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Kenting

Ganz im Süden in Kenting lassen wir uns für 4 Nächte nieder. Mit Zug und Bus sind wir knapp 4 Stunden unterwegs bevor wir das kleine Dorf an der südlichen Küste Taiwans erreichen.

 

Am Bahnhof Fangliao, als wir auf den Bus umsteigen, fällt uns an der Hauptstrasse etwas auf, dass uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Als die Fussgängerampel rot leuchtet ist nämlich nicht einfach nur ein rotes Männchen zu sehen. Hier ist eine schwangere Frau abgebildet mit einem pulsierenden Herz im Bauch und daneben ein Mann, welcher die Hand auf den Bauch der Frau hält. Als die Ampel dann auf grün wechselt sieht man den Mann und die Frau mit Kind an der Hand davon gehen. Ist ja sehr kreativ. Cool.

 

Glücklicherweise sind wir im Bus bei der Sache, denn wenn wir nicht gemerkt hätten das wir gerade durch Kenting fahren, wäre der Bus einfach weitergefahren. Wir wussten ja nicht das der Busfahrer hier nur auf Zuruf anhält obwohl es eine offizielle Bushaltestelle gibt. Die beiden Damen, die bemerkt haben, dass wir aufgestanden sind und wohl aussteigen wollen, schreien nach vorne zum Buschauffeur – wir hätten jetzt einfach gewartet bis er anhält und das hätte wohl noch eine Weile gedauert. Naja immerhin sind wir noch im Dorf, wenn auch am falschen Ende. Also laufen wir schön brav mit dem ganzen Gepäck zurück und machen uns auf die Suche nach unserer Weihnachtsunterkunft.

 

In Kenting fällt uns dann auf das die Ampeln in der Gegend wohl eine Liebesgeschichte erzählen. Denn hier sieht man auf der roten Fussgängerampel wie ein Mann vor einer Frau kniet und ihr einen Heiratsantrag macht. Bei grün gehen sie dann Hand in Hand. Die Fortsetzung ist dann wohl die «schwangere» Ampel in Fangliao, welche wir zuerst gesehen haben – wobei wer weiss, vielleicht gibt es noch eine Story dazwischen, welche auf einer weiteren Ampel gezeigt wird. Würde uns nicht wundern, denn Sinn für Humor haben sie hier definitiv. 

Wir beziehen unser Zimmer und gehen gleich wieder raus um Kenting zu erkunden. Eine Touristen Info suchen wir hier vergeblich (und wir haben wirklich intensiv gesucht), die Unterkünfte versorgen die Touristen hier mit den nötigen Infos, mehr oder weniger zumindest. Eine Hotel Rezeption sieht aus wie eine Info – ist es aber nicht – aber zumindest kann der Mitarbeiter hier soweit Englisch, dass wir zu unseren Infos kommen und auch mit Freuden feststellen, dass an Weihnachten alles normal geöffnet hat, da man hier eigentlich gar nicht Weihnachten feiert. Die ganzen Dekos und Lieder verfolgen einem hier also nur so zum Spass.

 

Etwa einen Kilometer lang ist die Hauptstrasse durch das Dorf, welche gesäumt mit kleinen Hotels, Souvenirshops und Restaurants ist. Uns gefällt es auf Anhieb sehr gut hier, es ist ruhig und gemütlich. Bei einem Spaziergang vergleichen wir gleich noch gleich die Preise der vielen Scooter Vermieter und kommen auch am Strand vorbei. Hier tummeln sich eine Handvoll Menschen im Wasser während ein paar Surfer sich an den Wellen versuchen. Mit einem kühlen, lecker Bierchen geniessen wir endlich unseren lang ersehnten Sommeranfang mit 25 Grad bevor wir uns auf den Rückweg machen und dem taiwanesischen Stockhorn unter Palmen freudig zuwinken.

 

Europäisch

Seit über sechs Wochen ernähren wir uns fast ausschliesslich asiatisch. Das Essen ist wirklich sehr lecker, wenn auch manchmal kurios. Aber wir haben trotzdem wieder einmal Lust auf etwas europäisches, wir wollen Pizza & Pasta. Wir finden dann auch eines dieser Touristen Restaurants, welches unseren Anforderungen entspricht. Die Pizza ist gut, die gratinierte Meeresfrüchte Pasta sogar hervorragend. Der Preis mit 25 Franken ist für hiesige Verhältnisse eher teuer aber lecker wars trotzdem.

 

Apropos kurios. Wir entdecken auch in den Supermärkten immer wieder eigenartige Dinge. Das Faszinierende ist eigentlich mehr, dass solche Dinge wie Pringles mit Gebratene-Nudeln-Geschmack uns noch überraschen…

Die Hauptstrasse wird ab sechs Uhr abends in einen Nachtmarkt verwandelt. Mit vollen Bäuchen schauen wir auf dem Rückweg zum Hotel neidisch die vielen Leckereien an. Wir sind positiv überrascht, dieser Markt ist bei weitem der Beste, welchen wir in Taiwan gesehen haben. Er ist zwar nicht in einer abgesperrten Strasse, zieht sich aber dafür der ganzen, sowieso nicht so verkehrsreichen, Hauptstrasse entlang und es gibt es unglaublich viele verschiedene Knabbereien hier. Er ist auch nicht völlig überlaufen und es gibt zwischen den Ständen genügend Platz und alles läuft sehr gemächlich ab, wunderbar – da wollen wir auch noch Essen – also Morgen oder so.

 

Wir sind die coolsten...

…wenn wir cruisen, wenn wir an der Küste entlang düsen. Gleich um die Ecke unseres Hotels mieten wir uns für zwei Tage einen Roller, mit welchem wir die Küste erobern wollen. Los geht’s aber erst einmal direkt zur Tankstelle, die Tankregelung ist leer zu leer. An der Tankstelle fragt die Bedienung "Full"? Worauf Beni entgegnet «No, just for two days.» Nach kurzer Beratung mit ihrem Kollegen tanken wir für drei Franken. Der Tank ist voll.

 

Also nochmal, los gehts, wir gehen erstmals ganz nach Süden und danach der Ostküste entlang. Wir legen an einem Strand einen kurzen Fotostopp ein bevor wir die erste Hälfte unserer Eiersandwiches verspeisen. 

 

Danach machen wir an einem kleinen Park halt und machen einen Spaziergang zu einer Aussichtsplattform. Den Leuchtturm sehen wir uns von weitem an. Es hat viele Touristen hier doch die beschränken sich auf den Leuchtturm, welcher uns aber nicht interessiert. Wir nehmen die paar hundert Meter runter ans Meer auf uns und sind hier sogleich alleine. Wir geniessen den Blick aufs Meer und schnabulieren die zweite Hälfte unseres Frühstücks.

 

Das erste Mal

Neben uns sind auch noch ein paar andere Touristen auf ihren Scooter unterwegs, welchen wir immer wieder begegnen. Zwei junge Asiatinnen haben sich auch je einen Roller gemietet, eine von ihnen scheint aber definitiv das erste Mal in ihrem Leben auf so einem Gefährt zu sitzen. Wir schauen ihr zweimal zu wie sie ihren Roller beim Parkieren auf die Strasse knallen lässt und dabei noch selbst hinfällt. Also eigentlich beobachten wir das an jedem Stopp, denn die beiden sind immer dicht hinter uns. Tja, Frauen am Steuer ungeheu... Joli sitzt immerhin zum zweiten Mal auf einem Roller hinten drauf aber auf die Idee im Ausland einen eigenen Roller zu mieten ohne vorher jemals einen gefahren zu haben können wir nicht nachvollziehen.

 

It's a little bit windy today...

Am südlichsten Punkt der Insel sparen wir uns die Eintrittsgebühr und fahren noch ein Stück weiter die Strasse an der Ostküste wieder hoch. Heute ist es sehr windig - nein gemeint sind nicht Benis Flatulenzen, sondern die starken Seitenwinde, welche uns vereinzelt etwas ins Schlingern bringen. Unseren Roller parkieren wir an der Strasse und spazieren über ein Feld zu den Klippen. Auch hier an der Klippe zieht uns ein heftiger Wind um die Ohren, die Aussicht ist aber dennoch schön. Wir sind zuerst ganz alleine hier aber unserem Beispiel, den Roller am Strassenrand zu parkieren, folgen innert Kürze ganz viele weitere Touristen und schon haben wir einen neuen Touristenhotspot geschaffen – das die Leute keine eigenen Ideen mehr haben… Naja, dann gehen wir halt wieder.

 

Wir fahren zurück und kommen wieder nach Kenting. Nach einem Stopp im Starbucks fahren wir weiter zum Eingang des Nationalparks, wir wollen für morgen bereits ein paar Infos einholen. Übrigens, was soll das Starbucks Logo eigentlich darstellen? Joli tippt auf eine Meerjungoktopus.

 

Frittierte Fledermäuse

Wir haben noch etwas Zeit bevor es dunkel wird und schauen uns noch kurz die Westküste an. Hier finden wir dann den hiesigen Touristen Hotspot. Eine Vielzahl von Reisebussen und geführten Touren sind hier zugegen. Man bezahlt für die Aussicht, das Parking, die Toiletten, eigentlich für alles. Ganz ehrlich, die Aussicht an der Ostküste ist wesentlich hübscher und erst noch gratis. Zudem muss man sich dort nicht über Touristen ärgern die direkt neben dem Schild «Nicht auf die Mauer klettern!» auf der Mauer stehen…

 

Wir schauen uns die Souvenir Shops und Fressbuden an. Hier entdeckt Beni ganz begeistert frittierte Fledermäuse. «Wie bitte?!», denkt sich Joli und erklärt dann nach einem kritischen Blick auf die frittierten Objekte, dass es sich hier um fliegende Fische handelt resp. gehandelt hat. Aaah ja, macht auch etwas mehr Sinn…

Für den Rückweg haben wir uns ein Restaurant ausgesucht welches etwas ausserhalb unseres Dorf liegt. Wir bestellen uns hier ein sehr leckeres Gulasch und einen Meeresfrüchte Teller mit Reis, ein grandioser Abschluss des heutigen Tages und eine schöne Vorfreude auf unser morgiges Weihnachtsessen, das unter die Kategorie kleine Freuden fällt.

Übrigens auch kurz vor Weihnachten kann man sich noch einen Sonnenbrand holen. Beni the red nose rendeer hat sich jedenfalls die Unterarme und die Nase verbrannt. Joli war clever genug und hat sich eingecremt – aber das Rentier wollte ja wieder einmal nicht hören.

 

Wenn wir können, ...

… wollen wir nicht und wenn wir wollen können wir nicht. Wir haben den Roller auch für heute gemietet und ebenfalls wieder Proviant eingekauft. Kurz nach sieben stehen wir auf um im Nationalpark wandern zu gehen. Petrus diese Träne hat aber mal wieder nichts Besseres zu tun als die Schleusen zu öffnen. Es schüttet bereits die ganze Nacht wie aus Kübeln und es sieht nicht aus, als würde es bald aufhören. Vor ein paar Tagen waren wir bei schönem Wetter noch zu faul uns aufzuraffen und jetzt wo sogar Motivation vorhanden ist, werden wir durch das Wetter gestoppt. So verbringen wir den Morgen im Bett und hören uns Weihnachtslieder an während wir wie immer unseren Proviant im Zimmer vernichten. Vielleicht sollten wir einfach keinen Proviant im Voraus mehr kaufen?!

 

Weihnachtsschlemmerei I

Wir nutzen einen kurzen Regenunterbruch um unser Weihnachtsessen vorzuziehen. Es ist zwar erst mitten am Nachmittag aber das tolle Restaurant von gestern hat durchgehend geöffnet. Also düsen wir mit dem Roller bei tobendem Wind, geschwind dahin.

 

Wir feiern und schlemmen ausgiebig. Danke Renate Feller für unser Weihnachtsessen.

 

Wir starten mit einem Tomaten Mozzarella Salat und scharfen Chicken Wings als Vorspeise, gefolgt von einer Lachspasta und einem Meeresfrüchte Risotto. Zum Dessert erquicken wir uns an Tiramisu und Cheesecake.

 

Das Essen ist wahrlich ein Gaumenschmaus, einfach auf den Wein verzichten wir, da wir mit dem Roller unterwegs sind. Zwischen den Gängen vergnügen wir uns, nicht miteinander, aber mit einer Partie Yatzy, in welcher Joli mit 343 Punkten einen neuen persönlichen Rekord aufstellt. Absoluter Spitzenreiter in dieser Statistik, wie könnte es auch anders sein, ist Beni der Mann mit dem goldenen Händchen, mit sagenhaften 358 Punkten und das ohne zu bescheissen (wer’s glaubt wird seelig).

 

Zwei Stunden später scheint der Dauerregen wieder unterbrochen und wir schwingen unsere dicken Bäuche mit viel Schwung auf unseren Roller um die Heimreise anzutreten. Petrus die Schweinebacke hat aber etwas dagegen und lässt es nochmals vom Himmel sabbern. Zusammen mit den heftigen Windböen könnte man meinen er sei schwer erkältet und hält nichts davon sich beim Niesen die Hand vor den Mund zu halten. Die einzelnen heftigen Windböen schleudern dir den Regen so entgegen, dass du das Gefühl hast vor einer riesigen niesenden Nase zu fliehen…

 

Frohe Weihnachten

Wir haben mit dem Vermieter ausgemacht, dass wir den Roller auch ein paar Stunden später zurück bringen können und nur einen Teil der Tagesmiete zusätzlich bezahlen.  Wenn wir also heute früh aufstehen, können wir am Vormittag in den Park und danach den Roller fast pünktlich abgeben. So der Plan.

 

Es ist als würde ein Taifun über uns herziehen. Schon die ganze Nacht zieht ein heftiger Wind um die Häuser, welcher uns immer wieder aus dem Schlaf holt. Die Fenster klappern, unter dem Türspalt heult der Wind durch und es wütet wie gestört draussen. Wir lassen den Nationalpark auch heute aufgrund des Wetters sprichwörtlich sausen. Bei diesem Wind ist ein Spaziergang im Wald eher nicht so ideal, wenn wir es denn überhaupt schaffen mit dem Roller gegen den Wind den Berg rauf zu kommen.

 

Wir suchen uns ein gemütliches Kaffee um etwas zu verweilen. Nach einem sehr windigen Spaziergang schauen wir uns im Zimmer einen Weihnachtsfilm an bevor wir unsere Weihnachtsschlemmerei Teil II – danke vielmals Renate Feller – antreten, über den Nachtmarkt schlendern und uns einmal querdurch futtern. Wir haben beschlossen, dass wir auch im Ausland genauso viele Weihnachtsessen abhalten können wie zu Hause. Frohe Weihnachten!!!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    renate feller (Dienstag, 26 Februar 2019 19:11)

    Ja dir liebe es fröit mi das es öich immer no so guet gfaut u dir ou immer no sone gsägnete appetitt heit.ha scho 2kg zuegno vom fuetterföteli luege u läse. Ganz viu liebi grüess ma

  • #2

    Benjoli (Donnerstag, 28 Februar 2019 14:15)

    Ja äbä simer viu zgfrässig - isch ahfah e Gruus am Flughfae ufd Waag zstah ;-)