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Kaohsiung III

Einmal kanadisch bitte

Wir haben wieder einmal gut und relativ lange geschlafen. Nach dem Aufstehen gehen wir bei einem Kanadier um die Ecke lecker Frühstücken. Der Besitzer erklärt uns die Karte in einem Tempo, welches uns so früh am Morgen völlig überfordert. Auf gut Glück bestellen wir einfach irgendetwas.

 

Mit Bratkartoffeln, Toast, Spiegeleiern, Speck, einem riesen Sandwich und Kaffee starten wir super in den kurzen Tag. Kurz, weil es bereits halb 12 ist und wir erst gerade Frühstück bestellen. Einzig der Saft ist ein Fehlgriff. Der Kanadier hat «Grape juice» gesagt, Joli hat in Gedanken «Juice» in «Fruit» umgewandelt und dann leider einen sehr hässlichen, künstlichen Trauben- anstatt Grapefruitsaft bekommen.

 

Wir erkundigen uns beim Kanadier auch gleich wo er seine Wäsche waschen lässt, da wir im Internet nichts brauchbares finden konnten. Er wohnt zwar seit fast 20 Jahren in Taiwan, kann aber die chinesischen Zeichen auf Benis Maps nicht lesen, daher zeichnet er uns eine Karte. Hmm… Chinesisch ist schwierig, klar. Aber nach 20 Jahren sollte man doch mehr als nur etwas sprechen können?! Also Joli findet es schon in den drei Wochen hier schrecklich, dass sie nichts lesen geschweige denn verstehen kann. Aber 20 Jahre in einem Land leben und nichts lesen können? Geht ja gar nicht!

 

Sein Waschsalon des Vertrauens ist dann dafür ein Glücksfall. Die Dame spricht zwar nur Chinesisch mit uns, wir verstehen aber den Preis, die Leistung und das wir die Wäsche bereits in zwei Stunden wieder abholen können. Die Zeit dazwischen widmen wir dann, in einem Café in der Nähe, der Vietnamplanung.

 

Danach gehen wir am selben Ort wie gestern Abendessen, bevor wir nach einem Spaziergang nach Hause kommen. Im Hotel dürfen wir unsere benötigten Dokumente wie das beantragte Online Visum für Vietnam und die Flugtickets drucken, denn im Supermarkt am Drucker haben wir es vergeblich versucht – irgendwie verstanden wir nur Chinesisch. Für Vietnam mussten wir uns erstmals ein Visum beschaffen um das Land zu betreten. Das Visum für 90 Tage mit einmaliger Einreise kostet für uns beide zusammen etwa 130 Franken und die Beantragung war kinderleicht. Schauen wir mal ob die Einreise da anknüpfen kann.

 

Big Buddha

Wir besuchen den übergrossen Buddha etwas ausserhalb von Kaohsiung. Anstatt auf den Bus zu warten, welcher laut Taxifahrer sowieso erst in einer Stunde kommt (wers glaubt…), teilen wir uns mit zwei deutschen Studenten und einer Familie ein Taxi dorthin, denn der Aufpreis ist mit knapp 2 Franken mehr, vertretbar. Die Fahrt dauert dafür auch nur 20 statt 30 Minuten.

 

Die ganze Energie, die wir bei der Ankunft in Kaohsiung verspürt haben ist bereits wieder verpufft. Joli zumindest schläft fast im Gehen ein, weshalb wir als erstes beim Starbucks haltmachen, wo sie jedoch auch fast am Tresen einschläft. Nach dem heissen Kaffee Mokka (bei fast 30 Grad) und dem Koffein und Zucker Flash geht es wieder, wenn auch nicht sehr lange.

 

Wir wissen nicht genau was uns erwartet, sind aber auf Anhieb positiv überrascht von der grossen Anlage. Nach dem Starbucks laufen wir durch eine grosse Halle voll mit Souvenirs und danach offenbart sich uns ein ziemlich geiler Anblick. Wir stehen am Anfang eines blumengesäumten Weges, welcher auf beiden Seiten von grossen Pagoden flankiert ist. In der Ferne thront in der Mitte der riesige goldene Buddha. Aus kleinen Boxen läuft in der ganzen Anlage eine angenehme gemütliche Musik. Uns gefällt es hier und es ist auch nicht so überlaufen wie anderswo. Es ist eine weitläufiges mit Blumen und Statuen gesäumtes, sauberes Gelände.

 

Und es kostet überraschenderweise keinen Eintritt, dafür wird Wert auf ein angemessenes Erscheinungsbild gelegt. Vereinfacht ist damit gemeint nicht zu viel Haut zu zeigen, was in Benis Fall schon eher grenzwertig ist und Joli schwitz sich dafür einen ab, mit dem Hemd, dass sie zusätzlich überwerfen muss, damit die Schultern bedeckt sind. Beni findet die vorgegebene Etikette geht völlig in Ordnung, nicht zuletzt da auch kein Eintritt verlangt wird. Joli hingegen sträubt sich generell gegen alle Vorschriften zu ihrer Kleidung, sei es im Arbeitsleben oder in der Freizeit. Zudem ist sie überzeugt, dass es weder Buddha, noch Gott oder sonst einen der Heiligen irgendwo kratzt wie wir Erdlinge rumlaufen und nennt das Ganze nur ein «blödes Getue.»

Vor dem Buddha steht so etwas wie eine kleine Pyramide, welche als Museum gebaut wurde. Im inneren sind zahlreiche Angestellte, welche in verschiedenen Sprachen Auskünfte oder kurze Führungen anbieten. Wir schauen uns erst lieber ein wenig selbst um, werden dann aber im Hauptraum, in welchem Fotos machen verboten ist, von einer uralten Angestellten in Beschlag genommen. Sie stellt sich vor uns und beginnt sogleich alles zu erklären vor allem über die Statue mit den 1000 Händen und Augen, welche vor uns steht und den Baum des Lebens. Sie ist überfreundlich zu uns und schenkt uns dann beim Rausgehen auch noch ein nigelnagelneues dickes Buch über den Buddhismus, welches ausser uns sonst niemand erhält. Sie hat wohl irgendwie einen Narren gefressen an uns und stellt uns auch noch ihren Ehemann vor, der auch hier arbeitet. Wir wissen nicht ob es Jolis blonde Haare sind oder weil sie die Schweiz so Beautiful findet. Meistens heisst es ja nur «Ah, Switzerland rich people» aber in Asien heisst es immer «Oooh Switzerland very nice!». Sie verabschiedet sich dann auch mit einem deutschen «Tschüss» von uns, welches uns ein wenig ins Staunen bringt.

 

Nach den bisher nicht ganz so schönen Tempeln, welche wir im Taiwan gesehen haben, ist das hier doch eine sehr schöne Anlage, welche wir empfehlen können. Zurück nehmen wir dann den Bus. Es dauert eine Weile bis wir sicher sind welcher Bus es denn nun ist, aber während Joli rum rennt, steht Beni einfach schon Mal proforma bei der längsten Schlange an. Gut gemacht, es ist zum Glück die richtige und ohne Anstehen, hätten wir den nächsten Bus eine Stunde später nehmen müssen, denn er ist voll und es haben nicht alle Platz. So können wir jetzt sogar noch die Plätze hinter dem Busfahrer ergattern.

 

Die Klimaanlage läuft wieder einmal auf Hochtouren und Jolis «Ich hasse Klimaanlagen – Dauerhusten» meldet sich unaufhörlich. Der Busfahrer mag es anscheinend nicht wenn man ihm von hinten in den Kragen hustet. Es vergehen keine zwei Minuten und er hält uns wortlos eine schöne pinke Atemschutzmaske hin, welche Joli widerwillig aufsetzt. Keine Ahnung wieso aber sie empfindet diese Maske als erniedrigend. Als wäre sie irgendwie aussätzig oder noch schlimmer als ob man ihr den Mund verbieten würde - als wäre das jemals möglich.

 

Das Hafenviertel

Da unser Flug nach Vietnam erst gegen Abend geht, haben wir noch Zeit das Hafenviertel zu besuchen, welches uns empfohlen wurde. In der Metro schauen wir erstmal blöd als ein lebendiger Roboter einsteigt. Hat irgendwie echt Style dieses Outfit. Uns gefällts.

 

Im Hafenviertel angekommen, entfliehen wir den Geiern die uns Fahrräder vermieten wollen und gehen erstmal in einem Café Frühstücken und arbeiten etwas am Laptop. Irgendwie ist es aber nicht so gemütlich, also flanieren wir einfach etwas durch die Gegend.

 

Es ist ziemlich viel los, wohl weil Wochenende ist. Auf einem alten Gelände, was wohl einmal ein Bahnhof oder Zugdepot war tummeln sich viele Leute. Die Kinder lassen Drachen steigen, es gibt einem Minizug für die Kids, einen Shop mit allen erdenklichen Mumins Souvenirs, wo dazu die deutschen Lieder der Serie laufen und die Erwachsenen Leute sich wie Kinder verhalten, einen Floh- und Büchermarkt und viele kunterbunte und kuriose Dinge. Alles in allem ein Unterhaltsamer Abschluss und Abschied von Taiwan.

 

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