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Nagasaki

Den vorletzten Halt in Japan legen wir in Nagasaki ein. An dem Ort, an welchem die zweite Atombombe abgeworfen wurde. Und auch der Ort wo lange Zeit der einzige Hafen für den Handel mit der westliche Welt lag.

 

Die Stadt wirkt auf den ersten Blick nicht so typisch Japanisch auf uns. Vielleicht liegt es daran das hier lange Zeit der einzige Ort in Japan war, an welchem ein Handel mit Europa möglich war und die Europäer insbesondere Holländer und Portugiesen grossen Einfluss hatten. Nachdem die Japaner die Christen quasi rausgeworfen haben, durften nur noch die Holländer bleiben, denn diese wollten die Japaner nicht bekehren sondern lediglich Handel treiben, ganz im Gegensatz zu den Portugiesen.

 

Wir wollen weder mit jemandem handeln noch jemanden bekehren, sondern sind eigentlich hier um den Berg Inasa mit der Seilbahn zu erklimmen, da der Ausblick bei Nacht sehr schön sein soll. Leider ist die Seilbahn wegen Revisionen gerade geschlossen, wie man uns an der Touristen Information mitteilt, und der Weg zu Fuss etwas gar lang, vor allem bei dem scheusslichen nassen und kalten Wetter. Wir haben allgemein etwas Pech, im ganzen Land laufen an zahlreichen Orten umfangreiche Restaurationsarbeiten, welche den Besuch verunmöglichen oder einschränken. Aber das ist halt der Nachteil, wenn man gegen Ende der Hauptsaison oder in der Nebensaison reist. Dafür hat es weniger Menschen – wir wollen uns die Kirschblütenzeit hier in Japan gar nicht vorstellen!

Also schlendern wir erst ein wenig durch die Strassen dieser Hafenstadt. Wir begutachten die Brillen-Brücke und in der Einkaufspassage finden wir dann wieder einmal uns noch unbekannten Streetfood, welchen wir natürlich probieren müssen. Es ist ein Hamburger Japan Style, mit einem weissen weichen Brötchen und er schmeckt, man glaubt es kaum, wirklich wie ein Hamburger.

 

Dejima

Etwas später kommen wir am kleinen ehemaligen Handelsplatz von Nagasaki vorbei. Wir besuchen das Museum und schauen uns die Überbleibsel der ehemaligen Lagerhäuser an. Eine Mini Stadt in einer Stadt. Erinnert uns fast ein wenig an den Europapark. Hier wirkt wirklich alles sehr europäisch, mit Ausnahme der Schulkassen, die sich alle in Kimonos und Samurai Kleidung gesteckt haben und fleissig Fotos in der so ungewohnten Umgebung machen.

 

Für das Abendessen gehen wir wiedermal in ein Sushi Zug Restaurant und lassen es uns schmecken. Schon bald ist es vorbei mit dem leckeren billigen Sushi, das müssen wir noch voll auskosten.

 

Wir haben beide schlecht geschlafen und wissen nicht so richtig was wir mit dem heutigen Tag anfangen sollen. Das Wetter ist immer noch grau und kalt. Das sind wir uns irgendwie nicht mehr gewohnt und bei Joli machen sich die altbekannten Gelenkschmerzen schon wieder bemerkbar. Sie kann wohl doch nicht mehr in der Schweiz leben, meint sie, denn dort ist es einfach zu oft unter 10 Grad. Worauf Beni meint, dann solle sie halt im Winter einfach drinnen bleiben! Gute Idee – wer von uns erklärt das dem zukünftigen Arbeitgeber? 😉

 

Im Starbucks schmieden wir den Plan zuerst mit dem Tram zum Markt zu fahren und von da einmal quer durch die Stadt zurück an den Bahnhof zu gehen und ein paar Tempel abzuklappern. Auch hier hat es einen Friedenspark und ein Museum zum Atombomben Abwurf aber wir haben nicht wirklich Lust uns das nochmals anzusehen.

 

Chiropraktik auf Japanisch

Als wir aus dem Tram aussteigen sticht uns als erstes der geschlossene Markt in die Augen und gleich als zweites die grosse Werbung eines Chiropraktikers. Planänderung, dann gehen wir halt unsere Rücken knacksen, das ist sowieso schon lange nötig.

 

Das Empfangsfräulein spricht leider kein Wort Englisch, zückt aber sofort ihr Handy und wir beginnen eine mündliche Übersetzungs-Kommunikation, welche alle nur zum Lachen bringt, denn die App übersetzt leider so gar nicht das was wir sagen. Wir sprechen in Englisch in das Handy ob sie hier Chiropraktik anbieten. Das Handy übersetzt dann irgendwas wie "do you have plastic for lunch" auf Japanisch, herrlich. Auch der zweite Satz bringt völlig wirres Kauderwelsch in beiden Sprachen was uns nur mehr zum Lachen bringt. Also dann halt schriftlich, ist wohl einfacher. Das Empfangsfräulein stellt uns mit ihrem Handy ihre Fragen und wir benutzen dann zum Antworten unser eigenes Handy und den Google Übersetzter und kommunizieren so über den Preis und wo wir Schmerzen verspüren, mehr braucht es auch gar nicht.

 

Dann wird zuerst Joli reingebeten. Beni hört den Chiropraktiker haufenweise Anweisungen auf Japanisch geben, von Joli hört man ab und zu ein «Mhmmm:» und «Ähä» - ziemlich lustig.

 

Es ist gar nicht so einfach für eine solche Behandlung ohne Worte zu kommunizieren, zumal die Behandlung sich von allem unterscheidet was wir bisher kennengelernt haben. Auch der Chiropraktiker muss das ein oder andere Mal grinsen, weil wir Dinge tun, die er eigentlich nicht so gemeint hat. Aber irgendwie hat es schlussendlich doch geklappt und wir haben noch ein Schild auf Englisch geschrieben mit einer Bewertung, wovon er ein Foto gemacht hat.

 

Die Behandlung war wiederum etwas neues, einige unbekannte Handgriffe statt umgebaute Handwerker Maschinen wie in Bolivien. Die Moral von der Geschicht, Joli fands gut, Beni eher nicht. Liegt aber vielleicht auch daran, dass Joli ihn nicht vorgewarnt hat: «Hättest du nicht sagen können, dass er so auf dem Unterbauch rumdrückt?! Dann wäre ich vorher noch aufs Klo gegangen!»

 

Sushi Panik

Nur am Rande erwähnt, wir futtern heute bereits zu Mittag wieder ab dem Sushi Fliessband. Wir lieben es so und in Kürze wird es Geschichte sein, deshalb nutzen wir jede Möglichkeit die sich uns noch bietet.

 

Japanische Freundlichkeit und Gebäcke

Ein weiteres Beispiel für die freundlichen Japaner erleben wir am Nachmittag im Zug nach Nagasaki. Wir haben heute Morgen auf einen früheren Zug umgebucht, dabei gab es keine Plätze mehr nebeneinander. Als wir unsere Plätze beziehen bemerkt Benis Sitznachbar dies und bietet Joli mit wilder Gestikulation sofort seinen Fensterplatz an, sehr freundlich.

Etwas Futtertechnisches was bislang unfairerweise nicht in unseren Berichten erwähnt wurde, sind die wunderbaren Bäckereien und Konditoreien in Japan. Hier findet jeder ein Gebäck, ob salzig oder süss und die Auswahl ist jeweils riesig. Auch wir können selten einfach an einer Bäckerei vorbeiziehen ohne etwas zu kaufen. Da sind uns die Japaner weit voraus, so geile Bäckereien haben wir nicht.

 

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