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Hue

Mit dem Zug fahren wir 168 Kilometer weiter in den Süden nach Hue. Sobald der Zug angesagt wird strömen die Menschen inklusive dem Bahnpersonal auf die Gleise und sehen ihm entgegen. Dazu lassen sie auch noch eine Drohne steigen. Erst als der Zug nur noch ein paar Meter entfernt ist laufen sie gemütlich zurück zum Perron. Das soll in der Schweiz mal einer wagen – huuuui!

 

In der alten Kaiserstadt bleiben wir für zwei Nächte um ein bisschen hiesige Kultur aufzusaugen. Am Bahnhof haben wir erstmals kein Grab Taxi zur Verfügung, was eine lästige Preisverhandlung mit Taxi Fahrern unumgänglich macht. Die App rechnet uns aber den Preis vor, welche die Fahrt in etwa kosten sollte. Die Preis Angebote der Taxi Fahrer sind auch hier 4 mal zu hoch. Statt 25'000 Dong werden 100'000 verlangt. Im Gegensatz zu Kuba sprechen wir hier aber von 4 statt 1 Franken und nicht 80 statt 5 Franken. Aber trotzdem, es ist und bleibt eine Frechheit und wir mögen Taxifahrer einfach nicht. Nach 5 Versuchen finden wir doch noch einen ehrlichen Fahrer, welcher uns dann für 27'000 fährt und sogar das Taximeter einschaltet. Er schwafelt dann zwar auch etwas von 50 als wir bezahlen wollen, aber Joli zeigt mit den Worten «da» und «hier» erst auf das Taximeter und dann die Noten und läuft ihm danach einfach davon.

Es blinzeln erste vietnamesische Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Dabei haben wir überall gelesen, dass es in Hue eigentlich immer regnet. In der Trockenzeit nur etwas weniger als in der Regenzeit. Schnell das Gepäck abgeladen und danach gleich los in Richtung des Kaiserpalasts. Ein kurzer Spaziergang führt uns entlang des Parfüm Flusses. Keine Ahnung weshalb der so heisst, jedenfalls wohl nicht wegen des Geruchs.

 

Vor dem Palast wimmeln wir ein paar Rikscha Fahrer ab und bezahlen danach den Eintritt. Wir haben vorher im Internet noch kurz geschaut ob sich ein Kombi Ticket lohnen würde aber irgendwie haben wir keine Lust nach der Zitadelle noch unzählige Mausoleen anzuschauen. Wir sind nicht so die kulturellen.

 

Wir betreten ein weitläufiges Gelände mit vielen Gebäuden in allen möglichen Farben. Viele sind jedoch wegen des Krieges halb zerfallen oder immer noch im Wiederaufbau. Die Anlage ist gigantisch und sehr weitläufig. Es ist hübsch aber mehr auch nicht.

 

Speziell ist aber die blaue Störung am Himmel und siehe da, die Sonne in ihrer ganzen Pracht kommt erstmals seit über zwei Wochen Vietnam zum Vorschein. Sogleich wird es auch "Blütterwarm" und wir nutzen wenn immer möglich den Schatten um uns nicht gleich einen Sonnenbrand zu holen. Die Sonne scheint noch keine 10 Minuten und wir jammern schon wie heiss es ist. Unglaublich, wir schämen uns also selbst ein bisschen deshalb.

 

Wir durchqueren einen schön gepflegten Garten mit vielen kleinen Mini Bäumchen in den schönsten Formen, welche an Bonsai Bäumchen erinnern und es wahrscheinlich auch sind. Hier flattern ebenfalls ein paar hübsche Schmetterlinge umher.

 

Einen pompösen Palast sucht man jedoch vergeblich, der Protz hält sich diesbezüglich in Grenzen. Aber hier wohnte ja auch nur ein Kaiser und kein Buddha. Da gefallen uns die europäischen Schlösser und Burgen einfach viel besser als die asiatischen und bei diesem Gedanken fragen wir uns ob wir eigentlich in Südamerika jemals ein Schloss oder eine Burg gesehen haben? Ich glaube nicht. Wobei die Inkas nur Ruinen hinterlassen haben und die Mayas Pyramiden. Vielleicht waren dies deren Schlösser? Naja auch egal. Uns gefallen auf jeden Fall die dicken Mauern und die vielen Türmchen bei uns besser. 

 

Die plötzliche Hitze ist für uns erdrückend und ungewohnt. Aber dafür gibt es eine Lösung. Bei einem lecker Bierchen kühlen wir uns am Fluss etwas ab und geniessen das Leben, bevor wir danach zurück gehen und uns unser Abendessen suchen.

 

Der Parfümdrache

Heute hält sich Hue an das Regenwetter, welches hier üblich ist. Egal, da wir gerne auf dem Wasser sind nutzen wir die Gelegenheit auch hier zum Böötchen fahren. Wer dem Uferweg entlang läuft erhält hier zahlreiche Angebote für eine private Tour auf einem Drachenschiff. Wir mieten uns ein Boot inklusiv einer ganzen Familie, welche darauf zu wohnen scheint. Die Tour führt uns in zwei Stunden über den Parfüm Fluss zur ältesten Pagode Vietnams und wieder zurück. Das Schiff bietet Platz für 15 Personen, wir sind zum Glück alleine, machen es uns ganz vorne auf zwei Stühlen bequem und geniessen die Fahrt. Am Ufer beobachten wir die Fischer während die Familie im Boot hinter uns einen kleinen Souvenir Shop aufbaut. Die Preise sind dermassen tief das Joli auf dem Hinweg vorsondiert und auf dem Rückweg gleich drei Mitbringsel kauft. 

 

Thien Mu Pagode

Die Thien Mu Pagode ist die höchste in Vietnam. Wer aber jetzt ein riesiges Gebäude erwartet wird sofort enttäuscht. Als unser Boot anlegt können wir sie zuerst gar nicht sehen. Sie punktet statt wie gedacht mit der Grösse eher mit dem Alter, meint Beni. Der Turm steht offensichtlich schon so lange da, dass zwischen den Backsteinen Pflanzen heraus wachsen und sich um den Turm schlängeln. Nichts desto trotz ist sie ein schöner Anblick. Uns gefällt der «Retrostyle».

 

Es ist ganz schön was los hier, haufenweise geführte Touren sind zugegen. Wir holen uns einige gratis Infos in dem wir aus der Distanz den Englischen, Spanischen und sogar Deutschen Guides ein wenig zu hören, während wir über das Gelände schlendern und uns die Gebäude, Figuren und zu Benis Freude die viele Bonsais anschauen.

Kulinarisches Downlight

Hue ist anscheinend bekannt für gutes Essen, weshalb wir in einem bekannten vietnamesischen Restaurant das Touristen 5 Gang Menu bestellen. Es gibt verschiedene hiesige Spezialitäten, von welchen uns keine auch nur annähernd zu überzeugen vermag. Dazu kommt, dass uns keiner erklärt, was denn was genau ist und wie man es isst und somit kommt es sogar soweit, dass wir zum Schluss am Nachbartisch entdecken, dass das was wir für Servietten gehalten haben eigentlich Reispapier war, in welches man die Würstchen hätte wickeln müssen, die wir einfach so in die Sosse getunkt haben. Tja und das Extra Gericht, das wir uns noch dazu bestellt haben finden wir so hässlich, dass wir es liegen lassen. Wir schauen uns an und kommen stumm überein, dass wir nochmals zum Inder von gestern gehen und mit dem Abendessen von vorne anfangen.

 

Unschlagbar

Das Schild «Bitte Schuhe ausziehen und in den Schrank stellen» direkt neben dem parkierten Roller im Eingang.

 

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