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Cat Ba

Reisefaul

Nach Mai Chau gönnen wir uns in Hanoi einen Zwischenstopp in unserem ersten Hotel. Wir sind schon froh die Busfahrt nach Hanoi überlebt zu haben, haben keinen Bock auf einen langen Reisetag und müssen unsere Tagesrucksäcke neu packen. Auch wollen wir das grosse Gepäck gleich wieder für 4 Nächte hier stehen lassen und das macht sich etwas besser wenn man auch gleich eine Nacht im Hotel bucht.

 

Die Busfahrt von Mai Chau nach Hanoi ist etwas weniger schlimm als die letzte Fahrt. Joli ergattert sich den Platz ganz vorne neben dem Fahrer, bereut es aber schnell einmal, vor allem als der Fahrer bei dichtestem Nebel, gewagte Überholmanöver in Kurven und dicht an Abhängen startet. Die Schuhe muss sie auch ausziehen und entsprechend sind die Füsse in Hanoi einmal durchgefroren.

 

Beni sichert sich den Aussensitz in der ersten Doppelreihe mit viel Beinfreiheit, muss ihn aber verteidigen. Als eine Frau einsteigt, winkt sie ihn weg. Beni steht auf um ihr Platz zu machen und sie setzt sich stinkfrech auf seinen Platz. Jetzt ist es an Beni zu winken und zu wedeln und die Dame rutscht dann doch rüber ans Fenster. Auch dieser Bus ist zeitweise sehr voll und einmal steht sogar noch ein Fahrrad im Mittelgang, bevor auch hier noch zusätzliche Sitzplätze geschaffen werden.

Nach diesen beiden Schreckenserlebnissen haben wir uns für die An- und Rückreise auf die Insel Cat Ba in der Halong Bucht, für den organisierten Touristen Transport entschieden. Auf Zug, Taxi und harte Preisverhandlungen für die Fähre oder Speedboote haben wir keine Lust. Wir gönnen uns einen bequemen Hotel zu Hotel Transfer, bei welchem vom Bus über die Fähre alles organisiert ist.

 

Was soll man über Cat Ba bloss schreiben. Wir finden es nicht so berauschend. Es sieht aus als wäre hier vor Jahren eine riesen Party gestiegen und niemand hat seither wieder richtig aufgeräumt. Der ganze Ort gleicht einer Baustelle, überall wird gebaut oder gebastelt. Das Städtchen liegt direkt am Meer und trotzdem kann man dieses nicht riechen. Es ist sehr staubig und lädt irgendwie nicht wirklich zum Verweilen ein.

Immerhin unser Hotel ist in Ordnung und das Essen, welches wir in einem Restaurant serviert bekommen ist lecker.

 

Nach der Stärkung vergleichen wir ein wenig die verschiedenen Tourenanbieter und buchen eine Tagestour in die Halong Bucht. Die Halong Bucht ist das absolute Must See in Vietnam wie jeder zu wissen glaubt. Dieser Ort wird von Tourenanbietern und deren Booten Tag für Tag überflutet. Auf die klassische Bootstour ab Hanoi mit Übernachtung hatten wir keine Lust weshalb wir nun für eine Tagestour nach Cat Ba gereist sind.

 

Rein finanziell war der Entscheid lohnenswert, die Preise hier sind um einiges moderater als in Hanoi. Zudem haben wir viele enttäuschte Rückmeldungen über die Mehrtagestouren gelesen, welche vom Festland aus starten. Die Ankerplätze seien überfüllt mit Partybooten, man könne weder schlafen noch die Ruhe geniessen und die Bucht sei so voll mit Müll, dass man auch nicht wirklich das Bedürfnis verspüre zu baden. Wir sind gespannt.

 

Halong & Lan Ha Bucht

Wir haben diese Tour mit dem Beitrag von Dorette Hegetschweiler (kleine Freuden) finanziert. Vielen Dank Mimi für die Spende und das du eine so treue Leserin bist.

 

Wir haben nach einigen Recherchen einen Anbieter ausgewählt, der 30 Minuten vor den anderen Anbietern startet. Als wir die Tour gestern Nachmittag gebucht haben waren gerademal 4 Personen angemeldet, heute sind es dann doch schon 15, welche sich mit uns am Treffpunkt besammeln. Nachdem auch die zwei letzten Dumpfbacken beinahe 10 Minuten zu spät endlich erscheinen, fahren wir mit einem kleinen Bus weitere 10 Minuten an den Hafen wo wir auf unser Boot wechseln. Merke dir, in jeder Gruppe findest du die Dumpfbacken auf welche immer alle warten müssen oder die sonst negativ auffallen. Immer und ohne Ausnahme. Doch zurück zur Tour.

 

Unser Kahn hat optisch seine besten Tage schon hinter sich, ist aber anscheinend noch immer seetauglich. Das Boot hat eine Kabine mit Tischen und Sitzplätzen und ein gemütliches Oberdeck mit Sitzmöglichkeiten. Wir mögen diese Gruppenveranstaltungen ja eigentlich nicht besonders aber ein privates Boot würde den Budget Rahmen sprengen und wäre auch etwas verwegen, nicht? Unsere Crew ist jung, motiviert und sehr freundlich, ähnlich wie die anderen Touristen auf unserem Boot. Wir gehören aber mitunter schon zu den Ältesten Teilnehmern.

 

Fisherman's Friend

Zu Beginn tuckern wir vorbei an vielen schwimmenden Fischerhäuschen die von den eigenen kleinen Fischfarmen umgeben sind. Um uns herum ragen bis weit in die Ferne ziemlich viele und schöne Felsformationen aus dem Wasser, ähnlich jenen welche wir bereits in Ninh Binh und Mai Chau gesehen haben. Auf den Fischfarmen bemerken wir schnell die vielen Hunde, welche hier bei den Fischern leben. Wir scherzen noch darüber, dass diese vielleicht verspeist werden um etwas Abwechslung zu den Meeresfrüchten zu haben.

 

Unser Guide erzählt uns ein wenig über das Leben der Fischerfamilien und seine Erfahrungen als er für zwei Tage bei einer Familie wohnen durfte. Wer denkt die Menschen leben hier wie die Einsiedlerkrebse der irrt gewaltig. Es gibt Fernseher und Internet in praktisch jeder Hütte und eine beliebte Freizeitbeschäftigung ist das gemeinsame Karaoke singen. Insgesamt leben hier etwa noch 1000 Menschen auf ihren schwimmenden Fischfarmen, Tendenz sinkend. Die Menschen verdienen hier zwar viel und gutes Geld, die Jungen wählen aber immer öfter die Möglichkeit auf dem Festland zu bleiben.


Praktisch jede Familie hier besitzt auch ein Haus an Land, welches sich dem Nachwuchs als Option anbietet, zumal es hier nur Primarschulen gibt und die weitere Ausbildung danach auf dem Festland zu absolvieren ist. Die Eltern bringen die Kinder morgens mit dem Boot zur Schule und gehen dann dem Fischfang und der Zucht nach. Das Leben auf dem Wasser und auch die Erträge durch den Fischfang sind komplett steuerfrei was gutes Geld einbringt.

 

Nun zurück zu den Hunden und deren Sinn auf dem Wasser. Wir haben es zwar befürchtet aber lagen zum Glück komplett falsch. Die Fische, welche in den Netzen im Wasser gezüchtet werden, sind ein gefundenes Fressen für Adler. Die Hunde haben die Aufgabe, die Adler bei der Jagd auf die Fische zu attackieren und somit Verluste zu vermeiden. Da der Bewegungsradius auf den schwimmenden Inseln sehr klein ist sind die Hunde anscheinend hervorragende Schwimmer und toben sich gerne im Wasser aus. Regelmässig in den frühen Morgenstunden treffen sie sich mit ihren Nachbaren auf einen Schwumm im kühlen Nass.

 

Die Beziehungsprobe

Nach einer guten Stunde steht dann um 10 Uhr der Morgen Sport an. Auf dem Programm steht Kayak fahren. Joli hat schon mal und will doch nicht, Beni hat noch nie und will auch nicht. Allem voran nicht ins Wasser fallen, denn es ist nicht sonderlich warm. Wir sind hin und her gerissen, geben uns dann doch den nötigen Arschtritt und machen auch mit.

 

Es geht ruckzuck und schon sitzen wir in unserem zweier Kayak und treiben inmitten von riesigen Felsen auf dem Wasser. Dann machen wir die ersten Paddel Versuche. Kayak fahren ist Teamwork, zu Beginn bekunden wir noch etwas Mühe mit der Navigation und andererseits mit der Koordination des gemeinsamen Paddelns. Wenn Links und Rechts gerne mal verwechselt werden, ist es nicht ganz einfach wenn Steuermann (hinten) an Kamerafrau (vorne) Anweisungen gibt auf welcher Seite gepaddelt werden soll um die Spur zu halten (die es hier ja eigentlich gar nicht gibt).

 

Irgendwann dreht man sich dann im Kreis. Wir sind beide zum Glück sehr lernfähig und kriegen die Probleme schnell in den Griff. Kamerafrau bleibt bei ihrer Kamera und gibt die Richtung an und Steuermann gibt alleine Gas. Kayak fahren macht Spass, die Höhlen durch die wir fahren sind schön, eng und dunkel aber es ist eine wunderschöne Gegend.

 

Mit dem Kayak durch diese Karstfelsen zu fahren ist total anders als im grossen Boot und wir sind froh, dass wir uns einen Tritt in den Hintern gegeben haben. Einziger Wehmutstropfen ist der Traffic Jam. Es wimmelt nur so von Kayaks hier, aber wir können das zum Glück ausblenden und haben Spass auch wenn wir andauernd mit einem anderen Kayak zusammen prallen. Gegen Ende unserer Fahrt kommen wir dann sogar beim gemeinsamen paddeln vorwärts und im Gegensatz zu anderen Paaren, geben wir auch noch ein schönes und synchrones Bild ab.

 

Es könnte so ruhig sein

Nachdem wir uns noch die Fischfarm beim Kayak Vermieter genauer angesehen haben und unser Guide seine Füsse in den Pool gehalten hat um die hungrigen riesen Fische anzulocken, gehe wir wieder zurück an Board.

 

Wir fahren jetzt von der Lan Ha Bay mit den Fischfarmen in die berühmte Halong Bay wo wir in einer kleinen Bucht, wo nur zwei weitere Cat Ba Tourenanbieter ankern dürfen, schwimmen und zu Mittag essen werden. Wir freuen uns darauf die Halong Bucht ohne die lärmigen Partyboote geniessen zu dürfen.

 

Rein landschaftlich erkennen wir nicht wann wir von welcher Bucht in die andere gelangen, denn es sieht genau gleich aus. In der Halong Bucht hat es jedoch keine Fischframen mehr. Da wir nicht vom Festland kommen, sind wir auch nicht in dem Teil wo die vielen Touren tagtäglich die Bucht überrennen und Müll sehen wir auch nicht extrem viel. Es ist ruhiger und sauberer als erwartet.

 

Mittlerweile liegen wir in einer einsamen Bucht vor Anker und die Sonne drückt ein bisschen durch die Wolken. Etwa die Hälfte der Gruppe geht schwimmen, der anderen Hälfte, wozu auch wir zählen, ist es noch zu kalt. Wir ankern hier als einziges Boot inmitten einer sehr geilen Kulisse und es eigentlich perfekt zum Geniessen.

 

Wenn nur das Wörtchen «wenn» nicht wäre. Zuerst springen die badenden Touristen laut kreischend immer wieder ins Wasser. Plötzlich schmeisst unser Guide auch noch die Boxen an und von unserem Boot dröhnt laute Musik in die stille, wunderschöne Bucht hinaus. Als negativer Höhepunkt, lässt dann das älteste Paar mit an Bord noch ihre Drohne in die Luft steigen. Cool, auf all das noch dieses nervtötende laute Surren. Wiesoooo?! Wieso kann der Mensch heut zu Tage nicht einfach einmal die Schnauze halten, still da sitzen und die Ruhe und Schönheit der Natur der geniessen? Wieso geht das nicht?

 

Wir verstehen unsere Spezies je länger wir reisen immer wie weniger und das in vielerlei Hinsicht. Bääh wir sind genervt, uns wäre eigentlich gerade mehr danach die Stille zu geniessen als Party zu machen, dafür brauchen wir nun wirklich nicht in die Halong Bucht zu fahren. Es wäre so schön, wenn da diese Menschen nicht wären. ;-p

 

Zum Glück gibt es kurz darauf ein köstliches Mittagessen mit allerlei Leckereien, welches unsere Stimmung wieder hebt und wir beschliessen die doofen Menschen einfach ab sofort zu ignorieren.

 

Monkey Island

Nachmittags besuchen wir die Affeninsel mit einem kleinem Berg. Auf dem Weg dorthin bekommen wir unsere gewünschte Ruhe. Die meisten in unserer Gruppe sind müde und dösen vor sich hin, gut für uns. Eine Stunde tuckern wir übers Wasser bevor wir vor Anker gehen.  Ein kleines Fischerboot bringt uns auf die Insel wo sich dann auch viele andere Reisegruppen tummeln. Am Strand sehen wir die ersten Affen und haufenweise Touristen, welche die Tiere füttern. Wir sind ein weiteres Mal konsterniert ab dem was wir sehen und hadern mit unseren Mitmenschen.

 

Wir wollen auf den Berg laufen oder klettern, wissen aber nicht genau was uns erwartet. Zuerst sind es noch Steintreppen und dann heisst es tatsächlich klettern. Der Aufstieg ist mühsam da so viele Menschen gleichzeitig aneinander den Weg rauf und runter klettern. Wir gehen nicht bis ganz rauf, es hat uns einfach zu viele Leute da. Hier klettern die wahren Affen auf den Affenberg.

 

Die Aussicht ist schön aber die Position auf den scharfkantigen mit Menschen übersäten Felsen direkt am Abgrund irgendwie nur mässig gemütlich. Wir klettern also langsam zurück an den Strand.

 

Unten am Strand beobachten wir eine Gruppe Asiaten, welche die Affen füttern, was hier selbstverständlich zu sein scheint. Dabei wird ein kleines Mädchen von einem angelockten Affen ein wenig attackiert und erschreckt. Das Mädchen weint und ein paar Jungs aus der Gruppe werfen doch tatsächlich Kieselsteinchen nach den Affen, um diese zu vertreiben, unglaublich sowas. Doofe Kinder und saudämliche Eltern. Dafür haben wir kein Verständnis. Hingegen für die Affen schon. Vielleicht sollten wir im nächsten Leben die Spezies wechseln. Die Affen wirken doch wesentlich intelligenter auf uns als die Menschen. Wir sind uns auch nicht ganz sicher ob die Namensgebung der Insel nun den Tieren oder den Besuchern gewidmet ist. Die Menschen benehmen sich hier grösstenteils auf jeden Fall unzivilisierter als die Affen.

 

Ein langer Tag mit einem etwas zwiespältigem Eindruck geht zu Ende. Die Tour war schön, wenn auch nicht ganz so ruhig wie erhofft aber das Naturwunder Halong Bucht wird seinem Namen unserer Meinung nach nicht ganz gerecht. Wir sind froh nur eine Tagestour gebucht zu haben und waren so effektiv vielerorts das einzige Boot. Wir fanden die Flussfahrt in Ninh Binh zum Beispiel absolut gleichwertig wenn auch schwierig zu vergleichen. Vietnam muss hier unbedingt Handeln und den Naturschutz vorantrieben, ansonsten ist es sehr schnell vorbei mit der Schönheit der Bucht und der Abfall und die Affen ergreifen die Macht! *grins*

 

Vielen Dank nochmals an Mimi für den tollen Ausflug – ein paar Mal kam sogar die Sonne etwas zum Vorschein, was wir ganz sicher deiner Spende verdanken.

 

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