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Hualien

Wir stationieren uns für drei Nächte in Hualien. Eine Stadt am Eingang zum Taroko Nationalpark. Wir hoffen natürlich auf etwas besseres Wetter um bei ein paar Wanderungen den Park zu entdecken.

Unsere erste Zugfahrt mit Gepäck in Taiwan steht an. Beni weint den Zügen in Japan nach, obwohl diese hier doch wirklich auch nicht schlecht sind. Knapp 4 Stunden bummeln wir der halben Ostküste entlang bis wir unser Ziel erreichen. Das Wetter ist scheusslich und die Aussicht ist mies. Es gibt hier drei oder vier verschiedene Züge mit unterschiedlichem Tempo wie wir festgestellt haben. Da für heute bereits vieles ausgebucht war, sitzen wir sozusagen im Regio, welcher gefühlt alle 10 Meter anhält. Der Zug gehört zwar in die Kategorie "Modell Steinzeit" wobei die Beinfreiheit Weltklasse ist und auch das Gepäck hat wunderbar Platz, das muss man ehrlich zugeben. Wir haben uns mit mehreren Eiersandwiches eingedeckt, welche wir im Stundentakt vernichten und haben sozusagen Frühstück und Mittagessen, damit abgedeckt. Naja theoretisch. Praktisch fallen die weissen Toastbrötchen mit Ei und Mayo in unserem Mägen in den Tod und machen nur noch Lust auf mehr.

An jedem neuen Ort haben wir seit den USA immer den gleichen Ablauf. Das Gepäck deponieren oder das Zimmer beziehen wenn möglich und danach direkt in das Info Center um anschliessend die Aufenthalte zu planen, das hat sich sehr gut bewährt bislang. Um den Bahnhof herrscht aber ziemlicher Lärm, denn hier fliegen haufenweise Düsenjäger tief über den Bahnhof um gleich dahinter zu landen. Die Damen bei der Info sind mehr oder weniger auskunftsfreudig und mit haufenweisen Prospekten machen wir uns auf den Weg ein Café zu finden.

 

In einem Supermarkt finden wir dann eine Dose heisser OVO Milch, welche sich Joli natürlich nicht entgehen lassen will. Wirklich lecker ist das Gebräu aber nicht. Im nächsten Café wollen wir bei einem Käffeli die drei nächsten Tage planen. Da aber der Kaffee schlappe 6 Franken kostet und das Bier das billigste auf der Karte ist, gibt es halt eine Runde lecker Bierchen, welches auch hübsch und schnell zu Köpfchen steigt. Obwohl manche Bier als Nahrungsersatz anpreisen, macht es uns hungrig, deshalb suchen wir im Internet lange nach einem Restaurant anstatt zu planen, es ist ja auch bereits später Nachmittag. Das gefundene Restaurant ist Beni vor Ort dann aber viel zu teuer. Wir landen schliesslich in einer Strassenküche und essen gleich 4 verschiedene Menüs und bezahlen dafür gerade einmal einen Drittel als das es uns im Restaurant gekostet hätte.

Küstenfahrt

Da wir für heute nichts geplant haben, schlafen wir erst mal schön aus. Erst gegen 10 Uhr verlassen wir dann das Haus mit den gratis zur Verfügung stehenden Velos in Richtung Küste. An der Hauptstrasse sind viele rote Lampions aufgehängt was ziemlich cool aussieht, wir freuen uns schon diese mal noch bei Nacht zu sehen.

 

Nach etwa zwei Kilometern erreichen wir dann wie aus dem nichts die Küste. Ohne das wir das Meer, wie üblich zuerst riechen, stehen wir plötzlich an der Uferpromenade und sind fasziniert vom wunderschön blau schimmernden Meer. Es ist windig und bewölkt und trotzdem schlägt das Meer seine Wellen in verschiedenen Blautönen an die Küste.

 

Die Uferpromenade verfügt über einen wunderschönen ausgebauten breiten Velo- und Spazierweg, auf welchem heute auch noch ein Marathon stattfindet. Kennen wir ja schon von Lima. Wie ein Polizist uns mit Handzeichen erklärt, dürfen wir trotz des Marathons den Uferweg mit den Velos befahren, ist ja auch mehr als breit genug für alle. An zwei Orten haben sich Fotografen platziert, welche die Marathonläufer ablichten. Einer hat sich sogar einen Spass mit uns erlaubt und uns beim vorbei fahren ebenfalls fotografiert. Beni hat sich entsprechend auch mit einem grossem Smile und dem in Asien üblichen Peace Zeichen in Pose gesetzt.

Nachdem wir soweit wie der Weg schön war nach Osten gefahren sind, machen wir kehrt und erkunden noch die Westseite des Uferweges. Die Promenade zieht sich kilometerweit der Küste lang. Umso weiter wir uns von der Stadt entfernen umso weniger anderen Menschen begegnen wir. An einem verlassenem Abschnitt tummeln sich vor uns etwa 15 streunende Hunde in einer Gruppe. Sie scheinen sich nicht gerade freundlich gesinnt und jagen einander nach und schnappen und beissen sich. Mit viel Respekt und auf der Hut steuern wir unsere Velos in kleinem Abstand an den Hunden vorbei.

 

Joli ist nicht ganz wohl dabei diesem Weg noch weiter zu folgen aber Beni meint, wenn die Hunde einem gefährlich werden würden, hätten wir das bestimmt vorher irgendwo gelesen. Joli behält das Warnschild, dass einen Hund der nach der Wade eines Fahrradfahrers schnappt gezeigt hat, entsprechend noch für sich, bis wir die Gefahrenzone hinter uns gelassen haben. Wir haben aber Glück und bleiben verschont, einzig Joli fällt vor Schreck fast vom Bike, als ein Hund wild kläffend an den Zaun springt, an welchem wir gerade vorbei fahren

Starbucks mal anders

Im Info Center erhielten wir die Info das in Hualien kürzlich ein aussergewöhnlicher Starbucks eröffnet wurde, den jeder sehen will. Dieser liegt quasi auf dem Weg unserer Velotour. Nach kurzem suchen finden wir ihn dann auch. Die aufeinandergestapelten weissen Seecontainer sehen schon cool aus. Dieser Laden ist hier tatsächlich eine kleine Attraktion. Hier tummeln sich haufenweise Menschen, welche ein Erinnerungsfoto von sich machen, ja sogar eine Gruppe mit einem Reisecar steht auf dem Parkplatz. Die grosse Warteschlange um in den Containern einen Kaffee zu trinken ist uns den Kaffee dann definitiv nicht wert. Wir kaufen uns davor einen Schokoladen Bagel, welcher auch sehr gut schmeckt wie man auf dem Foto sehen kann. Beni testet auch noch kurz den Drive Thru mit dem Fahrrad, macht sich dann aber schleunigst vom Acker, als ihn eine leicht aggressive Stimme aus dem Lautsprecher ankeift.

Spicy Wonton

Auf dem Rückweg machen wir noch eine kleine Tour durch die Stadt und spazieren mit den Velos durch die Einkaufsmeile um uns danach auf Nahrungssuche zu machen. Auf allen vieren kriechen wir durch die Strassen und schnuppern mit der Nase bis wir die Witterung des besten Duftes aufgenommen haben. Oder so ähnlich.

 

In der Nähe des Bahnhofs werden wir dann vor einer Strassenküche, an welcher wir uns die Bilder anschauen, angesprochen. Wir verstehen ausser Nudelsoup kein Wort. Die Tochter der Köchin kommt sogleich und drückt uns eine Menü Karte auf Englisch in die Hand. Aah jetzt ja. Beni findet seine geliebten Teigtaschen, welche in Taiwan den schönen Namen Wonton haben. Nach einem Teller Beef Nudeln, Wonton Suppe und lecker Bierchen brauchen wir aber noch eine zweite Runde. Wir Europäer sind halt auch etwas grösser und kräftiger gebaut als die Asiaten und brauchen etwas mehr Kalorien.

 

Deshalb bestellen wir noch eine Runde lecker Bierchen und dazu leckere Spicy Wontons. Wir mögen scharfes Essen, jedoch ist es meistens kein bisschen scharf. Ausser in Mexiko und Japan wurden wir vereinzelt von der Schärfe überrascht. Unvergessen die Wasabi Sushis, welche Benis Kopf mal kurz in eine Tomate verwandelt haben.

 

Hier aber stellt es Joli mal eben die Luft ab, nachdem beim Schlürfen das schlüpfrige Wonton etwas zu schnell nach hinten geschnellt ist und etwas Spicy Suppe in die Luftröhre gelangt. Es folgt ein Hustenanfall, welcher fast nicht mehr zu stoppen ist. Die Tränchen kullern die Wangen runter, das blonde Köpfchen ist knallrot und der Hustenanfall will nicht enden, Joli fällt fast vom Stuhl vor lauter Husten und Beni vor lauter Lachen, macht sich aber bereit den Heimlich Handgriff anzuwenden. Die Tochter kommt zu uns an den Tisch und drückt Joli eine Orange in die Hände und meint lächelnd "Orange for free". Ist wahrscheinlich auch ziemlich schlecht fürs Geschäft, wenn keuchende Touristen mit knallroten Köpfen fast von den Stühlen fallen. Glücklicherweise ist nach ein paar bissen Orange dann der Husten weg und der Kopf nimmt wieder eine normale Farbe an. Merkt euch also gegen zu viel Schärfe hilft nicht nur Milch oder Brot sondern auch eine Orange.

Guten Morgen

Es ist Morgen 05:21 Uhr und wir werden ziemlich stark durchgeschüttelt. Es ist nach San Jose, Tokio und Kyoto unser viertes Erdbeben und auch gleich das stärkste. Auch das grummelnde Geräusch der Erde war noch nie so laut. Der Spuk mit dem schwingendem Bett und den wackelnden Wänden ist zum Glück nur etwa 10-15 Sekunden lang. In Tokio dauerte das leichte Erdbeben mit Unterbruch sicher über eine Minute lang.

 

Etwas nervös warten wir noch ein paar Sekunden ab ob ein noch stärkeres Nachbeben folgt, was aber nicht der Fall ist. Erleichtert drehen wir uns um und schlafen gleich wieder ein. Joli ist nach wie vor der Meinung, dass in Erdbebengebieten schwere Kronleuchter artige Lampen nicht direkt über dem Bett hängen sollten und rutscht etwas mehr an den Rand.

 

Beim ersten Mal in San Jose als es wesentlich sanfter ausgefallen war sprangen wir beinahe aus dem Bett und aus dem Hotel. Das Gefühl eines Erdbeben kann schon etwas Angst auslösen. Nachdem wir uns aber im Internet ein wenig Basis Wissen angeeignet haben gehen wir zwar etwas ruhiger, aber immer noch mit den nötigen Respekt damit um.

Nach der bewegten Nacht bleiben wir bis kurz vor Mittag im Bett, es ist schliesslich Sonntag. Ausserdem müssen wir wieder ein wenig Energie aufladen, daher bleiben wir auch gleich den ganzen Tag zu Hause. Das Wetter ist auch immer noch mies. Beni verlässt kurz das Haus und kommt mit Kaffee und Brot zurück, danach schauen wir uns den ganz groben zeitlichen Ablauf und mögliche Routen für das kommende Jahr an und machen uns erste Notizen zu Vietnam.

 

Eine Rundreise durch Asien ist aber aufgrund der Jahreszeiten und Klimazonen ziemlich schwierig zu planen. In Vietnam wollen wir zudem ein oder zwei Wochen Ferien machen und das chinesische Mond Neujahr am 5. Februar werden wir ziemlich sicher im Süden Vietnams miterleben.

 

Wir verlassen das Haus heute nur zum Wäsche waschen in der Wäscherei nebenan und um etwas zu Essen. Hier kann man die Wäsche wie auch schon in Japan und den USA nicht einfach abgeben und wieder abholen, sondern man muss selber waschen. Die Wäscherei ist aber zum Glück nur ein paar Meter entfernt und so können wir getrost der Maschine die Arbeit überlassen und müssen nur rechtzeitig zum Umpacken in den Tumbler zurück sein, damit niemand unsere Wäsche klaut.

 

In den USA und Japan hatten wir meistens in den Hotels eine Wäscherei und man musste einen PIN eingeben um die Maschine zu öffnen. Aber hier scheint es keinen zu interessieren. Niemand wartet dort auf seine Wäsche wie man es von amerikanischen Filmen kennt und es gibt auch keinen PIN. Man schmeisst es rein und kommt irgendwann zurück um es abzuholen.

 

Taroko Nationalpark

Heute gehen wir früh aus den Federn. Oder doch nicht? Das Wetter ist nach wie vor scheusslich und die Taroko Schlucht ist ja wahrscheinlich nicht viel anders als die Aareschlucht. Oder?

 

Kennt ihr das Gefühl wenn ihr noch eine oder zwei Wochen vor euren dringend benötigten Ferien steht? Je näher die Ferien kommen umso anstrengender sind die verbleibenden Tage bis es soweit ist. Wir sind hin und her gerissen, eigentlich möchten wir ja gehen. Wir haben beim Bäcker sogar noch Brot und Schokolade und im Supermarkt Wasser und Chips gekauft, so richtiger Wanderausflug Proviant.

 

Der Kopf meint: «Los steh auf, du könntest etwas verpassen!» aber der Körper meint nur: «Lass mich in Ruhe, ich mach heute den Faulpelz! Den Proviant kannst du auch im Bett futtern.» Die Moral von der Geschicht? Viel gesehen haben wir nicht. Den Proviant verputzen wir im Hostal und planen noch etwas unsere Weiterreise. 

 

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