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Hoi An II

Standortwechsel

Es geht in die Verlängerung. Wir bleiben weitere vier Nächte aber dieses Mal etwas ausserhalb des Stadtzentrums um noch etwas Ruhe und Entspannung zu geniessen. Nachdem unsere liebreizenden Nachbarn für 5 Nächte eingezogen sind, fiel uns die Entscheidung ziemlich leicht ob wir hier bleiben oder eine neue Unterkunft suchen.

 

Mit dem Taxi fahren wir die kurze Strecke und checken in einer kleinen Oase ein, wo wir ein super schönes und extrem ruhiges Zimmer bekommen. Das Wetter ist herrlich und das wollen wir nutzen. Mit den gratis Fahrrädern stehen wir schon nach zwei Minuten inmitten von leuchtend grünen Reisfeldern. Wow. Auf Empfehlung unserer Unterkunft finden wir ein etwas verstecktes wunderschönes Restaurant direkt am Fluss. Wir sind komplett alleine und geniessen die Ruhe bei einer runde Frühlingsrollen und Kokosnuss Kaffee, herrlich.

Follow me

Sonnenschein und blauer Himmel, was wollen wir mehr. Wir schwingen uns wieder auf die Drahtesel und machen uns auf den Weg zum Coconut Village. Wir sind nicht ganz sicher wo wir denn hin müssen, da nichts beschildert ist. Kein Wunder, 95 Prozent der Touristen kommen hier mit Tour Bussen hin.

 

Eine Frau auf dem Roller winkt uns zu und ruft: «Coconut Village over there, follow me.» und dabei fährt sie uns in unserem Tempo voraus. So ganz ungefragt und einfach so, ach wie nett die doch sind hier. Nach etwa 5 Minuten sind wir dann tatsächlich beim Coconut Village, direkt am Fluss vor dem Haus der Frau.

 

Mit einem breiten Lächeln will sie uns fast die Fahrräder aus der Hand reissen um sie zu parkieren und übergibt uns zwei Quittungen für die Velo Parkplätze, je 30'000 Dong. Auch die Tour zum Preis von 200'000 Dong ist quasi schon gebucht, wenn es nach ihr geht. Nun lächeln wir genauso freundlich zurück und erklären ihr das wir unsere Velos nicht parkieren wollen und die Tour wollen wir erst morgen machen. Ein kurzes hin und her beginnt und dann will sie aber noch 30'000 Dong, weil sie uns den Weg gezeigt hat, Joli lacht sie nur aus und wir laufen einfach weiter. Dreist nicht? Einfach unglaublich, aber von solchen Dingen lassen wir uns schon lange nicht mehr beeindrucken. 

Coconut Village - koreanischer Ballermann

Aber wo sind wir hier und was ist Coconut Village überhaupt. Es ist ein kleiner Fluss, welcher in verschlungenen Wegen, gesäumt von Wasserkokospalmen, aufs offene Meer führt. Hier werden kurze Flussfahrten in überdimensionalen Kokosnuss Schalen angeboten. Was vor Jahren noch romantisch und idyllisch gewesen sein muss, gleicht heute einem Ballermann. Der Fluss ist überfüllt mit Kokos Böötchen und Touristen (hauptsächlich Koreaner), dazu dröhnt von überall verschiedene und sehr laute Musik aus überdimensionalen Boxen. Wir setzen uns erstmal in ein Restaurant am Fluss und schauen dem Treiben bei einem lecker Bierchen zu.

Einen an der Kokosnuss

Die haben doch alle einen an der Kokosnuss. Mit lautem Geschrei, Musik und Gejohle fahren Touristen wie Guides an uns vorbei und feiern eine Party in diesen Schalen, als gäbe es kein Morgen mehr. Wie schon so oft zweifeln wir einmal mehr am Verstand unserer Spezies und können nur lachend die Köpfe schütteln.

 

Wir kommen mit der Besitzerin ins Gespräch und erklären ihr das wir noch ein wenig warten möchten bis die meisten Touren weg sind und der Fluss wieder zu sehen ist respektive, dass wir lieber früh Morgens kommen wollen.

 

Sie bietet hier ebenfalls, wie wahrscheinlich alle Anwohner, Touren an und macht uns ein faires Angebot. Statt wie bei der Tante welche für «Follow me», Parking und Tour 290'000 wollte, bietet sie uns die Tour für beide für 175'000 an - Deal.

 

Wir haben natürlich zuvor ihre Preise im Internet abgeklärt und wissen um den offiziellen Preis von 115'000 pro Person und Joli hat ihr Handy ganz offensichtlich mit der geöffneten Homepage des Restaurants und Unternehmens auf dem Tisch liegen lassen um allfällige Diskussionen bereits im Keim zu ersticken. Da das Angebot gut ist und die Dame meint, dass ab 16:30 nicht mehr viel los ist, was sich schon langsam erkennen lässt, lassen wir uns überreden. Noch ein Bierchen für unterwegs und los gehts.

 

Nach einer Weile haben wir das Dorf hinter uns gelassen und es hat nur noch vereinzelt Schalen unterwegs und die laute Musik ist auch nur noch in der Ferne zu hören. Die Sonne geht langsam unter und wir geniessen es in dieser Schale über den Fluss zu schippern. Dabei wird unsere Schale von einem Mann mit Paddel gesteuert, welcher uns in eine grosse Bucht fährt. Hier wird dann auch die Musik schlagartig wieder laut.

 

Wir reiben uns erstmal die Augen ab dem was wir sehen. Da draussen treiben doch tatsächlich noch zwei Reisegruppen verteilt auf etwa 20 Schalen vor sich hin und singen Karaoke auf dem Wasser in dieser Kokosnuss Schale, dazu wird getanzt und gejohlt was das Zeug hält und für die nötige Lautstärke sorgen die Schalen, welche nur über eine riesige Box und einen Fahrer verfügen. Die Guides und Touristen hüpfen und tanzen in ihren Schalen umher und johlen ihre Lieder herunter. Was für ein abartiger skurriler Anblick in diesem Naturparadies.

 

Unglaublich, einfach unglaublich. Aber schaut euch einfach die Bilder an und stellt euch vor wie Dumm wir aus der Wäsche geschaut haben, als wir das gesehen haben. Nicht einer ausser uns hatte auch nur einen Blick für die Schönheit dieses Ortes übrig. Die schöne Fahrt durch diese wunderbare Gegend wird zur Farce. Nach 45 Minuten sind wir wieder zurück und um ein definitiv unvergessliches Erlebnis reicher.

Blutrot

Auf dem Rückweg kurz vor unserem zu Hause, sehen wir den ersten Sonnenuntergang in Vietnam und was für einen. Da es heute mal praktisch wolkenlos ist bietet sich ein wunderschönes Bild. Wir stehen inmitten von grünen Reisfeldern im Hintergrund die blutrote Sonne, welche hinter Palmen untergeht. Wunderschön, spontan und viel besser als am Grand Canyon.

Es war ein langer Tag und ein kleiner Hunger ist noch vorhanden. Wir wollen aber nicht mehr aus dem Haus und versuchen Essen zu bestellen. Über die Grab App bestellen wir eine Pizza aus der fast 5 km entfernten Stadt, welche von einem Grab Motorradfahrer abgeholt und geliefert wird. Alles klappt hervorragend, nach 30 Minuten steht der Grab Fahrer vor der Tür mit unserer Pizza. Die Pizza ist natürlich keinesfalls so gut wie wir Pizza normalerweise kennen und lieben, aber als Nachbarland Italiens ist ein Vergleich auch unfair und für hiesige Verhältnisse ist die Pizza sehr ordentlich. Zudem sind der Preis von 4,50 für die Pizza und 0,50 für die Lieferung ja auch unschlagbar.

Cua Dai Beach

Heute besuchen wir den Strand oder besser gesagt, dass was davon übrig geblieben ist. Die zahlreichen Restaurants direkt an der Küste kämpfen gegen das Meer an, welches sich immer mehr Land zurück erobert und die Küste wegspült. Mit überdimensionalen Sandsäcken wurde eine Barriere errichtet, welche den Strand davon abhalten sollen, endgültig zu verschwinden. Ein Unterfangen, welches auf Dauer wohl nicht erfolgreich sein wird. Bitter für die Existenzen, welche hier bedroht sind. Der fehlende Strand ist kein allzu schöner Anblick und auch nichts für Badeferien. Eine Vietnamesin versucht verzweifelt einer Frau aus dem Wasser zu rufen, entweder weil baden hier verboten ist oder weil die Dame besoffen ist – vielleicht auch beides.

 

Wir kommen an einer Sportbar vorbei, bei welcher sich Joli zuerst erkundigt ob es denn auch Bier gibt - lustig. Beni erklärt, das Sport und Bier unzertrennliche Freunde sind, genau wie Sport und Bar, also Sportbar. Ja die Frage stellt sich auch eher deshalb, weil das Restaurant nicht gerade aussieht, als hätte es häufig Gäste – aber danke für die Aufklärung. In der Sportbar, wo der Sitzplatz auch immer kleiner wird, schauen wir bei einem lecker Bierchen der tobenden See eine Weile zu und geniessen das herrliche Wetter. Mit den beiden Souvenir Verkäuferinnen halten wir auch noch ein kurzes Schwätzchen, da sie sich schon zu uns setzten, kaufen wollen wir aber nichts.

Wellness

Die restlichen Tage in Hoi An gehen wir es ruhig an. Es gefällt uns so gut in dieser wahnsinnig ruhigen und schönen Unterkunft, dass wir gleich noch zwei Nächte verlängern. Neben gemütlichen Spaziergängen und kleinen Velo Touren besuchen wir auch ein Spa (Joli sogar zwei Mal) und lassen uns für kleines Geld ordentlich durchkneten. Herrlich schmerzhaft – Autsch! Wir kommen sogar einmal an einer Friedhofs Party vorbei, auf dem ganzen Friedhof werden grosse Boxen aufgestellt?! Das Essen lassen wir uns praktisch immer mit Grab liefern und meistens gibt es Indisch – irgendwie werden wir mit dem vietnamesischen Essen nicht so warm.

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