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Hanoi I

Vietnam, was weiss man über dieses Land? In unserem Fall wissen wir immerhin das von da die kegelförmigen Hüte kommen. Haben wir uns doch an der Expo 2015 in Mailand solch ein hübsches Exemplar gekauft. In unseren Vorstellungen sehen wir die Vietnamesen mit eben diesen Hüten auf Reisfeldern arbeiten oder auf kleinen Holzbooten dem Sonnenuntergang entgegen paddeln. Nicht zu vergessen ist sicher auch der Vietnam Krieg. Wir sind gespannt was uns erwartet. Wettertechnisch erwarten uns gemäss diversen «Wahrsagerseiten» zwei nass kalte Wochen mit 11-18 Grad – Freude herrscht.

 

Wir immigrieren

Unser Flug verläuft angenehm, die vietnamesische Billig Airline VietJet bietet wofür man auch bezahlt. Einen leicht verspäteten, billigen Flug ohne Service, einen engen Sitzplatz und pingelig genaue Kontrolle des Gewichts von Aufgabe und Handgepäck. Wir landen aber in beiden Fällen knapp unter dem Maximum, so dass wir unsere Jacken und Hosen nicht mit Gepäck vollstopfen müssen wie geplant.

 

Die Immigration verläuft ohne Probleme, auf uns wartet ein nicht ganz so freundlicher Angestellter, welcher für uns das Visum aber ohne langes Warten einholt. Jetzt sind wir froh das wir das etwas teurere Online Visum dem Visa on Arrival vorgezogen haben, denn unser Visa Boy kann die ganze Reihe überspringen und kommt sogleich mit unserem Pässen und Visa zurück. Beim Herrn an der Passkontrolle kann Beni mit einem freundlichen und gut einstudierten «chào buôi tôi» (Guten Abend) immerhin ein kurzes Lächeln auslösen und schon sind wir in Vietnam.

Selfmade Millionäre

Kurze Zeit später, nachdem wir am Geldautomaten waren, sind wir bereits erstmals Millionäre. Mit etwas über zwei Millionen Dong (etwa 84 Franken) im Portemonnaie laufen wir die 1.5 Kilometer zu unserem Hotel, da die Taxi Fahrer nicht wirklich Lust auf die kurze Strecke haben und uns alle sagen: «Nicht weit, da lang. Laufen.». Die tun so als wären wir die faulen Säcke, dabei wollen sie für die Strecke einfach nicht losfahren – unglaublich. Also laufen wir mit vollem Gepäck und es fängt natürlich auch noch an zu regnen. Die Strecke ist dunkel und nicht sehr belebt und in Südamerika wären wir niemals hier lang gegangen und das auch noch bei Nacht. Aber hier in Asien fühlen wir uns irgendwie viel sicherer als in Südamerika – eigenartig. Vielleicht haben wir aber aus lauter Gewohnheit auch die übliche Vorsicht mit der Zeit etwas schweifen lassen… Auf jeden Fall kommen wir an und werden herzlich begrüsst obwohl schon mitten in der Nacht ist. Eine kurze Dusche und dann fallen wir hundemüde kurz nach Mitternacht in unserer Unterkunft am Flughafen ins Bett, morgen früh geht es dann ab nach Hanoi in die Altstadt.

Good Morning Vietnam

Sprach Robin Williams im gleichnamigen Film in den späten 80 Jahren ins Radio. Die älteren Semester unter unseren Lesern kennen den Film vielleicht. Unser erster Morgen ist eher nicht so gut. Es ist kalt und wir können die Unterkunft nicht verlassen da niemand da ist und die Türen verriegelt sind. Nach etwa 15 Minuten warten hört Beni auf einmal ein Schnarchen im Gang hinter der Rezeption. Zuerst denken wir an einen Hund, wollen es aber genau wissen, also machen wir uns nochmal, etwas lauter als zuvor bemerkbar. Tatsächlich kommt der Herr des Hauses verschlafen daher und entlässt uns in die Freiheit. Mit einem Grab Taxi geht es nach Hanoi. Grab ist das asiatische Pendent zu Uber. Funktioniert praktisch genau gleich hat auf Deutsch gelesen nur keinen sehr vertrauenswürdigen Namen. So nach dem Motto: ich bestelle mir jetzt mal ein Grab, mach’s gut und vielleicht auf nimmer wieder sehen. Naja so schlimm ist es dann doch nicht und wir kommen wohlbehalten in der Altstadt an.

Es ist schon fast Mittag als wir unser Hotel beziehen. Das Zimmer ist gross, sauber und wir fühlen uns sofort wohl hier. Wir richten uns kurz ein um sogleich auf Nahrungssuche zu gehen. Es ist Zeit für einen kleinen Snack bevor wir um halb drei zu einer drei stündigen Streetfood Tour abgeholt werden. Draussen auf den Strassen herrscht ein riesen Chaos und Jubel Trubel Heiterkeit. Haufenweise hupende Roller und ein paar wenige Autos teilen sich hier mit mindestens gleich vielen Fussgängern die Strassen.

 

Das grosse, wilde Gewusel ist uns auf Anhieb irgendwie sympathisch. Wenn man die Strasse überqueren will, darf man aber keine Angst haben oder zeigen. Nicht zu langsam aber auch nicht zu schnell sollte man in einem gewissem Flow die Strassen kreuzen. Ja nicht anhalten oder unvorhersehbare Bewegungen machen. Man stellt schnell fest, dass eigentlich alle auf einander schauen und so der Verkehr trotz Chaos fliessend bleibt.

 

Wir müssen zum Glück nicht weit bis wir unser erstes Restaurant in Hanoi gefunden haben. Wir bestellen uns zweimal Banh Mi und dazu heisse Schokolade mit Kokosmilch. Wir erhalten knusprige Baguette Brötchen mit würzigem Poulet und Schweinefleischstreifen garniert mit Karotten, Salat und asiatischen Kräutern. Das sind ziemlich leckere Sandwiches zum Preis von 25'000 Dong also umgerechnet 1.05 Franken das Stück. Die heisse Schokolade mit Kokosmilch ist aber der kulinarische Höhepunkt. Wow ist das lecker. Der Gesamtpreis für die Snacks mit Drinks 4.60 Franken. Das Baguette ist übrigens ein Relikt aus der französischen Kolonialgeschichte, welches sich in Vietnam gehalten hat und die Banh Mi sind sowas wie eine Berühmtheit dort. 

 

Streetfood Tour

Von Ramona Zutter und Yvan Bylang haben wir einem Zustupf in unsere Reisekasse erhalten, mit der Notiz, diesen für Futter zu verwenden. Kein Problem. Wir essen gerne und gerne viel. Vielen, vielen Dank euch beiden.

 

Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen, also haben wir dank euch gleich am ersten Tag in Vietnam das Budget in eine Streetfood Tour investiert um dem Land etwas näher zu kommen und zu erfahren was wir in den folgenden 8 Wochen hier essen werden. Ganz schweizerisch, eine ganze Viertelstunde zu früh, werden wir von Sam im Hotel abgeholt. Die Tour ist ausgelegt auf bis zu maximal sechs Personen, wir sind aber heute die einzigen und erhalten somit eine private Tour. Sam studiert hier in Hanoi Englisch und ist heute verantwortlich uns die nächsten drei Stunden ordentlich durch zu füttern.

Banh Mi zum Zweiten

Während einem kurzen Spaziergang versucht Sam uns im Gewusel auf den Strassen mit Infos zu versorgen was aufgrund des Lärms nicht ganz leicht ist und wir verstehen sie kaum. Ein wenig angenehmer ist es dann sich im "Restaurant" zu unterhalten. Wir sprechen hier aber nicht von Restaurants wie wir sie kennen, wir besuchen heute die einheimischen Futterstätten, welche wir als Laien teilweise nur sehr schwer entdecken würden. Auf den ersten Blick sieht man gar nicht das hier leckeres Essen serviert wird. Wir starten mit dem Baguette Sandwich, mit welchem wir vor drei Stunden schon Bekanntschaft gemacht haben. Hier kriegen wir aber die originale Version serviert, gefüllt mit: Leberpaste, Schweinefleisch, Karotten, Gurken, Koriander und Chili Sosse, welche uns ebenfalls gut schmeckt. Kennen wir aber schon also weiter geht es.

Nachtisch im zweiten Gang

Auch hier ist das kalte Wetter, wie meistens bei Smalltalk, auch schon kurz nach Beginn das Thema. Etwas unsicher fragt uns Sam ob wir trotzdem Lust auf Eis haben. Na logisch, immer her damit, solange der Nachtisch im zweiten Gang nicht schon das Ende bedeutet. Fünf Minuten durch das Gewusel und wieder rein in unscheinbaree vier Wände mit vielen Vietnamesen. Wir sitzen an kleinen Tischen auf kleinen Stühlen und alles ist klebrig, sind wir etwas auf einer Kindergeburtstagsparty gelandet? Nein, die Stühle und Tische sind hier immer so klein und weit unten und kleberig ist was hier serviert wird. Es gibt Sticky Rice mit Kokosnuss Eis. Stellt euch das mal vor; grüner, kalter, klebriger und süsser Reis mit einer Kugel Kokosnuss Eis und darüber Kokosnuss Raspeln und gerösteten Kokosnuss Flocken. Mjam! Eine deliziöse Symphonie, vor allem für Liebhaber der Kokosnuss, wie Beni. Ein 5 Sterne Deluxe Dessert, serviert in einer bunt angemalten Garage mit Mini Stühlen und Tischen auf dem Boden - einfach ein Erlebnis.

 

Die Geschmacksexplosion

Raus auf die Strasse und gleich wieder rein in die nächste Stube, respektive in diesem Fall Waschküche. In einer Seitengasse sehen wir eine Strassenküche, aber man kann sich hier auch setzen und muss das Essen nicht To Go bestellen. Es geht durch einen langen, schmalen Gang in einem Hinterhof rein. Was ein bisschen aussieht wie ein Fluchttunnel ist ein Flur zu einem "Restaurant", welches jeweils nur etwa für 3-4 Stunden geöffnet hat. Die Küche ist vorne an der Strasse, gegessen wird in der leeren Waschküche. Auch hier nehmen wir Platz auf den Mini Stühlen, von welchen einer umgedreht und mit einem Tablett ergänzt als Tisch dient.

 

Nun kommt das Essen auf eben diesem Tablett, dass nun als Tischplatte dient. Können eine Schale Essigwein mit grünen Papayascheibchen und ein paar Kräutern ein Highlight sein? Ganz klar Daumen hoch. Die frittierten Wontons und Crevetten, sowie andere Häppchen, welche man in diesem Essig tunkt verkommen dabei zum Nebendarsteller. Der Star sind die verschiedenen frischen Kräuter, welche dazu gegessen werden. Das fetzt und geht richtig ab im Mund, lecker!

Nachtisch im Vierten gang

Beim nächsten Stopp steht eine Fruchtschale mit Kokos- und Kondensmilch auf dem Menu. Garniert ist das Ganze mit crushed ice. Spannend, aber immer her damit. Auch das ist lecker, bis auf die eine oder andere uns unbekannte Frucht, aber nicht sonderlich speziell. Und dank der Kondensmilch auch nicht mehr so gesund und für Joli auch viel zu süss.

 

Ein kleiner Zwischengang

Zwischen den Gängen legen wir ja immer ein paar Schritte zu Fuss zurück, das macht zum Glück immer wieder Hunger. Zeit also für einen kleinen Snack quasi auf der Strasse. Diejenigen welche keine Räumlichkeiten haben stellen ihre Mini Stühle einfach auf die Strasse oder auf die Gehwege und verkaufen hier ihr Essen. So kommen auch mehr Leute, was wir mittlerweile verstehen können, denn die Waschküchen- und Garagen Restaurants in den Hinterhöfen findet man nur wenn man weiss wo man suchen muss.

 

Wir nehmen Platz und teilen uns eine Schale mit vietnamesischen frischen Frühlingsrollen. Wir haben keine Ahnung mehr was genau drin war, jedenfalls viele kleine Sachen die uns beide dicker machen, umwickelt mit einem flachen gummiartigen Teig (nasses Reispapier). Darüber eine grosszügige Portion Mayonnaise und Chilisauce. War mal was Neues, hat uns aber nicht so gut geschmeckt. 

 

Der Klassiker

Unser vorletzter Halt auf der kulinarischen Reise durch Hanoi hält eine Schale Suppe bereit. Der Klassiker in der vietnamesischen Küche ist die Pho Suppe, welche stundenlang geköchelt wird. Inhaltlich ist jede Suppe etwas anders, da gibt es bei den Zutaten keine Grenzen. Unsere schmeckt und kommt mit Nudeln, Fleisch, Frühlingszwiebeln, Kräutern und einer sehr leckeren Brühe daher. Ergänzt wird sie mit etwas frischem Chili und Limettensaft. Perfekt bei den kalten Temperaturen und sehr lecker.

 

Eierkaffee - Made in Vietnam

Der letzte Stopp ist wieder ein Ort, welchen wir niemals gesehen hätten ohne Sam. In einer Fussgängerzone biegen wir wieder in einem schmalen Gang ein. Dann geht es über Beton und Holztreppen fast im dunkeln zwei Stockwerke hoch und auf einmal stehen wir in einem der ältesten Kaffees von Hanoi. Wie ist so etwas möglich? Man hat von draussen keine Chance dieses Kaffee zu sehen. Kein Schild oder sonst etwas kündigt hier dieses Kaffee an. Es ist jedoch rappelvoll. Wir finden auch noch zwei Mini Stühle und Sam bestellt für uns einmal Eierkaffee und Eierschokolade.

 

Da Milch früher ein Luxusgut war und sich die untere Schicht keine für ihren Kaffee leisten konnte, erfand ein findiger Vietnamese den Eierkaffee, als er in die Verlegenheit kam, einem Gast einen Cappuccino servieren zu müssen. Schwierig ohne Milchschaum… Das cremig geschlagene und mit ordentlich Zucker versetzte Eiweiss ersetzte in seinem Eierkaffee ab dann den fehlenden Milchschaum. Speziell. Ein richtiger Schaumschläger aber dafür kaum Kaffee.

Wir haben natürlich Sam mit einigen generellen Fragen gelöchert und wollen auch wissen wie wir zu einer vietnamesischen Sim Karte kommen. Sie verlängert unsere Tour um einen weiteren Stopp bei einem Telefonanbieter. Sam erklärt und berät uns gleich betreffend den hiesigen Sim Karten und organisiert den Rest. Nach 10 Minuten erhält Beni sein Handy zurück. Die Sim Karte läuft und für 10 Franken haben wir nun 5GB Daten Volumen und ein paar Minuten Anrufe in Vietnam zu Verfügung. Danke Sam für die super Tour und Danke Möni und Yvu fürs Sponsoring.

 

K-POP

Die Tour ist zu Ende und wir schlendern noch etwas herum. Am Wochenende ist die Strasse um den See in der Altstadt immer für den Verkehr gesperrt. Heute tanzt hier aber nicht der Bär, sondern die vietnamesische Jugend. Eine grosse Musikbox und ein Handy sorgen für die Musik, welche aus Korea stammt. K-Pop bringt die Jugendlichen hier zum Tanzen wie uns Sam erklärt, die uns hier nochmals über den Weg läuft.

 

In einem grossen Kreis mit Jugendlichen verschiedener Altersklassen und vielen Schaulustigen wie uns, tanzen die Kids abwechselnd oder teilweise in grossen Gruppen gleichzeitig und auch noch synchron zu K-Pop. Die Schritte kennen sie wohl aus den Musikvideos. Wir müssen eingestehen, das sind ziemlich coole Teenies, die gehen richtig ab. Da könnten sich einige Gleichaltrige anderswo eine Scheibe davon abschneiden. Da wird gelacht und einander lässig beim Tanzen herausgefordert und sie haben offensichtlich einen riesen Spass und wir auch beim Zusehen. Sie nehmen auf der gesperrten Strasse ordentlich Platz in Anspruch, was ihnen aber niemand vergönnt. Sie tanzen gezwungenermassen  auf der Strasse, da sie sonst nirgends genügend Platz dafür haben.

 

Die Bananen Damen

Auf dem Weg in unser Hotel laufen wir noch über den Nachtmarkt und etwas später laufen uns zwei Frauen über den Weg, welche auf ihrer Schulter ein Bambusstock und daran zwei Körbe mit Früchten, überwiegend Bananen, tragen. Beni macht ein Foto und da kommt die eine Frau geradewegs auf uns zu. Sie legt Beni ihre Ladung über die Schulter und setzt ihm auch gleich den Kegel Hut auf. Parallel wird auch Joli von der zweiten Bananendame belagert. Ok, wieso nicht dann lassen wir uns halt so fotografieren.

 

Dann drücken die beiden uns aber auch gleich jeweils einen Plastiksack voll mit Bananen in die Hände und erzählen was von einhundert Dong. Wir wollen aber keine Bananen und versuchen den beiden das klar zu machen. Ein ziemliches hin und her beginnt. Die Damen sagen immer wieder «Bananaaa» und Beni sagt dann «Noooo Bananaaa». Die Stimmung kippt schnell von lächelnd und lustig zu energisch und aufdringlich.

 

Wir verstehen natürlich schon das sie für das Foto, welches sie gerade mit unseren Kameras von uns gemacht haben nun wollen das wir ihnen die überteuerten Bananen für 4 Franken pro Plastiksack abkaufen sollen. Da spielt Benjoli aber nicht mit, wir brauchen und wollen jetzt einfach keine 12 Bananen. Also gibt Beni der einen Frau eine 1000 Dong Note (4 Rappen) fürs Fotografieren worauf sie noch ein letztes Mal «No, one hundred Bananaa» meint, worauf  Beni langsam auch genervt ein letztes Mal «No, no Bananaaa!» erwidert.

 

Die Frau gibt Beni das Geld zurück und läuft uns davon, auch ihre Kollegin begreift nun das es hier nichts zu holen respektive zu Verkaufen gibt und zieht von dannen. Ganz schön hartnäckige Verkaufsstrategie, welche hier angewendet wird, da wird man schon ordentlich überrumpelt und bedrängt. Um diese Bananen Damen machen wir in Zukunft einen weiten Bogen.

 

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