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Hoi An I

Wir haben uns für die Strecke Hue nach Hoi An ein Auto mit Fahrer gemietet, resp. eine One-Way Tagestour gebucht. Der Weg führt uns über den Wolkenpass und wir hoffen, dass wir heute ausser Wolken auch etwas von der schönen Landschaft sehen können. Im Moment sieht es nicht allzu schlecht aus.

 

Unser Fahrer Anthony holt uns mit seinem blitzblank sauberen Auto pünktlich ab. Sein Englisch ist nicht sehr gut aber doch um Längen besser als unser Vietnamesisch. Gestern hat Vietnam im Achtelfinale etwas überraschend Jordanien beim Asien Fussball Cup besiegt, wie Anthony mit Stolz erzählt. Wir haben es in unserem Zimmer gestern Abend aber auch unüberhörbar mitbekommen.

 

Falls Langeweile aufkommen sollte hat es im Handschuhfach ein Mikrofon womit wir über die Musikanlage Karaoke singen können, lässt uns Anthony wissen. Wir winken dankend ab, dafür ist es uns zu früh und wir würden wohl niemanden einen Gefallen damit machen.

 

Uns fallen die sonst satten grünen Hügel auf, welche hier teilweise kahl gerodet wurden. Ein Laster vollen Baumstämme fährt auch gerade vor uns auf der Strasse. Aber immerhin werden die Gebiete auch wieder aufgeforstet wie man an den unterschiedlichen Baumhöhen und Grüntönen sehen kann. Die vielen Reisfelder, welche wir sehen, werden etwa alle 3-4 Monate geerntet und leuchten im Moment in sattem Grün. 

 

Lang Co Beach

Am etwas verschmutzten Lang Co Beach gönnen wir uns um 11 Uhr ein lecker Bierchen bei einer kurzen Pause. Der Strand ist eigentlich schön aber der Müll trübt das Bild etwas. 

 

Hai Van Pass

Je näher wir dem Pass kommen, desto übler wird das Wetter. Die Wolken werden dichter und dichter, die Sicht weniger und weniger. Es regnet wie verrückt als wir oben ankommen, weshalb wir auch nicht gross Interesse daran haben auszusteigen und uns anzusehen, was es hier zu sehen gäbe. Am höchsten Punkt ist das Wetter so mies, man sieht keine 10 Meter weit aber Joli schiesst trotzdem ein Foto der «Aussicht». Je weiter runter wir kommen, desto mehr sehen wir wieder und nun halten wir sogar einmal kurz an um einen Strand von oben zu betrachten. Der Zug fährt auch gerade vorbei und ergänzt das Bild herrlich.

 

My Khe Beach

Da Nang durchqueren wir nur und machen auch am Strand nur einen kurzen Stopp, denn wirklich gemütlich ist es auch hier immer noch nicht, obwohl das Wetter langsam etwas bessert.

 

Wir bringen jedoch noch in Erfahrung, weshalb viele der Häuser hier so schmal aber dafür tief und teilweise hoch sind. Die Quadratmeter an den Strassen sind viel teurer und je weiter weg das Grundstück von der Strasse entfernt ist desto günstiger wird es.

 

Die meisten dieser schmalen Häuser haben jedoch nur vorne Fenster. Weshalb ist auch relativ schnell klar. Hier wird so dicht an dicht gebaut, dass es keinen Sinn macht auf der Seite Fenster einzubauen, denn man weiss ja nie wer nebenan wie hoch und nahe anbaut.

 

Mable Mountain

Beim letzten Stopp besuchen wir den Mable Mountain, den Marmorberg. An der Hauptstrasse zum Berg gibt es Marmor Statuen in allen Formen und Grössen zu kaufen.

 

Wir nehmen den Lift um auf den Berg hoch zu kommen und beginnen mit dem Rundgang. Der Berg ist schön und mit unzähligen Tempeln und Höhlen, gibt es einiges zu entdecken. Wir laufen Treppen hoch und runter, klettern in Höhlen herum und bestaunen die vielen kunterbunten Tempel. Beni geht schon bald die Puste aus, worauf Joli die letzte und grösste Höhle selber erkundet. In dieser Höhle wurde sogar ein kleiner Tempel gebaut und alles ist so richtig kitschig beleuchtet.

 

Wirklich ein schöner Ort für einen kurzen Abstecher. Den Weg nach unten gehen wir via den vielen Treppen und mit tauben Ohren drängen wir uns durch die vielen Marmorverkäuferinnen zurück zum Auto.

 

Hoi An Old Town

Heute wollen wir uns Hoi An ansehen. Zuerst aber gibt es ein herrliches Frühstück mit Avocado Brötchen und Kokoskaffee in einem versteckten Café in einer Seitengasse. Hoi An wurde als eine der wenigen Städte im Vietnamkrieg nicht von Bomben zerstört, wodurch die Altstadt erhalten geblieben ist. Die kleinen Strassen sind voller Läden, wobei auch zahlreiche Schneider hier ihre Dienste anbieten. Für kleines Geld kann man sich hier alles was man wünscht massgeschneidert anfertigen lassen. Wir brauchen nichts und zweifeln so oder so daran, dass etwas aktuell massgeschneidertes uns sehr lange passen wird.

 

Hoi An ist eine Touristenhochburg, wir sind hier definitiv nicht alleine. Das Städtchen ist aber auch wunderschön. Wir schlendern dem Fluss entlang, über den Fisch- und Gemüsemarkt, vorbei an den wunderschönen alten Häusern. Überall hängen bunte Lampions, sogar die meisten Fischerboote auf dem Fluss sind damit geschmückt. Wir üben uns ein wenig im Feilschen und kaufen auch ein paar Souvenirs.

 

Die Preise sind hier nirgends angeschrieben, als Faustregel gilt aber einen Preis von mindestens 50 - 75% unter dem Startangebot zu erreichen. Wir schlagen uns gut, bezahlen zum Beispiel für ein Hemd statt 250'000 nur 100'000 Dong (4,30 Franken). Etwas später am Tag finden wir dann das gleiche Hemd in einem Laden mit Preisbeschriftung für 80'000, nicht verhandelbar – so gut gehandelt und immer noch zu viel bezahlt – Mist!

 

Die Restaurants und Cafés in der Altstadt sind auch auf Touristen gerichtet und daher etwas teuer, das Bier kostet hier 50'000 Dong. Beni kauft es sich lieber im Supermarkt für unterwegs zum Preis von 15'000. Doch es gefällt uns hier wir planen spontan noch gleich 4 weitere Nächte ein um etwas ausserhalb der Stadt ein wenig Ruhe zu geniessen.

 

Ticket please!

Wie bitte!? Am dritten Tag in Hoi An schlendern wir einen etwas grösseren Rundweg dem Fluss entlang. Dabei verlassen wir auch wie schon oft den Altstadtbereich. Es gibt ein paar Museen und Tempel, für welche man ein Touristen Ticket lösen muss, welches für 4 Eintritte von solchen Sehenswürdigkeiten berechtig. Wir haben keines gekauft, da wir uns nichts dergleichen anschauen wollen. Als wir zurück in die Altstadt kommen steht eines dieser vielen Tickethäuschen am Strassenrand und davor einer, welcher unser Ticket sehen will. Zum Verständnis, wir befinden uns auf einer ganz normalen öffentlichen Strasse, welche ins Zentrum führt, diese Tickethäuschen stehen vor den Museen und vereinzelt um die Innenstadt herum.

 

Der kleine Mann stellt sich uns in den Weg und will unsere Tickets sehen. Wir lächeln ihn an und erklären ihm das wir seit drei Tagen in der Innenstadt wohnen und ganz sicher kein Ticket brauchen um nach Hause zu kommen. Der Mann besteht darauf das wir uns ein Ticket kaufen müssen oder wir müssen um das Altstadtzentrum herum laufen, was heute insbesondere Joli mächtig auf die Palme bringt. Wir ignorieren seine Forderung einfach und spazieren an ihm vorbei. Er ruft uns noch «This is not ok» hinterher, worauf wir ihm auch entgegnen «Yes this is not ok». Ziemlich dreist was da gerade passiert ist, darauf brauchen wir dringend ein lecker Bierchen um wieder einen kühlen Kopf zu bekommen.

 

Fünf Bierchen später haben wir es bei einer Partie Yatzy wieder ziemlich lustig. Beni meint er fühle sich gerade «pudelwohl», worauf ihn sogleich die Neugier über dieses Sprichwort packt. Frau Google muss den Wissensdurst stillen und verrät: das Sprichwort kommt daher das Pudel früher zur Enten Jagd genutzt wurden und beim Jagen im Wasser «pudeln» also planschen. Also wenn ihr das nächste Mal pudelt denkt an uns.

 

Wir sitzen im Restaurant mit Blick zum Fluss. Wir sehen zwar keinen Pudel pudeln, dafür etwas anderes sehr erfreuliches. Zwei Fischer nehmen sich die Zeit und fischen den schwimmenden Müll aus dem Fluss, sehr vorbildlich. Wobei man ehrlich sagen kann, das Asien bis jetzt denn saubereren Eindruck hinterlässt als Südamerika – bis jetzt.

Die Dreisten Drei

Es ist kurz nach 23:00 Uhr und Benjoli sind schon längst am Träumen, da bezieht neben uns ein Vater mit seinen Töchtern in voller Lautstärke das Zimmer. Rücksichtnahme ein Fremdwort. Türen werden geknallt und der Herr Vater lässt sich in einer Lautstärke die Hausregeln erklären und fragt tausend Fragen, die normale Menschen beim Einchecken an  der Rezeption und nicht in der Zimmertüre abklären. Und dann verlängert dieses Eckel Pack auch noch auf 5 Nächte – na Halleluja!

 

Die dreisten Drei, wie wir sie nennen, kommen heute noch gleich mit auf unsere Tour, das kann was werden. Abholung ist zwischen eins und halb zwei Nachmittags. Die dreisten Drei treffen um 13.20 auch an der Rezeption ein, eine Minute bevor Elena unser Tourguide uns abholen kommt. Aber sie sind nicht etwas bereit, sondern erst aus der Stadt zurück gekommen und müssen sich jetzt erst noch zurecht machen. Elena ist hier aber den Führer der dreisten Drei interessiert dies jedoch nicht, die Töchterchen müssen jetzt erst noch das Näschen pudern und er ist mit dem Preis der Tour nicht zufrieden und will sowohl mit der Rezeptionsdame und auch Elena neu verhandeln. Er habe dieselbe Tour in der Stadt billiger gefunden und bla bla bla. Wir haben selber einige Abklärungen gemacht und wissen, dass dieser Preis den er nennt gelogen ist. Das weiss auch die Dame der Rezeption, welche meint, dann dürfe er gerne die Tour in der Stadt buchen. Will er aber auch nicht (wieso wohl?!) er will diese nur günstiger und das wir das ganze Gespräch mitbekommen, welches er doch mit der Dame unter vier Augen besprechen wollte passt dem arroganten Sack auch gar nicht, zumal wir ihn die ganze Zeit intensiv anschauen und ungeduldig mit den Füssen wippen.

 

Er kommt immer wieder mit dem Preis der anderen Tour und wir denken uns erst noch; «ist noch nicht unser Problem», aber nach 15 Minuten diskutieren sind wir alle genervt und Beni platzt der Kragen. Er wendet sich in einem sehr bestimmten Ton mit den Worten «Excuse me Sir, you have to make a decision! Now! We want to leave!» direkt an den Führer der dreisten Drei worauf dieser nur mit den Schultern zuckt. Bevor Joli den arroganten Blödmann zurecht stutzen kann, wird es zum Glück auch Elena zu dumm und wir lassen die dreisten Drei einfach sitzen. Wer nicht will lässt es halt bleiben. Seit 20 Minuten wartet der Minibus mit 9 anderen Touristen auf uns, dementsprechend ernten wir viele böse Blicke. Doch Elena unser Guide löst die Situation sehr gekonnt und erklärt den anderen Touristen das nicht wir, sondern die dreisten Drei, welche nun nicht mitkommen Schuld an der Warterei haben. Jetzt geht es endlich los und wir stehen nicht mehr in Ungnade beim Rest der Truppe.

 

My Son Sanctuary

Es geht zu einem UNESCO Weltkulturerbe. Wir schauen uns diese alte Tempelstadt bei einer geführten Nachmittags Tour an. Mit dem Bus dauert es eine Stunde bis wir den Haupteingang erreichen – unterwegs stellen wir noch fest, dass wir zwei Touristen vergessen haben – aber zum Glück stellt sich heraus, dass sie sich zu spät angemeldet haben und das Verschulden somit nicht bei Elena und dem Fahrer liegt und wir sie nicht abholen müssen.

 

Bei My Son angekommen steigen wir in die vielerorts beliebten Elektro Carts um, welche uns vor die ersten Ruinen bringen. Wir haben bereits einige Ruinen besichtigt und sind daher schon etwas verwöhnt. Zudem ist es schade, dass hier jeder einfach überall raufklettern kann. Das trägt nicht zum Erhalt bei und verdirbt Joli die Fotos, was noch fast das grössere Übel sei, meint Beni frech!

 

Die Steine wie Beni sie liebevoll nennt, sind hier sehr dunkel und leider nicht mehr sehr hoch gestapelt. Im Vietnamkrieg wurde der grösste Teil der Anlage dem Erdboden gleichgemacht. Ein paar wenige Mauern von Gebäuden sind erhalten geblieben. Drei kleinere Gebäude wurden mit neuen Steinen ergänzt und wieder aufgebaut.

 

Nach den riesigen Steinhaufen der Mayas, sind das hier nur noch Steinhäufchen. Wir und alle anderen Touristen Gruppen, welche zugegen sind, bekommen dann noch einen hübschen Tanz vorgeführt, welcher wirklich ganz nett ist. Wir sehen sogar die dreisten Drei wieder, welche uns gekonnt ignorieren. Joli hat sie auf «arrogantes Pack» umgetauft und beschlossen heute Abend mit Pauken und Trompeten nach Hause zu kommen sollten wir nach ihnen eintreffen.

 

Zurück geht es mit dem Boot, aber bis zum Hafen fahren wir fast 45 Minuten – in dieser Zeit wären wir auch wieder in der Stadt gewesen aber wir mögen Boote. Mit dem Sonnenuntergang auf dem Boot wird es leider nichts, da Wolken den Horizont verdecken und die Sonne bereits dahinter verschwunden ist, als wir das Boot besteigen. Dafür geniessen wir die Sandwiches, welche inklusive sind und kaufen und noch lecker Bierchen dazu.

Nachtaufnahme

Es ist bereits dunkel als wir in Hoi An vom Boot steigen. Fünf Schritte vom Hafen weg stehen wir gleich mitten auf dem Nachtmarkt. Er erinnert sehr an die Nachtmärkte in Taiwan und ist gut besucht. Wir haben jedoch im Hostel die Empfehlung erhalten, hier besser nicht zu speisen. Es hat enorm viele Leute aber das war bisher immer so auf Nachtmärkten. Wir sind gespannt die Stadt nun bei Nacht zu erleben mit all ihren Laternen.

 

Als wir aber über den Fluss in die Altstadt kommen trauen wir unseren Augen nicht. Es hat so unglaublich viele Menschen hier es ist nicht zu fassen. Wir dachten schon bei Tag es sei ziemlich voll aber dieser Anblick verschlägt uns die Sprache. Die Strassen und der Fluss sind vollgestopft mit Touristen und Booten mit Touristen. Es ist ein Gedrücke und Gedränge und wir müssen Lachen, weil wir bisher jeden Abend das Gefühl hatten wir verpassen was, wenn wir bei Nacht nicht noch einmal in die Stadt gehen. Weit gefehlt.

 

Die vielen leuchtenden Lampions sind zwar schön zugegeben aber die Magie, das Mystische und Verträumte, welches die Lichter ausstrahlen, geht in den Menschenmassen leider völlig unter. Zudem hängen mittlerweile überall so viele Laternen, dass es fast too much ist. Zu viele Laternen verderben die Optik, könnte man sagen und zu viele Menschen verderben prinzipiell alles. Wir ziehen etwa 10 Minuten durch die Strassen und haben bereits genug gesehen. Da gehen wir lieber noch auf eine Futterrunde zu unserem Lieblingsinder und danach nach Hause in der Hoffnung, dass die dreisten Drei uns heute schlafen lassen.

 

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