällert dabei ein Lied von Michael Jackson in einer abgeänderten Version vor sich hin: “You are not alone, you cannot enjoy, 1000 people there, take good pictures is really schwer…”

 

Dieses Erlebnis bestätigt uns wieder einmal darin, dass wir allen einen Gefallen damit tun, wenn wir in unserem Blog einfach nur erzählen was wir erleben. Wir nennen keine Preise, Fahrpläne, Öffnungszeiten oder verraten Geheimtipps. Wozu auch? Alles ändert sich so schnell, dass wir uns diese Arbeit sparen können. Unsere Erfahrung mit anderen Blogs die das machen hat bisher gezeigt, dass es zwar gut gemeint ist, aber oft sind die Infos nicht mehr aktuell oder von Anfang an nicht richtig und dann war alles für die Katz was wir recherchiert haben.

 

Burg Nijo

Uff, nachdem wir den Garten wieder verlassen haben flüchten wir mit dem Zug auf die andere Seite der Stadt. Immerhin können wir sagen, dass solche Menschenmassen in Japan doch um einiges angenehmer sind als in Südamerika. Ruhig, gesittet, respektvoll und gemütlich. Wenn wir da zum Beispiel an die Iguazú Wasserfälle zurück denken – ach du meine Güte! Nichts gegen die Südamerikaner (ganz und gar nicht), aber sie sind einfach ein anderes Volk und dort mochten wir grössere Ansammlungen überhaupt nicht. Laut, chaotisch, rücksichtlos, noch lauter und ungemütlich. Jedenfalls haben wir, als Menschenmassen-Nicht-Möger, das so empfunden.

 

Nächstes Ziel ist die Burg Nijo, welche auch viel weniger frequentiert ist. Eine Wohltat wieder mal ein paar Meter gehen zu können ohne jemanden auf die Füsse zu treten. Auch wenn wir hier wieder einmal die Schuhe ausziehen müssen und in Socken über den Boden schleichen. Apropos schleichen, der Fussboden in dieser Burg hat eine sehr spezielle Eigenschaft. Hier ist ein sogenannter Nachtigallen Boden gebaut worden. Die Holzdielen wurden so verlegt und vernagelt das es unmöglich ist, geräuschlos darüber zu gehen. Jeder Schritt erzeugt ein Geräusch, welches an das Zwitschern der japanischen Nachtigall erinnert. Sinn und Zweck? Eine Alarmanlage! Nicht einmal ein Ninja kann so geräuschlos Eindringen. Oder vielleicht doch? Wer weiss…

 

Der Tag war lang und ausser ein paar kleinen Streetfood Leckereien haben wir auch nichts gegessen heute. Perfekt für eine weitere Runde Fliessband Sushi. Am Bahnhof Kyoto finden wir eines dieser Restaurants. Die verschiedenen Sushis drehen auf kleinen Tellerchen direkt vor den Sitzplätzen ihre Runden. In der Mitte arbeiten fünf Sushi Meister daran immer genügend Nachschub herzustellen und das Fliessband zu füllen. Wir sind etwa eine Stunde hier, greifen ordentlich zu und türmen in dieser Zeit 23 Tellerchen, welche zum Schluss abgerechnet werden. Der Super leckere Spass kostet uns läppische 15 Franken pro Person.

 

Ach ja, wieso muss in Japan überall Matcha (gemahlener Grüntee) drin oder drauf sein? Nicht einmal vom Bier lassen sie die Finger!

 

Kyoto Downtown

Wir haben mal wieder so richtig ausgeschlafen, also so bis 8 Uhr oder so. Das heisst in unserem Fall vor allem auch mal aufstehen ohne Wecker, was eine ziemliche Seltenheit geworden ist, wir haben seit Wochen nicht einmal mehr Wochenende. Deshalb bauen wir heute spontan einen Samstag ein und gehen gemütlich etwas shoppen. Kein Sightseeing, keine Tempel, keine Wanderungen, nichts von all dem. Wir gehen heute nach Downtown und lassen uns einfach treiben.

 

Der Shynkiogoku und Teramachi Arcade sind überdachte, lange Shoppingstrassen. Hier Weihnachtet es bereits sehr und wir lassen uns von der feierliche Stimmung anstecken. In einer Querstrasse befindet sich auch noch der Nishiki Food Markt. Vor allem der Fisch in allen Farben und Formen bringt uns wieder einmal ins Staunen.

 

An einem Essstäbchen Laden bleiben wir dann hängen. Wir suchen uns aus der riesigen Auswahl unsere Stäbchen aus und lassen diese noch gleich mit unserem Namen gravieren, ein ziemlich cooles Souvenir. Den Rest der Zeit futtern wir verschiedene Streetfood Snacks und bummeln durch die Souvenirshops.

 

Joli lässt sich alle paar Meter wieder einen heissen Tee aus einem Automaten, da sie immer noch kränkelt. Wir lieben diese Getränkeautomaten hier. Es gibt immer zwei Reihen mit kalten und eine Reihe mit heissen Getränken. Als Joli im Zug zum ersten Mal einen heissen Tee bestellt hat und ihr eine Flasche gereicht wurde, wollte sie schon reklamieren, bis sie festgestellt hat, dass die Flasche heiss war. Sehr geil! Auch in den Supermärkten gibt es gekühlte und beheizte Regale – umwelttechnisch schwachsinnig schon klar – aber trotzdem ist es irgendwie geil, wenn du in den 7/11 reinspazierst und dir deinen heissen Tee aus dem Regal holst.

 

Wir entdecken noch das geilste Souvenir überhaupt. Einen Regenschirm in Schwertform. Wer möchte nicht ein Ninja Schwert auf dem Rücken tragen und es zücken sobald es regnet? Joli möchte das! Sie verzweifelt fast bei dem Versuch es irgendwie zu schaffen den Schirm gedanklich in den Rucksack zu verpacken – schade. Dann müssen wir wohl nochmals nach Japan zurückkehren, wenn wir mal nicht auf Weltreise sind!

 

Auf dem Rückweg zur Zugstation, lauschen wir von der Brücke aus noch einem Strassenmusikanten, der unten am Fluss auf seiner Gitarre spielt und singt. Eine sehr chillige Szene, die den perfekten Abschluss eines gemütlichen Tages mit sich bringt.

 

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