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Phong Nha

An der Grenze zu Laos

Wir sind in Zentralvietnam angekommen und freuen uns auf etwas höhere Temperaturen und vor allem auf den Phong Nha Nationalpark. Diesen Abstecher inklusive Unterkunft, Essen und Ausflügen verdanken wir der Spende von René Mäder und Anita Amstutz. Vielen, vielen Dank!

 

Der Nationalpark liegt sowohl in Vietnam als auch zu grossen Teilen (unter anderem Namen) in Laos. In Phong Nha befinden sich ein paar ziemlich grosse Höhlen, welche wir uns ansehen wollen. Die Son Doong Höhle hier hat mit über 250 Metern Höhe, 150 Meter Breite und einer Länge von 5 Kilometern den grössten entdeckten Höhlengang der Erde. Es gibt nur einen Tourenanbieter, welcher eine fixe Anzahl an Touristen pro Jahr während 5 Tagen durch diese Höhle führt. Kostenpunkt über 3000 Franken pro Person. Wir begrüssen die Kontingierung der Besucheranzahl, auch wenn wir uns dadurch den Besuch leider nicht leisten können. Aber wir hätten wohl auch nicht das dazu nötige Fitnesslevel, welches auf der höchsten Stufe und unter «sehr anstrengend» aufgeführt ist. Wir schauen uns dafür die etwas kleineren und billigeren Höhlen an.

Regentag  und BBQ

Gestern Abend sind wir bei schwülwarmen Wetter hier angekommen und heute ist es wieder kalt und nass. Petrus will uns Vietnam irgendwie ein wenig versauen. Die Landschaften wären so schön, nur leider sehen wir nicht viel davon da immer alles in Nebel und Wolken liegt. Da es auch noch ununterbrochen regnet verweilen wir in unserer Unterkunft und hoffen für morgen auf besseres Wetter, respektive vertrauen auf eines der vielen unnützen Wetterapps.

 

Immerhin haben wir dank der «kleinen Freuden» eine hübsche und geräumige Unterkunft und fühlen uns hier sehr wohl. Während wir unser Abendessen im hauseigenen Restaurant verspeisen, beginnt unser Gastgeber gerade mit einem vietnamesischen Barbecue. Man(n) nehme einen kleinen Holzkohle Grill, brate darauf ein paar grobe, ungewürzte Stücke Schweinefleisch, zerkleinere diese mit der Schere noch ein wenig und fertig. Dazu gibt es einen Berg frische Kräuter, eine Chili, Soya, Salz, Kräuterpaste und ordentlich selbstgebranntem Schnaps.

 

Wir haben gerade unser Abendessen fertig als wir schon an den Tisch unseres Gastgebers gebeten werden. Da werden wir gleich grosszügig mit Fleisch und Schnaps eingedeckt und sitzen plötzlich inmitten eines vietnamesischen Barbecues. Unser Gastgeber spricht nur ein paar wenige Brocken Englisch aber einer seiner Freunde am Tisch unterhält sich in passablem Englisch mit uns. Eigentlich wäre dies eine reine Männerrunde, denn die Frauen der Männer sind unter sich und kochen und essen in der Küche.

 

Joli darf aber selbstverständlich trotzdem dabei sein obwohl Beni sie spasseshalber zu verscheuchen versucht. Aber sie wäre wohl auch nicht einfach so abgezogen, da sie von solchem Machogehabe wenig hält und sich gerne querstellt in solchen Dingen. Wir Speisen und Trinken ein paar Runden mit den Herren, bevor wir uns höflich zurückziehen und uns bedanken um nicht weiter zu stören. Etwas später im Bett hören wir die Männer dann lauthals singen und Gitarre spielen - ein lustiges Völkchen die Vietnamesen.

A long way to paradise

Komme was wolle, heute nehmen wir den Roller. Und es kommt was will. Was ist es wohl? Regen natürlich. Kurz vor 7 stehen wir auf und bestellen heisse Nudelsuppe mit Huhn zum Frühstück. Es ist kalt und es nieselt, aber wir wollen mit dem Roller den Loop durch den Nationalpark fahren und mindestens eine Höhle erkunden. Es ist acht Uhr als wir gestärkt und warm eingepackt, mit Halstuch, Mütze, Handschuhen und in voller Regenmontur an die Tankstelle fahren. 3 Liter Benzin für 2.50 Franken getankt und los geht es.

 

Tagesziel ist es die Paradise Cave vor allen Tourenanbietern zu erreichen, welche etwa 40 Kilometer entfernt liegt. Vorbei an einem grossen Fluss biegen wir auf die Hauptstrasse ein, welche uns durch eine traumhaft schöne Landschaft führt. Es geht immer wieder die Berge hoch und runter während sich eine Wahnsinns Kulisse nach der anderen bietet. Die Karstberge ragen vor, neben und hinter uns auf und der konstante Nieselregen und der Nebel passen herrlich ins Bild. Wir sind ziemlich beeindruckt und machen ein paar Mal Halt für Fotos bevor wir den noch beinahe leeren Parkplatz der Höhle erreichen. Lediglich ein kleiner Tourbus mit indischen Touristen kommt gerade angefahren. Jetzt aber husch husch, damit wir vor denen bei der Höhle ankommen.

 

Paradise Cave

Wir bezahlen 5000 Dong fürs parkieren und gleich noch eine halbe Million Dong Eintritt, also in etwa 22 Franken zusammen. Man kann sich vom Parkplatz mit dem Elektro Golfcart bis an den Fuss des Berg chauffieren lassen. Wir wählen den Fussweg, welchen wir in weniger als 20 Minuten bezwingen und lassen dabei dummerweise die Gruppe Inder in den Golfcarts an uns vorbei ziehen. Aber der Spaziergang über den Dschungelpfad lohnt sich allemal. Dann geht es noch eine halbe Stunde den Berg hoch zum Höhleneingang und dabei überhohlen wir die indische Reisegruppe bereits wieder. Nicht nur in Südamerika sind die Menschen sehr lauf faul und langsam unterwegs, auch die Asiaten sind kein Wandervolk wie uns scheint, wir sind trotz 20 minütigem Fussweg gegen eine 5 minütige Golfcartfahrt vor der Gruppe am Höhleneingang.


Wir stehen vor dem Eingang und sind gespannt. Diese Höhle soll eine der schönsten der Welt sein. Wobei bei unserer Reise um die Welt haben wir schon von viele Orten und Dingen gehört und gelesen, welche die schönsten oder grössten sein wollen. Zum Beispiel das höchste Riesenrad der Welt haben wir schon 3x gesehen und das an drei verschiedenen Orten – krass oder?

 

Über eine Holztreppe führt der Weg in die Höhle hinunter und nach wenigen Metern, blicken wir in ein wirklich gigantisches, schön beleuchtetes Loch mit unzähligen Stalagmiten und Stalaktiten. Was für ein geiler Anblick. Über die Holztreppe geht es geschätzte 50 Meter weiter in die Tiefe. Die Höhle ist mit einer Länge von 31 Kilometern die längste trockene Höhle in Vietnam, wobei nur gerade 1 Kilometer der Höhle in Form von angelegten Stegen der Öffentlichkeit zugänglich ist. Weitere 4 Kilometer kann man mit einer geführten Tour, Taschenlampen und Kletterausrüstung besuchen wenn man will.

 

Über einen grossen Holzsteg erkunden wir die gigantische Höhle. Ausser uns und der indischen Gruppe sind nur vereinzelt Touristen mit uns hier. Den störenden Lärm machen die Angestellten, welche an verschiedenen Stellen weitere Holzplattformen bauen oder Müll zusammen sammeln. Die Bauarbeiten wären nicht das Problem, aber die lieben Mitarbeiter schreien durch die ganze Höhle um sich zu Unterhalten und bei dieser Grösse macht das einen ganz schönen Lärm, wenn dieses Geschrei x-fach von den Wänden wiedergeworfen wird. Also nichts mit andächtiger Ruhe. Schade haben wir unsere Kopfhörer nicht dabei. Mit etwas klassischer Musik (oder Stille) wäre diese Umgebung sicher noch um einiges genialer.

 

Die Beleuchtung der Höhle ist für einmal nicht bunt was insbesondere Joli sehr gut gefällt - Beni nicht. Beni mag Farben. Joli mag Farben auch, aber in den letzten beleuchteten Höhlen war die Farbe pink einfach too much.

 

Wir lassen die Inder vorgehen und begeben uns danach aber auch in den hinteren Teil der Höhle, wo es weniger lärmende Höhlenmenschen bei der Arbeit hat. Auf dem Weg sehen wir viele meterhohe, riesengrosse Stalaktiten (von der Decke hängend) und Stalagmiten (vom Boden emporwachsend). Sogar eine riesen Schildkröte entdecken wir auf dem Weg nach hinten. Wir sind tief beeindruckt und laufen in Zeitlupe und mit offenen Mündern etwa eine Stunde lang durch diese wunderbare Höhle.

 

Wir diskutieren noch ob es gut oder schlecht ist an solchen Orten Stege und Beleuchtung anzulegen, damit die Menschen sich die Höhle ansehen können. Denn mit den Stegen und Lampen macht man ja auch einen Teil der Höhle kaputt. Wir sind jedoch überzeugt, dass dies das kleinere Übel ist, als wenn Hunderte von Touristen durch die Höhle klettern und im Dunkeln und Unebenen unzählige Stalagmiten und Stalaktiten abbrechen, wie wir es in der Höhle in Ecuador erlebt haben. Hier hat man einen kleinen Teil der Höhle für alle zugänglich gemacht und kann dieses Wunder trotzdem schützen.

Märchenwald

Der Weg nach Hause ist dann landschaftlich noch einmal gewaltig schön. Aufgrund von Regen und Kälte tuckern wir nur mit etwa 30 km/h den Rest des Loops entlang und geniessen dafür aber die gewaltigen grünen Hügel. Es erinnert uns an den Wald in Santa Elena, wunderschön. Es ist so grün, grüner geht es einfach nicht. Die Bäume sind teilweise so mit Pflanzen überwachsen, dass sie gar nicht mehr als Bäume zu erkennen sind, Wahnsinn.

 

Die Strecke ist kurvig und geht stetig nach unten, weshalb wir den Motor abstellen und einfach etwas rollen, so haben wir wenigstens inmitten dieser märchenhaften Landschaft unsere Ruhe. Dummerweise will der Roller weiter unten, als wir abbiegen wollen einfach nicht mehr anspringen. Mist was jetzt? Wir schieben ihn etwas hin und her und als er irgendwo in einer geraden Position steht springt er plötzlich wieder an – wohl irgend ein Wackelkontakt oder so – Schwein gehabt.

 

Wir kommen am Botanischen Garten vorbei, an welchem eigentlich ein Stopp geplant ist, doch der Regen ist mittlerweile zu stark und es ist auch zu kalt, weshalb wir direkt zurück ins Dorf fahren um etwas essen zu gehen. Heute gibt es wieder einmal indisch – vielleicht hat uns die indische Reisegruppe am Morgen inspiriert.

 

Zurück in der Unterkunft ist unser Gastgeber mit seinen Freunden bereits wieder in Festlaune. Die sitzen gemütlich vor einem reich gedeckten Tisch und trinken wieder munter einen Schnaps nach dem anderen. Wir werden sogleich wieder überfreundlich heran gewunken und zu Tisch gebeten. Innert Kürze trinken wir vier runden Schnaps mit und unterhalten uns hauptsächlich mit einer der Frauen, welche hervorragend Englisch spricht. Die Kommunikation ist nicht einfach, aber eine Sprache wird auf der ganzen Welt verstanden: Sport. Insbesondere Fussball oder hier auch Tennis. Einer der Männer meint Benis Ähnlichkeit zu Andy Murray zu erkennen, wobei er natürlich ein absoluter Roger Federer Fan ist.

 

Als er dann denn Namen Chapuisat auszusprechen versucht, sind wir sogleich beim Fussball angelangt. Insbesondere die goldene holländische Fussballer Generation der 90er Jahre scheint es ihm angetan zu haben. Beni und der Mann benennen haufenweise Fussballer Namen und amüsieren sich köstlich, während alle anderen nur Bahnhof verstehen, zumal ausser Namen eigentlich keine anderen Wörter fallen.

 

Gestern gab es Selbstgebrannten aus Waldfrüchten heute ist es Ginseng Schnaps. Die scheinen hier alles Mögliche in Schnaps zu verwandeln. Angeboten wird es uns immer unter dem Namen «Reiswein» obwohl es noch nicht einmal wirklich Reiswein war. Oft nennen sie es aber auch einfach «Happy Water». Eine feuchtfröhliche Runde geht mit einem leicht sturmen Kopf zu Ende und wir begeben uns in unser Zimmer um uns den Rest des Abends in unserem trockenen Bett aufzuwärmen.

 

Phong Nha Cave

Unser letzter Tag im Paradies bevor wir nach Hue aufbrechen. Heute besuchen wir noch die Phong Nha Höhle, welche wie der Nationalpark heisst. Mit dem Fahrrad geht es ins Dorf an die Ablegestelle der Boote.

 

Diese Höhle ist nur mit einem Boot zu erreichen. Die Boote kosten etwa 16 Franken und bietet Platz für 12 Personen. Entweder man nimmt sich gleich ein eigenes Boot oder wartet auf weitere Touristen um sich den Preis zu teilen. Es gibt auch die Möglichkeit zwei Höhlen zu kombinieren, was aber die wenigsten wollen. Die junge Gruppe vor uns will nur eine Höhle besichtigen, die ältere Dame hinter uns beide Höhlen. Somit ist die Entscheidung für uns leichter. Die Jungen lassen wir ziehen und schliessen uns der älteren Dame aus Irland an.

 

Etwa eine halbe Stunde tuckern wir bei konstantem Nieselregen über den blauen Fluss. Joli wollte natürlich ganz vorne sitzen und Beni hat den zweiten Platz ganz vorne der irischen Dame angeboten, was clever war, denn durch den Fahrtwind und den Nieselregen sind die beiden relativ schnell nass, während Beni weiter hinten schön trocken bleibt. Ein paar Biegungen noch bis wir den Höhlen Eingang sehen.

 

Hier wird der Motor abgestellt und die beiden Frauen, welche unser Boot fahren, manövrieren uns mit Hilfe von Paddeln durch die Höhle. Wir haben Glück auf dem Hinweg sind wir das einzige Boot und wir geniessen die Stille und das Naturschauspiel. Eine halbe Stunde werden wir durch die Höhle gepaddelt, welche ebenfalls sehr schön aber etwas weniger gut ausgeleuchtet ist, weshalb es auch nicht ganz so viele Fotos gibt.

 

Es gefällt uns noch viel besser als in der Paradise Cave gestern. Auch diese Höhle ist riesig und auf diesem unterirdischen Fluss hindurch zu fahren ist einfach unglaublich beeindruckend.

 

Auf dem Rückweg werden wir an einer Sandbank abgeladen und können uns frei durch den trockenen Teil der Höhle Richtung Ausgang bewegen. Auch hier haben wir noch genügend Vorsprung auf die nächsten Boote und sind nur zu dritt unterwegs. Der Fussweg nach draussen dauert etwa 10 Minuten und ist ein richtiges Highlight. Es ist alles so riesig und wunderschön und es ist einfach unfassbar wie der Wachmann bei all dieser Schönheit einfach so tief und fest schlafen kann. Doch es soll noch besser kommen.

 

Thien Son cave

Die zweite Höhle ist gleich um die Ecke, nur etwas höher. Beim Ausgang geht es 500 Treppenstufen in die Höhe zur Thien Son Höhle, welche sich praktisch niemand mehr anschaut. Logisch, der Gedanke an 500 Treppenstufen kann ganz schön abschreckend sein. Wir brauchen auch eine ganze Weile bis wir oben sind, aber es hat sich sowas von gelohnt. Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss, so auch hier.

 

Wir sind Mutter Seelen allein! Die Höhle verfügt über einen Rundgang via einem metallenen Steg. Wir lassen die Irin etwas voraus gehen und gehen dann getrennte Wege. Beni läuft einmal links herum und Joli rechts herum, damit wir uns von der jeweils anderen Seite fotografieren können, so der Plan. Aber nur an manchen Stellen können wir uns in der Höhle von weitem sehen und Fotografieren. Aber das macht nichts. Die Irin kommt Joli bald wieder entgegen und meint, der Weg gehe nicht weiter. Sie gehe schon einmal zurück. Der Weg geht weiter, der Steg hört nur für ein paar Meter auf, weil es zu eng wird. Joli will es ihr noch sagen, aber sie ist schon weg. Auch egal. Jetzt haben wir die ganze Höhle komplett für uns. Herrlich!

 

Wenn man stehen bleibt herrscht absolute Stille, nur unterbrochen von einzelnen Tropfen die von der Höhlendecke fallen. Wer schon mal absolute Stille erlebt hat weiss wie schön das sein kann. Und dazu diese abstrakten Felsen, welche wunderschön beleuchtet sind, einfach der Hammer.

 

Ganz hinten in der Höhlen treffen wir uns und gehen danach den Rundweg jeder für sich zu Ende. In Zeitlupe gehen wir durch diese faszinierende Welt und vergessen alles um uns herum. Irgendwann tauchen wir wieder aus dieser Traumwelt der Stille und Schönheit auf und erinnern uns, dass die Irin wohl schon lange auf uns wartet. Uups!

 

Wir haben einige Reiseberichte zu Phong Nha gelesen, aber nur gerade einer hat diese Höhle erwähnt, dabei ist das hier der absolute Geheimtipp und nicht die Paradise oder Phong Nha Höhle. Wir sind begeistert und glücklich als wir mit dem Boot zurück ins Dorf tuckern. Ein wahrlich genialer Abschluss unseres Aufenthalts hier.

 

Im Dorf geniessen wir nochmals ein leckeres Abendessen und morgen heisst es schon wieder Abschied nehmen von diesem paradiesischen Ort. Hier hätten wir viel länger bleiben können – schön blöd, dass wir den Zug im Voraus buchen mussten, weil er so häufig ausgebucht ist. Es ist wunderschön hier und das trotz des tristen Wetters. Vielen Dank nochmals für diese grosse «kleine Freude».

 

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