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Taipeh

Taiwan, eine Insel ähnlich gross wie die Schweiz aber mit etwa 3x so vielen Einwohnern und wir empfinden doch schon die Schweiz als überbevölkert…
Wir landen hier in der Hauptstadt Taipeh, welche bekannt ist für den Wolkenkratzer Taipeh 101, der im Jahr 2004 das höchste Gebäude der Welt war, mittlerweile aber nur noch knapp in der Top Ten dieser Liste steht. In den folgenden drei Wochen wollen wir der wilden Ostküste entlang in den Süden reisen, von wo aus wir dann nach Vietnam weiter fliegen. Nach den vielen Grossstädten freuen wir uns auf die Natur, die uns an der Ostküste erwarten soll.

der erste Eindruck

Es ist schwül warm hier, juhuuu. Am Flughafen kaufen wir uns gleich wie gewohnt eine hiesige Sim Karte und eine Easy Card, mit welcher man ähnlich wie schon in Japan vielerorts in den ÖV und Shops bezahlen kann. Wir wollen mit den ÖV in die Stadt, denn was mit «Kiss & Ride» gemeint ist wollen wir doch lieber nicht herausfinden.

 

In der Magnetschwebebahn nach Taipeh fällt uns als erstes das Verbot für Essen und Trinken auf. Wenn man erwischt wird zahlt man satte 240 Franken Busse. Ziemlich happig denken wir uns noch. Fünf Minuten später: Beni die Dumpfbacke greift ohne zu überlegen zur Wasserflasche und nimmt einen kräftigen Schluck. Freundlich wie er ist bietet er auch Joli etwas an, die anfängt wie wild abzuwinken - Shit kein Essen und Trinken - Hoppla so schnell kann es gehen, völlig ungewohnt für uns.

Nach einer Weile schaffen wir es ein Taxi zu ergattern. Die Dame, welche die Taxis zuweist ist die Freundlichkeit in Person. Halleluja. Wir beziehen zuerst unser Zimmer, welches sich nur 10 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt befindet. Wir nennen es auf Anhieb das Brokkoli Zimmer (Blumenkohl wäre treffender schon klar) und wir zahlen hier übrigens für 4 Nächte gleich viel wie für eine Nacht in Japan. Es riecht hier etwas muffig aber da es schon im Zug so gerochen hat, gehen wir davon aus, dass hier die Luftfeuchtigkeit einfach wieder viel höher ist. Wenigsten ist Tom der Besitzer um einiges netter als die Leute die wir bisher getroffen haben.

 

Wir gehen zu Fuss zurück an den Bahnhof (eine gefühlte Ewigkeit) und suchen die Touristeninformation auf was gar nicht so einfach ist. Als wir auf die drei Frauen an der Info zusteuern stehen plötzlich alle drei auf und ein wildes Gewusel beginnt. Joli boxt Beni in die Seite; «Guck, du machst die Damen ganz nervös.» Eine der drei spricht gar nicht so übel Englisch, ist sehr freundlich und nimmt sich dann aber viel Zeit für uns.

Mit Prospekten und vielen Tipps suchen wir uns ein Restaurant im Bahnhof. Erst nachdem wir bereits Platz genommen haben bemerken wir das wir uns ausgerechnet ein japanisches Restaurant ausgesucht haben. Naja, das war nicht der Plan, macht aber nichts, damit kennen wir uns ja nun bestens aus. Beni gibt die Bestellung gleich auf Japanisch durch… Nein Scherz, die Karte ist für uns leider unlesbar und englische Begriffe suchen wir vergeblich. Der Kellner spricht aber sehr gut Englisch was alles sehr vereinfacht. Generell sprechen die Menschen hier bis jetzt doch bedeutend besser Englisch als noch in Japan.

Taiwan ist im Vergleich mit Japan schmutzig und laut. Aber der Vergleich ist auch unfair, es ist hier nicht anders wie in jeder anderen Grossstadt auch. Japan kann man halt irgendwie mit nichts anderem vergleichen. Auffallend sind die vielen Motorroller auf den Strassen, das erinnert uns gleich wieder an Trinidad in Bolivien.

Wir bummeln noch etwas herum und entdecken mal was ganz Neues und finden es eine richtig geile Idee: ein Geschenkautomat. Der steht mal mitten in der Restaurant Zone und fällt uns nur auf weil wir zuerst nur die Blumensträusse sehen und uns fragen was das ist. Der Automat besteht aus mehreren Schliessfächern mit durchsichtigen Fenstern. Darin findet man entweder Blumensträusse oder auch Pralinenschachteln usw. und das alles mit einer hübschen Karte, auf welche man noch etwas kritzeln kann. So quasi das Geschenk To Go auf den letzten Drücker bevor man nach Hause kommt.

Nachtmarkt

Die Menschen strömen auf die Strassen sobald es dunkel wird und besuchen die Nachtmärkte. Hier speist die grosse Mehrheit und man kann auf vielen der Märkte auch sonst alles Mögliche und Unmögliche kaufen. Diese Märkte befinden sich auf Strassenabschnitten, welche Abends gesperrt werden. Hier befindet sich jeder Streetfood Liebhaber im Schlaraffenland. An unzähligen kleinen Wägelchen und Essenständen findet hier jeder etwas zu beissen. Und oft liegen die Märkte in Strassen wo rundherum auch alle Läden noch geöffnet haben und ihre Ware anpreisen.

 

Bezüglich Essen gibt es so ziemlich alles. Wir haben von frischem Schlangenblut und -fleisch gelesen, aber heute jedenfalls noch nichts derartiges entdeckt. Der berühmte Stinky Tofu, verdient seinen Namen wirklich, wir haben ihn schon von weitem gerochen. Er riecht wie Schweinescheisse meint Joli und sie muss es ja wissen, hatte es auf dem Bauernhof ihrer Grosseltern doch einige dieser kleinen Stinkys.

 

Mit einem Fleischspiesschen und Dumplings (gefüllte Teigtaschen) sind wir zwar lecker aber noch nicht wirklich experimentierfreudig in die hiesige Küche gestartet. Und auch beim Bäcker auf dem Heimweg, ist uns der Tiramisu Bonsai etwas zu gewagt als Dessert.

 

Let it rain, let it rain...

… till the sun comes back again. Es ist zwar wieder warm dafür haben wir richtig schlechtes Wetter. Da es die nächsten paar Tage auch nicht besser werden soll, machen wir uns heute trotzdem auf den Weg zum Wolkenkratzer Taipeh 101. Noch bevor wir unsere U-Bahn Station erreichen kommen wir an einem Starbucks vorbei. Na dann, zuerst einen Kaffee bevor es weiter geht. In der U-Bahn Station stehen wir kurz ein wenig verloren in der Gegend rum als uns sofort jemand zu Hilfe eilt und uns den richtigen Weg weist. Die Menschen sind auch hier hilfsbereit aber mit der Ruhe und der Ordnung, welche wir im öffentlichen Verkehr in Japan so sehr geniessen konnten ist es hier definitiv vorbei.

 

101 Tower

Ein Muss bei der Besichtigung des Towers ist anscheinend der Besuch des Restaurants Din Tai Fung 101. Eine riesige Menschenmenge steht davor und die Uhr zeigt eine Wartezeit von 30 Minuten an. Wir ziehen unser Nummer am Eingang und warten dann auch etwa 20 Minuten bis wir zu Tisch gebeten werden. Die Wartezeit wird perfekt mit dem Studieren der Menu Karte überbrückt. Die Essenbestellung wird vorzeitig abgegeben, wobei wir uns für zweierlei Teigtaschen und Nudeln an einer Erdnusssauce entscheiden. Das Restaurant ist riesig und es herrscht ein ziemliches Gewusel. Das Essen kommt aber prompt und die nette Servierdüse erklärt uns sogar wie wir die Teigtaschen traditionell essen müssen. Hinter grossen Glasscheiben kann man auch direkt in die Küche sehen, wo die Dumplings frisch zubereitet werden.

Die Sicht von der Aussichtsplattform ist heute nur etwa 50% und die Aussenplattform ist geschlossen. Wir fragen bei der netten Dame nach ob es denn bei 50% weniger Sicht dafür 50% Rabatt auf dem Ticket gibt, was sie aber lachend verneint, weshalb wir dann doch das Wetter morgen noch abwarten wollen.

 

Dann schlendern wir halt noch etwas durch die Shoppingcenter im Tower. Dabei entdecken wir einen riesige Supermarkt und haufenweise, uns bestens bekannte Leckereien. Von Lindt Schokoladen Rentieren bis zu Cailler Schokolade, welche wir auch gleich kaufen, finden wir das eine oder andere Schweizer Produkt hier. Auch hier können sie die Finger wohl nicht vom Matcha Grüntee lassen – die Lindor Kugeln wurden entsprechend «veredelt».

 

An der Käsetheke entdecken wir Emmentaler, Raclettekäse und Gruyère, letzterer zum Schnäppchenpreis von umgerechnet 9.60 Franken pro 100 Gramm. Ein weiteres teures Beispiel sind Äpfel; 4 Stück kosten hier stolze 10,50 Franken.

 

Wir kommen auch am einen oder anderen Kleidergeschäft vorbei. Beni steht vor der "Man" Abteilung und etwas verdutz bemerkt er, dass die meisten T-Shirts nur in Grösse S zu haben sind. Respektive das Grösse L hier irgendwie eher einem S entspricht, zumindest rein optisch gesehen. Von den Hochwasserhosen wollen wir gar nicht sprechen.

 

Longshan Tempel

Im Anschluss schauen wir uns mal einen hiesigen Tempel an. Das Taiwan ja zur Chinesischen Republik gehört (oder auch nicht sie sind sich da selber ja irgendwie nicht so einig!), sieht man auch den Tempeln an. Diese chinesischen Exemplare sind noch verzierter und wirken nochmals um einiges pompöser als die der Japaner. Die Magie dieser heiligen Stätte geht aber auch hier, wie schon in Japan, durch die vielen Menschen verloren. Irgendwie ist es hübsch, dass der Tempel in allen möglichen Regenbogenfarben bemalt ist aber irgendwie auch etwas too much! Etwas denkwürdig ist auch der Geldautomat, welcher sich im Tempel befindet. So kann sich sicher auch jeder sein Geschenk für den Gabentisch oder zumindest eine Kerze oder ein Souvenir kaufen, na ja. Das wir nicht sonderlich viel von den Religionen dieser Welt halten, stellen wir auch hier wieder mal fest. Schön anzusehen ist der Tempel auf jeden Fall und Eintritt haben wir auch keinen bezahlt – immerhin.

 

Shilin Nightmarket

Es bleibt noch etwas Zeit bis zum Abendessen, also besuchen wir noch eine andere Sehenswürdigkeit – das rote Haus. Wir haben bis zum Schluss nicht ganz herausgefunden, wieso es eine Sehenswürdigkeit ist, wahrscheinlich weil es sich optisch sehr von den üblichen Häusern hier unterscheidet? Uns erschien es ziemlich normal.

 

Danach ist es Zeit zum Futtern. Wir fahren mit der U-Bahn etwa 15 Minuten bis wir an der Shilin Station ankommen. Der gleichnamige Nachtmarkt gilt als der grösste und interessanteste in Taipeh. In einer Einkaufsstrasse folgen sich die kleinen Einkaufsläden dicht auf dicht und davor stehen die Streetfood Stände.

 

Heute starten wir mit einem gegrillten, riesigen Pilz, welcher in Stücken zerkleinert und mit Sauce und Gewürzen nach Wahl serviert wird, ein sehr leckerer einfacher Snack. Danach gibt es ein mit Schweinefleisch gefülltes frisches Sesambrötchen, welches sehr würzig und scharf schmeckt. Gefolgt von einer Portion gebratener Nudeln mit frittierten Poulet Stückchen an einer Tomatenkäsesauce.

 

Als Dessert testen wir die bekannte Bubble Sugar Milk. Besteht aus kleinen weichen, gummiartigen Zuckerbällchen, welche in einem Becher mit Milch, Tee und Eis durch einen übergrossen Strohhalm getrunken werden. Ganz komisch. Joli verschluckt sich erst einmal, als statt einem Schluck Tee, viele kleine Zuckerbällchen wie kleine Geschosse in ihren Hals schiessen. Naja, das geht wohl in die Kategorie man liebt es oder man liebt es nicht.

 

Das sind nur ein paar der Snacks aus dem riesigen Angebot an diesen Nachtmärkten. Bei vielem haben wir einfach keine Ahnung was da genau gebraten, gedämpft oder frittiert wird und um sich einmal durchzufuttern bräuchten wir noch ein paar Tage mehr hier.

 

Taipeh 101 zum Zweiten

Neuer Tag gleiche Ausgangslage. Morgen steht ein Tagesausflug nach Jiufen an, darum werden wir heute die Aussichtsplattform des 101 besuchen, so der Plan. Doch daraus wird wieder nichts. Gestern war die Sicht noch 50% heute beträgt sie dummerweise nur noch 20%. Da würde auch der höchste Turm der Welt keine Freude machen wenn man nur Nebel sieht. Entsprechend fällt auch heute der Elefantenhügel ins Wasser, von welchem man eine schöne Sicht auf die Stadt und den 101 hätte. Schön blöd.

 

Wir erwischen uns dabei, wie wir den Regen als Vorwand verwenden einfach mal wieder nichts zu tun. Wir denken zurück an die ersten Tage unserer Weltreise in Buenos Aires, Argentinien als wir voll motiviert, eingepackt in Regenhosen und Jacken und voller Abenteuerlust dem sintflutartigen Regen mit Stolz getrotzt haben und den Grossteil des Tages auf dem offenen Doppeldecker Sightseeing Bus verbracht haben.

 

Richtig Freude hatten wir aber gestern im Restaurant Din Tai Fung 101. Grund genug für einen zweiten etwas ausgiebigeren Besuch, welchen wir dank «Kleine Freuden» finanzieren. Den restlichen Tag, nach dem ausgiebigen Mittagessen, verbringen wir dann mal locker, mehr oder weniger im Bett und geniessen ausser ein paar Hotelbuchungen und Vietnam Visa Beantragung das süsse Nichts Tun und noch ein paar weitere Dumplings, welche wir auf dem Heimweg gekauft haben.

 

Apropos Heimweg zum Glück ist der Weg von Bahnhof nicht mehr so lang wie am ersten Tag. Von unserer U-Bahn Station geht nämlich eine unterirdische Einkaufsstrasse direkt zur Station am Hauptbahnhof, wie wir zufällig herausgefunden haben, weshalb wir fast immer laufen, denn so wirkt es viel kürzer als an den lärmigen, vollen Strassen entlang und nach einer Station müssen wir eh immer umsteigen.

 

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