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Mai Chau

Fettes Respect

Wir haben keine 5 Stunden geschlafen und uns steht noch die schlimmste Busfahrt bevor, welche wir je hatten (masslose Übertreibung), was wir früh morgens aber noch nicht wissen.

 

Unsere Nachbarn links und rechts haben bis weit nach Mitternacht Musik gehört und sich unterhalten. Ihr denkt jetzt sicher und warum habt ihr nichts gesagt? Wir haben immerhin einmal heftig an die Wand und das Fenster geklopft. Aber wir finden das nennt man Respekt gegenüber seinen Mitmenschen und da wir früh aufstehen müssen regeln wir das auf die gleich Art und Weise.

 

Wir stehen um halb 7 mit Pauken und Trompeten auf, ganz dem Motto wir zeigen euch auch unseren Respekt und was wir von euch halten. Allerdings müssen wir uns richtig bemühen Lärm zu machen und laut zu sprechen. Eigentlich flüstern wir einfach laut und bringen nicht so richtig viel Lärm hin.

 

An dieser Stelle möchten wir uns bei unseren Eltern ordentlich für die gute Erziehung beschweren, welche wir geniessen durften. Wir sind einfach zu nett und zu gut erzogen. Vielen Dank - Ende Ironie. *grins*

Ride to Hell

Den Transport heute hat unsere Unterkunft für uns organisiert. Pünktlich werden wir von einem Taxi abgeholt und in die Stadt zu einem Tourenanbieter verfrachtet. Hier warten wir erstmal bis uns jemand mit seinem Jeep abholen kommt. Wir denken uns noch ziemlich cool, genügend Platz für uns, das wird angenehm. Der Jeep bringt uns aber nur bis zu einer Schnellstrasse, an welcher wir auf den richtigen Bus warten.

 

Und das was dann angefahren kommt ist der Bus, welcher uns direkt in die Hölle bringt. Es riecht streng nach Urin und Schweiss, so sehr das einem im ersten Moment kurz der Magensaft in den Hals schiesst (Joli hat davon nichts bemerkt, hat aber auch nicht so ein Feinschmeckernäschen wie Beni).

 

Die Sitze sind so eng das nicht einmal Joli, geschweige denn Beni gerade Platz nehmen kann und zu zweit passen wir gar nicht auf zwei Sitze nebeneinander. Wir sitzen wie in einem Schraubstock. Aber alles halb so schlimm, die Fahrt dauert ja nur etwa 4 Stunden. Mit uns steigt eine Dame ein, die mit ihrem Gepäck alleine einen Bus füllen könnte. Eine halbe Ewigkeit werden ihre Sachen verladen. Der Bus ist vollgestopft mit vielen bunten Sachen unter anderem riesigen Piñatas, die die hinteren beiden Reihen füllen. Irgendwo waren da ursprünglich auch unsere Rucksäcke aber die haben jetzt keinen Platz mehr und müssen auf unseren Schoss. Das wird ja immer besser und Benis Miene immer düsterer.

 

Joli hat eine Idee und schickt Beni auf die andere Busseite und somit beschliessen wir uns auf die zweitletzte Sitzreihe zu verteilen. Joli rechts und Beni links, den Sitz daneben je mit einem Rucksack aufgefüllt. So geht es halbwegs. Beni mit gespreizten Beinen auf beide Sitze verteilt und Joli lässt die Beine in den Gang hängen und hat als Fussunterlage einen grossen Mais Sack untergeschoben bekommen.

 

Der ganze Gang ist zu gestellt, der Bus fasst voll. Etwas später steigen auch noch zwei weitere Touristen hinzu, die armen Schweine müssen sich einen Doppelsitz teilen. Wir haben aber wenigsten so viel Glück, das während der ganzen Fahrt immer ein bis zwei Sitze frei sind und somit unsere zusätzlichen leeren Sitze unangetastet bleiben. Naja bei dem grummeligen Gesicht, will sich wahrscheinlich gar niemand bei Beni hinsetzten.

 

Der hingegen ist so entsetzt von der Extremsituation in welcher er sich befindet und lässt sich deshalb zu einem sogenannten Medikamenten Missbrauch hinreissen, pfuuuii. Wenn er seine Beruhigungstabletten schon nicht zum Fliegen braucht pfeift er sich halt hier eine rein um die Fahrt erträglicher zu machen. Joli findet das Ganze gar nicht schlimm und bucht es unter der Kategorie «endlich wieder ein kleines Abenteuer» ab. In so einem Bus ist sie im Amazoonico regelmässig gesessen, wenn sie an den freien Tagen den Dschungel verlassen hat um die Stadt zu besuchen und sie hat es geliebt. Und in diesem Bus rennen wenigstens keine lebendigen Tiere herum, das ist doch schon mal etwas.

In Mai Chau angekommen rufen wir unsere Gastgeber an, welche uns gleich mit zwei Rollern an der Busstation abholen. Erneut etwas abgelegen vom Dorf beziehen wir ein schnuckeliges und ruhiges Bungalow mit Sicht auf Reisfelder und Berge. Ein ziemliches Upgrade gegenüber der letzten Unterkunft, denn immerhin grenzen die nächsten Zimmer nicht direkt an unseres – nur die riesige Gruppe junger Asiaten, welche im Massenlager weiter vorne untergekommen sind, machen uns noch etwas bedenken.

 

Drahtesel Tour

Wir satteln unsere Fahrräder und machen einen kleinen Rundgang durch das Tal. In einem nahen Restaurant teilen wir uns was zu essen, was leider in die Kategorie miesester Frass Top 3, welchen wir je vorgesetzt bekommen haben, fällt. Jetzt hat Joli allen Grund übellaunig zu sein. Schlechtes Essen, wenn man hungrig ist, ist ja wohl das Übelste. Zum Glück finden wir noch ein paar winzige Strassenläden die uns etwas Chips und Kekse verkaufen.

 

Bei einem Handwerkerladen finden wir dann ein grosses Schild der Schweizerischen Eidgenossenschaft, welches auf die Partnerschaft mit dem hiesigen Händler hinweist. Auf dem Rückweg werden dann endlich unsere Bilder die wir von Vietnam im Kopf haben bestätigt. Auf den unzähligen Reisfeldern sieht man überall Einheimische mit kegelförmigen Reishüten arbeiten. Dieses Tal ist wunderschön und ruhig, eine richtige kleine Oase.

 

Fütterungszeit

Den restlichen Nachmittag geniessen wir auf unserer Terrasse bei einem lecker Bierchen, bevor es dann um 7 Uhr Abendessen gibt. Alle Gäste essen hier zusammen, sehr zum Unmut vom sozialfaulen Beni, denn ihn interessiert eigentlich nicht wer schon wo war und wer noch wohin geht, was in der Regel das Hauptthema ist unter Reisenden. Wir sind eine bunte Truppe aus Schweden, Deutschen, Amerikanern, Franzosen und Australiern.

 

Das auf riesigen Palmenblättern angerichtete Essen schmeckt vorzüglich und der Reiswein, hier genannt «Happy Water» wärmt den Bauch. Bei lustigen Gesprächen über die Welt und unsere Reisen finden wir dann noch heraus das nicht nur wir mit Panama nicht so viel anzufangen wussten und jeder muss die Frage beantworten, weshalb er am reisen ist – die beiden Schweden, die «nur» Urlaub haben wollen das wissen. Joli meint einfach nur: sie habe festgestellt, das Reisen einfach viel mehr Spass macht als Arbeiten, worauf alle am Tisch lachen und zustimmen.

 

Chieu Höhle

Beim Abendessen gestern haben wir uns etwas umgehört was die anderen Gäste hier unternommen haben. Neben Velotouren und Spaziergängen gibt es noch eine hübsche Höhle auf einem der umliegenden Berge.

 

Nach dem Frühstück schnappen wir uns zwei Fahrräder und radeln die 15 Minuten in die Stadt, denn quasi an der Hauptstrasse geht der Weg nach oben los. Wir schauen uns etwas um, wir müssen ja die Fahrräder irgendwo parkieren. Da sticht uns bereits ein Schild ins Auge mit der Aufschrift «Free Parking», daneben eine Frau die uns heranwinkt - na klar wer’s glaubt wird selig. Wir stellen unsere Fahrräder hin und die Frau ist plötzlich weg. Ein paar Meter weiter am Eingang zu den Treppen finden wir sie dann wieder. Alles klar, parkieren ist kostenlos aber der Eintritt zur Höhle kostet 20'000 Dong (85 Rappen). Sehr schlau, wir müssen schmunzeln und bezahlen den Eintritt.

 

Dann wollen wir mal, das einzige was wir sehen sind Treppenstufen soweit das Auge reicht. Schon nach 5 Minuten sind wir vom Schweiss etwas angefeuchtet, es ist auch wieder etwas wärmer heute. Auf halbem Weg begegnen uns vier einheimische Frauen mit grossen gefüllten Körben, die auf der Treppe sitzend Orangen essen und plappern und kurz danach kreuzen wir drei andere Touristen. Sonst sind wir alleine.

 

Es dauert etwa 30 Minuten bis wir die schier endlose Treppe etwas durchgeschwitzt bezwungen haben. Einen schönen Ausblick sucht man von oben aber leider vergebens, dafür sieht man einen riesigen Baum, welcher den Eingang zur Höhle markiert. Der Anblick in die halb offene Höhle hat aber einen gewissen Wow Effekt und erinnert uns gleich an eine Cenote in Mexiko. Wir sind hier komplett alleine und schauen uns zuerst staunend ein wenig um.

 

Etwas schade ist der Abfall, welcher in der Höhle von unseren Vorgänger herumliegt, es sieht noch nicht aus wie auf einer Müllhalde aber schon bald wenn nichts gemacht wird. Da dürfte die olle Tante unten auch mal ein wenig aufräumen kommen für den Eintritt, welchen sie kassiert. Es dauert nicht lange da ist es kurz aus mit der Ruhe. Wir haben uns minutenlang im vorderen Teil der Höhle umgeschaut und gehen die Treppen in den hinteren Teil als ein anderes Paar unüberhörbar die Höhle betritt. Die beiden scheinen aber irgendetwas zu suchen hier, so schnell wie die beiden sich umgeschaut haben. Ein Foto hier, ein Foto da und weg sind sie wieder. Uns soll es recht sein. Beni dreht am Ende der Treppen um, da diese ins nichts führen und vor einer steilen Wand zu Ende sind. Das interessiert den anderen Typen aber nicht, der klettert mal grinsend und grossgekotzt drauflos, was Beni gleich wieder auf die Palme bringt. Na los, mach alles kaputt und hinterlass deine Spuren noch in der hintersten Ecke der Höhle und bleib am besten gleich da, regt sich Beni auf.

 

Während wir insgesamt etwa 30 Minuten in der Höhle sind, sind die beiden nach 5 Minuten wieder weg, gut so. Wir machen noch eine kleine Fotosession, geniessen die Ruhe und die Kühle der Höhle und gehen dann auch.

 

Auf dem Weg runter zählen wir dann beide die Anzahl Stufen und treffen uns immer nach 100 Stufen – mal auf demselben Tritt, mal um einen oder zwei Tritte verschoben. Während dem Abstieg geschieht auch noch ein kleines Wunder. Etwas blendendes, sehr helles, gelbschimmerndes blitzt kurz am Himmel auf und zugleich steigt die Temperatur schlagartig an. Der Spuk dauert nur ein paar Minuten, aber es waren die ersten Sonnenstrahlen, welche wir in einer Woche Vietnam zu Gesicht bekommen haben.

 

Ach ja, beinahe vergessen, es sind genau 1215 Stufen, welche man hier bezwingen muss um diese Höhle zu sehen. Vielleicht ein Grund weshalb hier keine vollgestopften Touristenbusse halt machen. Die 1215 ist übrigens die Anzahl, welche bei Benis Zählung entstanden ist, Joli kommt auf 1218 Stufen. Wer nun recht hat, ist aber keine schwierige Frage. Für Benis Job, den des Logistikers, ist es unabdingbar ein sogenanntes "Flair für Zahlen" zu haben. Also noch Fragen? Das spricht klar dafür das Beni richtig gezählt hat.

 

Es bestätigt sich dann sogleich später zu Hause. Wir haben gepackt für 8 Tage und Joli hat doch tatsachlich bereits nach 6 Tagen kein frisches Höschen mehr, hihi. Da Beni der Logistiker selbstverständlich auch als Reisender mit Sicherheitsbeständen arbeitet, kann diese Situation durch Benis «Reserve» Unterhose entschärft werden. «Logistik ist nicht alles, aber ohne Logistik hast du auf einmal zu wenig Höschen.» Zitat von Benjamin Feller.

 

Den letzten Tag verbringen wir auf unserem Balkon und schauen dem Regen zu, der in die immer unterwasser stehenden Reisfelder fällt. Herrliches Nichtstun.

 

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