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Hanoi II

So kalt

Die schwankenden Temperaturen in Taiwan und die noch grössere Kälte hier in Hanoi setzen uns irgendwie ziemlich zu. Kopf und Gliederschmerzen machen uns zu schaffen und wir fühlen uns schlapp und müde obwohl wir gut geschlafen haben. 


Der Hunger gibt uns aber einen Tritt in den Allerwertesten, so dass wir um 11 Uhr auch mal unser Hotel verlassen. Wir wollen wie gestern Baguette mit Kokosmilchschokolade zum Frühstück. Unsere Nerven werden aber im Restaurant arg strapaziert. Wir sitzen auf dem halboffenen Balkon, da sonst alle Plätze besetzt sind und warten an der Kälte geschlagene 35 Minuten auf unser Frühstück, welches dann in 2 Minuten gegessen ist. Dazu kommt noch, dass die heisse Schokolade 10 Minuten vor dem Sandwich kommt. Wir verlassen das Lokal ziemlich unzufrieden und da wir einfach nicht fit sind geht es nach einem kurzen Besuch in der überdachten Markthalle zurück in unser Zimmer. 


Wir verstehen noch nicht genau wie und wo wir hier Tickets für einen Bus, geschweige denn das Bus Terminal finden sollen. Wir überlegen uns auch anstatt mit Sack und Pack weiter zu reisen unser Hauptgepäck in Hanoi zurück zu lassen um die geplanten Orte in der Nähe nur mit dem Tagesrucksack für jeweils 1-3 Tage zu bereisen. Mal sehen wie wir es machen werden.

 

Happy New Year

Wir sind zwar in Vietnam, haben uns aber aufgrund der «Nähe» zu Indien für unser letztes Essen im 2018 ein indisches Restaurant ausgewählt. 


Das Essen schmeckt gut und unsere Bäuche sind voll, also wird es Zeit für einen Verdauungsspaziergang. Da heute Silvester ist, ist nochmal einiges mehr los auf den sonst schon verrückt belebten Strassen. Wir laufen zum kleinen Hoan Kiem See wo alle anderen auch hin wollen. Hier um den See versammelt sich die Silvester Menschenmasse. Auf der gesperrten Strasse ist eine riesige Sound und Bildschirm Anlage mit Bühne aufgestellt worden.

Die Musik dröhnt in einer Wahnsinns Lautstärke aus den Boxen und lässt alles rundherum vibrieren. Wir halten es nur kurz vor der Bühne aus - wie kann man sich nur so krass die Birne zu dröhnen?! - und entfernen uns wieder etwas von der Musik um ein wenig dem schön beleuchteten See entlang zu laufen. 

Hier etwas abseits sind kleine Aerobic Gruppen mit ihrer eigenen Musik Übungen am Absolvieren und daneben spielen Gruppen von Jugendlichen mit einer Art Federball Fussball oder so irgendwie. Daneben verkaufen Strassenverkäufer ihre Snacks oder Kleider. Es ist ein richtig buntes Treiben. Wir kaufen uns eine Runde lecker Bierchen und spazieren noch ein wenig durch die Menschenmassen respektive wir drücken und quetschen uns irgendwie durch. 


Für uns ist Silvester aber irgendwie ein Tag wie jeder andere auch, wir sind nicht speziell in Feierlaune und schlendern bereits wieder in Richtung Hotel. Hier bringen wir es immerhin noch zu Stande bis um Mitternacht wach zu bleiben. Na dann, Happy New Year und gute Nacht.

Die Guten VOrsätze

Hallo im neuen Jahr, im Jahr 2019 wenn man denn auch richtig gezählt hat - wer weiss das schon. Was habt ihr für Vorsätze? Ein paar Kilos weniger, vielleicht ein bisschen mehr Sport oder einfach gesünder Essen oder Leben? 


Wir haben wie üblich keine. Das brauchen wir alles nicht und deshalb hauen wir uns am ersten Tag im neuen Jahr gleich einmal einen sehr leckeren Kebab mit Pommes rein und hören dazu Happy New Year von Abba in einer endlos Schlaufe. 


Aber vorher haben wir den Neujahrsmorgen herrlich verschlafen, so als wären wir nicht schon so früh im Bett gewesen. Aber wir haben ihn auch genutzt um den nächsten Stopp zu organisieren. Wir haben online eine Unterkunft und sogar Zug Tickets gebucht. Wir gehen erst einmal für vier Nächte in das 2.5 Zugstunden entfernte Ninh Binh, auch die trockene Halong Bucht genannt. Es wird voraussichtlich regnen aber immerhin bei 15-20 Grad.


Bei einem Spaziergang saugen wir ein weiteres Mal das Gewusel und die Atmosphäre hier auf. Es ist immer noch viel los auf den Strassen und die Strasse um den See ist wohl aufgrund des Feiertags noch etwas länger als üblich gesperrt. Den Akrobaten eh Bauarbeitern kann man beim Abbau der Bühne zusehen und den Kindern beim Jenga spielen auf der Strasse.

 

Wir wagen uns auch das erste Mal an einen Handel in einem der vielen Läden heran. Zu unserem Vorteil gibt es immer wieder dasselbe in mehreren Läden direkt nebeneinander. 


Als im ersten Laden der Preis 180'000 für eine Mütze anscheinend nicht verhandelbar ist, erkundigen wir uns in den umliegenden Geschäften nach deren Preisen für die gleiche Mütze. Und siehe da, ohne auch nur zu Verhandeln sinkt der Preis in jedem Geschäft ein bisschen. Im Vierten schlagen wir dann zum Preis von 120'000 Dong zu. Hier ist dann auf unsere Nachfrage auch kein Rabatt mehr möglich, das ist aber irgendwie auch verständlich, es ist ja bereits 30% billiger als bei der Tante von nebenan. 


Das Objekt der Begierde ist übrigens eine Panda Mütze mit langen Ohren die mittels drücken auf eine Luftpumpe, die sich in den langen Bändeln (Pfoten) befindet, die Ohren wackeln lässt. Der Verkaufsrenner schlechthin, man sieht sie überall und mit allen möglichen Tierchen und nicht nur Kinder laufen damit herum.

 

Und wer sich keine Mütze kaufen will, der kann sich die Haare beim Friseur direkt auf der Strasse schneiden lassen. Einfach Spiegel aufhängen, Stühlchen raus und jeder hat seinen Friseursalon praktisch unterm Arm dabei.

Trainspotting

Ein Touristenmagnet in Hanoi ist die Eisenbahnstrecke, welche mitten durch ein enges Wohnquartier führt. In der Nähe des Bahnhofs sind die von Touristen gesäumten Gleise unübersehbar. Leider nimmt auch hier die Präsenz der vielen Touristen dem Ganzen etwas das authentische weg. Aber auch wir setzen uns der Gefahr aus, von einem Schnellzug, der aus dem nichts angebraust kommt, überfahren zu werden und spazieren ein Stück entlang der Strecke.

 

Spass beiseite, wir wissen zwar nicht genau wann der nächste Zug kommt aber doch immerhin, dass dieser sich mit einer unüberhörbaren Tröte ankündigt und nur im Schritttempo hier durchfährt.

 

Links und rechts der Gleise wohnen hier ganz normal die Menschen in ihren Häusern, mit der Haustüre direkt zum Gleis. An den meisten Stellen reicht hier sich nahe an die Wand stellen und Bauch einziehen nicht. Die findigen Einwohner haben längst entdeckt, dass auch sie mit den Touristen hier gutes Geld verdienen können. In der Zeit in welcher kein Zug fährt, stellen die Bewohner ihre kleinen Stühle neben und sogar auf die Geleise und bieten Getränke zu fairen Preisen an, sozusagen um auf den nächsten Zug zu warten.

 

Die meisten haben ihre «Terrasse» oder den Balkon zu schnuckeligen Strassencafés direkt an den Gleisen ausgebaut. Auch wir setzen uns bei einem Getränk hin und plaudern so gut es geht mit der Bewohnerin. Sie erklärt uns wann und in welche Richtung die Züge kommen.

 

Um 15:15 wird es dann kurz etwas hektisch in 5 Minuten kommt der nächste Zug. Wir nehmen unsere Plätze zum Fotografieren ein, Joli stellt sich in die Türe eines kleinen Raumes und Beni darf sogar kurzerhand auf den privaten Balkon von der Frau, welche uns die Getränke verkauft hat. Von dort sieht er wie eine riesige Ratte am Türrahmen direkt neben Jolis Kopf von Dach runter kommt ohne das diese es bemerkt. Leider reicht die Zeit nicht für ein Foto.

 

Die Dame des Hauses und die anderen Bewohner sind alle sehr bemüht alle Touristen von den Gleisen zu holen damit keiner unter den Zug kommt, wäre ja auch schlecht für das Geschäft.

 

Von weitem hören wir den Zug tröten und auf einmal kommt er um die Ecke direkt auf uns zu. Wir sind überrascht ab seinem Tempo, welches doch ein klein wenig mehr als Schritttempo sein dürfte. Ein paar Zentimeter vor Jolis Nase braust der Zug vorbei, aber der ganze Spuk ist nur ein paar Sekunden lang, hat uns aber doch ziemlich fasziniert.

 

So sehr sogar, dass wir uns das Ganze in einer Stunde beim nächsten Zug noch einmal ansehen wollen. Die Wartezeit überbrücken wir dieses Mal in einem Café in der Nähe. Auch suchen wir uns beim zweiten Zug neue Standorte um möglichst coole Fotos zu machen. 

 

Der Schuster

Seit Wochen schon wartet Joli darauf das Beni ihre Schuhsohlen, welche sich immer mehr ablösen, verleimt. Immer wieder kommen die Ermahnungen und die letzte ist gerade ein paar Tage alt. Umso lustiger ist was wir auf dem Weg zurück ins Hotel erleben.

 

Ein Mann welcher sich lässig an eine Hauswand anlehnt spricht uns beim Vorbeilaufen an. Wir ignorieren ihn zuerst beide weil wir auch nicht genau verstanden haben was er will. Dieser lässt sich aber nicht so einfach abschütteln, hat er doch Augen wie ein Adler. Ein paar Meter weiter hat er uns überholt und steht mit einem Eimer in der Hand direkt vor uns. Er zeigt auf Jolis Schuhe aber wir verstehen immer noch nicht was er uns sagen will. Da geht er in die Knie und packt Jolis Schuh und zeigt uns die Sohle welche sich löst. Dann hält er uns sein Kesselchen vors Gesicht und zeigt uns sein Schuhflickzeug und den Leim.

 

Etwas überrumpelt lehnen wir die Reparatur dankend ab, sind aber überrascht ab seinen Adleraugen. So offensichtlich kaputt sehen Jolis Schuhe auch wieder nicht aus, krass. Im Nachhinein ist sich vor allem Beni dann etwas reuig den Mann die Arbeit nicht gemacht haben zu lassen, denn später im Hotel muss er seinen Sekundenleim aus dem Langzeitlager irgendwo aus den Tiefen seines Rucksacks rausgrübeln um das längst Fällige zu erledigen. 

 

Donald Duck

Wir fanden ihn bereits als Kinder toll und heute finden wir ihn noch viel besser. Aber leider, ist er nicht mehr, bei seinem letzten Flug landete er direkt auf unserem Teller hier in Hanoi. Er war aber auch schon alt, keinesfalls zäh aber alt. Und die Moral von der Geschicht in Hanoi lebt die Ente nicht. Aus Pietätsgründen verzichten wir hier auf Fotos aus dem Restaurant Don Duck, in welchem wir hervorragend zu Mittag gespeist haben. Quak quak!

 

Wasserpuppen Theater

Gestern haben wir uns Tickets besorgt für die berühmte Wasserpuppenshow. Wir haben keine Ahnung was uns erwartet, der Name hört sich jedenfalls lustig an und 10 Franken für 1 Stunde Theater sind auch völlig in Ordnung. Da wir vorhin auf der Strasse in den Genuss einer fahrenden Box inklusive Mikrofon und Karaoke Sänger gekommen sind, kann es ja nur besser werden.

 

Eine Viertelstunde vor Beginn ist Einlass. Es sieht aus wie in einem Kino mit ähnlichen Sesseln in erhöhten versetzten Reihen, einfach viel enger – unser Knie drücken schwer gegen den Sitz vor uns. Ein weiterer Unterschied zum Kino ist aber das Schwimmbecken, welches anstelle einer Leinwand oder Bühne aufgebaut ist und darin ein Haus, welches im Wasser zu stehen scheint. Links und rechts vom Becken stehen zwei erhöhte Podeste, auf welchen ein kleines Orchester Platz nimmt.

 

Wir sind echt gespannt was da gleich passiert. Zuerst gibt es was auf die Ohren. Mit nicht ganz alltäglichen Instrumenten wird Musik gemacht, zu welcher zwei Frauen singen. Dann werden wir 45 Minuten lang mit verschiedenen Puppen, welche sich im Wasser filigran bewegen sehr gut unterhalten.

 

Mit den verschiedenen Puppen in Form von Menschen, Drachen, Fischen, Schlangen, Jägern und sogar mit Rauch und Feuerwerk wird uns eine Geschichte erzählt, welcher wir sogar ein wenig folgen können. Von den vietnamesischen Erzählungen der Puppen verstehen wir natürlich kein Wort.

 

Es ist aber lustig und zusammen mit dem kleinen Orchester und dem Gesang wirklich gut gemacht und unterhaltsam. Die Puppen werden von Menschen, welche hinter dem Haus im Wasser stehen über lange Stöcke unter Wasser quasi bedient. Im digitalen Zeitalter mit Internet und den sozialen Medien ist dieses Theater in unseren Augen schon fast ein Weltkulturerbe.

 

Neben uns sitzen zwei Jungs in den 20ern, welche mit dem Theater gar nichts anfangen können. Die beiden beschäftigen sich schon nach zwei Minuten für den Rest der Vorstellung mit ihren Handys. Eine Gruppe Jugendlicher verlässt gar nach 10 Minuten den Saal. Wir finden das es Spass gemacht hat, auch ohne 4D Brille und Dolby Surround Sound dafür mit zerquetschten Knien. 

 

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