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Taitung

Neuer Tag, neues Glück

Heut ist so ein schöner Tag, schala la la laa. Nach der ersten kalten und regnerischen Woche in Taiwan soll es wieder besser werden. Geschlafen haben wir schlecht und zu kurz aber das macht nichts, denn ausser ein neues Zimmer in Taitung, der nächsten Stadt, zu beziehen steht heute nichts an.

 

Die Fahrt mit dem Zug ist dieses Mal sehr angenehm und komfortabel, da gibt es selbst für Beni mal nichts zu meckern. Naja ausser die Lunchbox, die ist echt hässlich. Kein Vergleich zu Japan. Dafür sind die Chips mit Swiss Cheese gar nicht mal so übel.

 

In Japan fanden wir übrigens die Regeln und die Disziplin nach so langer Zeit in Südamerika sehr angenehm. Hier in Taiwan sind wir jedoch bereits wieder froh, dass wir unsere Hotels bereits vor dem offiziellen Check In um drei Uhr, beziehen können, das gab es in Japan nicht.

 

Nicht so froh sind wir ab der drastisch gesunkenen Rücksichtnahme unserer Mitmenschen, was den eher schlechten Schlaf erklärt, denn es ist wieder laut. Überall und andauernd. Auch die Müllwagen sind eine wahre Freude hier. Mit einer wahnsinnig lauten und nervtötenden Musik kündigen sie sich den Bewohnern an, welche sich sofort mit ihrem Müll an den Strassenrand stellen und auf den Müllwagen warten.

 

Es ist erst Mittag und wir sehen zum ersten Mal ein paar Sonnenstrahlen in Taiwan, trotzdem fallen wir gleich wieder ins Bett. Mist, nun liegen wir beide im Bett und das Wifi Passwort steht ganz klein neben der Türe angeschrieben. Schere, Stein, Papier, ist keine Option wir mögen uns beide nicht mehr bewegen aber ohne Internet geht es auch nicht. Zum Glück kommt Joli die Idee einfach unsere kleine Kompaktkamera auf dem Nachttisch  zu nehmen und mit dem Superzoom das Passwort zu uns zu holen. Zur Belohnung lassen wir uns gleich einen Kinder Schoko Riegel auf der Zunge zergehen.

Spring is back

Nachdem wir uns etwas ausgeruht haben schnappen wir uns die kostenlosen Fahrräder und düsen, nicht etwa in die Stadt, sondern nur die paar Meter zum Restaurant, welches wir uns ausgesucht haben. Uns nur von Schokoriegeln zu ernähren ist ja schliesslich auch nicht gesund.

 

Wir geniessen ausserdem den Frühling, denn die Sonne scheint bei etwa 22 Grad. Es ist eine Wohltat nach den kalten Wochen wieder in kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs zu sein. Auf unserem Weg kommen wir an einem Tempel vorbei an welchem wir einen Fotostop einlegen. Hier müssen wir zudem wieder regelmässig die Köpfe einziehen. Jeder Aviatik Fan würde, schon in Hualien, und nun auch hier voll auf seine Kosten kommen. Die Düsenjäger fliegen auch hier mit ohrenbetäubendem Lärm und fast im Minutentakt knapp über unsere Köpfe hinweg. Ja liebe Schweizer auch hier fliegen Düsenjets herum, nicht nur in Meiringen BE oder Dübendorf ZH und wisst ihr was? Es interessiert keine Sau.


Das Brunner (Breakfast, Lunch, Dinner) war ziemlich gut, Beni der Feinschmecker hat sich als Beilage zum Menu auch noch einen Teller gebratene Schweineblut Kekse bestellt. Hört sich abartig an, ist aber nicht viel anderes als die bei uns bekannte Blutwurst oder der englische Black Pudding, lecker Schmecker.

 

Auf dem Rückweg machen wir dann einen kurzen Abstecher ans Meer. Der Blick von hier auf die Bergkette im Hintergrund erinnert uns etwas an die Stockhornkette.  Aber die Sonne geht nun schon bald unter und es wird frisch, ist wohl doch noch einen Tick zu früh für kurze Hosen und Shirt.

 

Joli meint, dass hier wohl noch ein weiterer Tempel sein muss, denn man hört komisch klingenden Singsang der vom Wind zu uns getragen wird. Aber kurz darauf stellen wir fest, dass dieser schreckliche Gesang nicht etwa von Mönchen kommt, sondern aus einer Karaoke Bar. Sorry liebe Mönche, war nicht böse gemeint.

Vergiss es

Wieder einmal ausschlafen, sich in die Decke kuscheln und einfach nur schlafen. Seit wir Japan verlassen haben leider fast undenkbar. Die Ankunft jedes Mitbewohners ist bis spät in die Nacht unüberhörbar. Früh morgens ist es dasselbe und wenn nicht die Mitbewohner, dann lärmt garantiert schon um 7:00 die Putzfrau herum. Es ist zum Mäuse melken. Auch die Müllwagen geben Vollgas. Sie nähern sich unserer Strasse von links und rechts und dudeln ihre wunderbare Melodie im Kanon. Was für eine Freude.

 

I want to ride my Bicycle

Es ist 11 Uhr und die Sonne scheint uns aus dem Arsch, ehm draussen vom Himmel. Wir schnappen uns die Fahrräder und wollen heute etwas der Küste entlang zu einem Aussichtspunkt fahren.

 

Eigentlich dachten wir ja die Strasse führt uns schön an der wunderschönen Küste entlang und dass wir dort sicher ein Café finden um zu Frühstücken. Dem ist aber nicht so, eine knappe halbe Stunde radeln wir einer Schnellstrasse entlang, welche immerhin einen Fahrradstreifen hat. Dann durchqueren wir ein kleines Dorf und wollen uns unsere liebgewonnenen Eiersandwiches kaufen. Leider sind diese nur zu oft, so auch heute, ausverkauft. Dann halt die Alternative – Kinderschokoriegel, dazu gibt es Coca Zero und Sprite – wir leben richtig gesund.

 

Nach ein paar weiteren Metern kommen wir an einem grossen Parkplatz an. Xiaoyeliu heisst dieser Ort. Hier sind wir offensichtlich richtig, es gibt Souvenir Shops, haufenweise Roller und drei Reisebusse sind auch anwesend. Joli wühlt sich erstmal durch die Kleider und findet auch ein hübsches kleines schwarzes "Made in Taiwan".

 

Dann wollen wir aber endlich mal die Küste sehen. Wir schauen uns die grosse Übersichtstafel am Wegrand an. Ein Weg führt nach links und einer nach rechts, scheint ziemlich weitläufig zu sein, wir entscheiden uns erstmal für die linke Seite. Nach einem zwei minütigen Spaziergang erreichen wir dann das Ende des Weges, wie echt jetzt? Okey, wir laufen eine Minute zurück von wo aus man über die steinige Küste auch das Meer sehen kann. Wir verlassen die "Wanderautobahn" und gehen über Stock und Stein, naja eher nur über Stein, ans Meer. Wir haben schon fast sommerliches Wetter, geniessen die Meeresbrise und schauen etwas den Fischer und Wellen zu und Beni macht immer wieder ein paar Sätze rückwärts wenn die Wellen ihm gar zu nahe kommen.

 

Bevor wir die rechte Seite erkunden, holen wir unsere Fahrräder, denn laut Maps geht dieser Weg durchgehend bis zum Hafen und wieder zurück nach Taitung. Leider ist auf Maps das grosse verschlossene Tor nicht eigezeichnet und entdeckt haben wir es leider auch erst, als wir mit den Fahrrädern die steile Treppe schon nach unten gestiegen sind. Mist aber auch. Zum Glück entdeckt Joli neben dem Tor ein Loch im Zaun, dass gross genug ist um uns und unsere Fahrräder hindurch zu quetschen.

 

Fischers Fritz...

…fischt frische Fische. Auf dem Rückweg durch den Hafen sehen wir ein paar Stühle, wo man wohl etwas zu Essen bekommen würde, aber irgendwie herrscht für einen Fischerhafen tote Hose – liegt wohl daran das es auch schon eher spät ist. Wir schiessen ein paar Fotos mit dem lustigen Schiffchen und suchen danach das Dorf auf.

 

Hier bleiben wir vor einem Restaurant stehen und überlegen ob wir hier wohl etwas zu essen bekommen. Wir bezweifeln das der Fischer hier auf den Namen Fritz hört, aber die Fische sind unbestritten frisch.

 

Wir sind noch etwas zurückhaltend, da wir ausser chinesischen Zeichen nichts lesbares entdecken können. Aber da kommt bereits der Besitzer mit einem freundlichen «Hello» auf uns zu und reicht uns die Karte und fragt sogleich «You understand chinese?». Wir lächeln und schütteln verlegen den Kopf, er spricht leider genauso schlecht Englisch wie wir Chinesisch. Aber macht nichts, er legt die Speise Karte beiseite und führt uns das Essen gleich vor.

 

Sorry an alle vegetarischen Leser für die ausführliche Berichterstattung, vielleicht überspringt ihr einfach ein paar Zeilen. Zuerst holt er uns die Fische aus dem Aquarium und meint «Sashimi». Sashimi ist frischer Fisch, welcher roh gegessen wird. Dann zeigt er uns die noch lebenden Krebse und die Muscheln im Wasser, welche so frisch sind das sie beinahe noch aus dem Kessel springen. Wir zeigen einmal auf die Muscheln und einmal auf die Sashimi, er fragt noch «Fried noodles?» und wir nicken - klar doch. Et Voilà das Essen ist bestellt.

 

Wir setzen uns an den Pingpong Tisch mit Ministühlen und 10 Minuten später erhalten wir ein Gedicht von einer Mahlzeit serviert, dazu ein lecker Bierchen, einfach herrlich. Als wir fertig getafelt haben kommt der freundliche Besitzer zu uns an den Tisch und füllt gleich nochmal unsere Gläser mit seinem Bier auf um mit uns anzustossen.

 

Auf dem höchst langweiligen Rückweg entlang der Schnellstrasse, werden wir dann noch mit krachendem Lärm unterhalten und legen einen kurzen Stopp ein. Wir beobachten ein wenig die Kampfjets mit den getigerten Heckflügeln. Die Jets fliegen nur wenige Meter neben uns vorbei an den Flughafen, welcher parallel zu Strasse verläuft. Leider zeigen sich die Piloten von Benis Winkerei und seinen "Sälüü" rufen nicht beeindruckt, sind wahrscheinlich zu beschäftigt, jedenfalls winkt keiner zurück.

 

Zurück in Taitung wollen wir uns am Busbahnhof über den Bus informieren, mit welchem wir morgen die Küste erkunden. Die Mitarbeiter am Schalterhäuschen sind dann aber nicht sonderlich hilfsbereit. Auf unsere Frage «East Coast Bus?», der heisst wirklich so, zeigt der erste Mitarbeiter auf den zweiten und dieser schüttelt nur den Kopf und schaut wieder auf sein Handy. Äh ok, das war jetzt eine dieser Reaktionen, von welchen wir im Zusammenhang mit Japan so viel gelesen, es aber nie erfahren haben. Mühsam.

 

Ein Haus weiter finden wir dann mit Hilfe der Touristeninfo die Abfahrtszeiten und Orte heraus und kaufen uns noch etwas Proviant für den morgigen Ausflug und ein Dessert bevor wir nach Hause gehen. Die Bäckereien sind hier nicht mehr so gut wie in Japan - das nur so neben bei, um Jolis verzweifeltes Gesicht zu erklären.

 

Oops, we did it again

Proviant eingekauft - Check, Bushaltestelle gefunden - Check, Wecker gestellt - Check, früh Morgens aufgestanden - Error.

 

Nach einer kurzen Halbschlaf Beratung, einem Blick aus dem Fenster (zwei unübersehbare Schleierwolken ganz weit hinten am Horizont) hat der Wecker wieder mal nichts mehr zu melden.

 

Die Stunden vergehen und es wird schliesslich Mittag bis wir aus dem Bett immerhin bis aufs Sofa kriechen. Der Reiseproviant schmeckt auch zu Hause ganz gut und Vietnam muss noch geplant werden, wollen wir es doch während 8 Wochen von Nord nach Süd entdecken. Wieso müssen die immer alles zum Voraus planen werdet ihr euch jetzt denken. Ganz einfach, Anfang März treffen wir uns mit Jolis Schwester Möööni und ihrem Freund Yvan (nicht der Schreckliche) in Bangkok um gemeinsam drei Wochen durch Thailand zu reisen.

 

Zudem ist es in Asien nicht mehr so einfach überall einfach mal so einzureisen, da wir häufig ein Visa brauchen. Auch über den Landweg über die Grenzen zu reisen ist mühsamer, weil die Visa Bedingungen oft via den internationalen Flughäfen besser sind, dafür braucht man aber auch immer Weiterflüge, usw. Etwas mühsam und deshalb ist es hier mit der Planerei etwas anstrengender als noch in Südamerika.

 

Nightmarket

Abends raffen wir uns doch noch auf und radeln mit den Fahrrädern zum hiesigen Nachtmarkt. Auf jedem dieser Märkte entdeckt man auch wieder Neues. Beni versucht eine Hot Dog Variante, bei welcher das Würstchen in ein weiteres aufgeschnittenes Würstchen gelegt wird das aber aus Klebreis besteht. Dazu kann man sich bei Saucen, Knoblauch, Zwiebel, Gurken und Co. bedienen. Die von uns geliebten Wontons essen wir einmal gedämpft und einmal gebraten. Zum Schluss eine Portion Pommes und Chicken Nuggets und wir sind satt. Es ist jetzt aber auch Zeit nach Hause zu fahren, denn eine riesige schwarze Wolke verschluckt die strahlenden Sterne am Himmel und wir haben keine Lust auf dem Rückweg nass zu werden.

 

Auch heute kommen wir vom dem schlafen gehen noch einmal in den Genuss des Müllwagen Kanons. Yeah!

 

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