· 

My Tho

Comet ag zum Dritten

Als Logistikdienstleister in einer grossen Firma lernte Beni natürlich viele Menschen aus allen Bereichen kennen. Nach Lorenz in Bolivien und Jonas in Kuba treffen wir uns heute mit San, dem dritten Cometler. Der Zufall wollte es das wir, ohne es zu wissen, unsere Zelte in Ben Tre nur ein paar Kilometer entfernt von San und seiner Frau aufgeschlagen haben.

 

Also eigentlich sind wir ja nicht in Ben Tre und nicht einmal in My Tho sondern in einem kleinen Dorf namens Quoc Phuong, das aber noch etwas näher an My Tho anstatt Ben Tre liegt – Booking nimmt es jeweils nicht so genau mit der Ortsangabe… Übrigens die beiden Kinder unserer Gastgeber heissen Quoc und Phuong… Aber nun wieder zum Thema.

 

San kommt jedes Jahr über die Tet Feiertage für ein paar Wochen nach Vietnam um die Familie und Freunde zu besuchen. Nachdem wir gestern kurz telefoniert und die plötzliche Nähe festgestellt haben, stehen San, seine Frau und drei Kollegen kurz vor Mittag bei unserer Unterkunft im Garten. Wir haben den Besuch bei unserem Gastgeber spontan angekündigt sind jedoch wie er überrascht wie viele Leute da eintrudeln. Wir begrüssen einander und machen uns bekannt.

 

Ob sie etwas trinken wollen? Sie hätten gerade etwas gehabt und gehen jetzt noch auf ein Fest, meint San. Lam lädt uns spontan zu der Feier ein, welche bei der Familie seiner Frau ganz in der Nähe stattfindet. Da wir gelesen haben, dass in Vietnam oft Einladungen aus Höflichkeit ausgesprochen werden, man diese aber erst einmal ablehnen und erst bei einer Wiederholung annehmen soll, sind wir etwas unsicher. Als San, dann aber auch meint, wir sollen mitkommen, sind wir Feuer und Flamme und sagen zu. Wir mieten uns spontan einen Roller und fahren unseren vietnamesischen Freunden, die im Auto sitzen, hinterher. Nur etwa 5 Kilometer weiter sind wir bereits am Ziel – zum Glück haben wir den Roller genommen und nicht wie zuerst geplant das Fahrrad – uff!

 

Auf dem Hof irgendwo im ruhigen und schönen Nirgendwo (wir haben keine Ahnung wie der Ort heisst) lernen wir dann die gesamte Familie kennen, darunter die Eltern und einige Geschwister. Allesamt sehr gastfreundliche und liebenswerte Menschen, wir fühlen uns sofort herzlich Willkommen und geniessen es hier zu sein. Alle haben auf uns gewartet und der Tisch ist schnell gedeckt mit allerlei lokalen Leckereien.

 

Während wir uns über Stunden die Bäuche mit feinem Essen vollschlagen (der Tisch wird 3x mit neuen Köstlichkeiten neu gedeckt), trinken wir durcheinander Bier, Whisky und selbstgebrannten Reisschnaps. Dabei wird immer wieder miteinander mit einem lauten «Yo» angestossen. Die Schnapsgläser werden immer nur zur Hälfte getrunken und einem anderen weitergereicht, quasi als Einladung zum gemeinsamen trinken. Es macht wahnsinnig Spass mit den Menschen hier und es wird getrunken, gespeist und gelacht was das Zeug hält. Mit San und seiner Frau sprechen wir Deutsch und mit Lam Englisch. Dazwischen wird immer mal wieder übersetzt damit alle die Gespräche verstehen.

 

Wie überall in Vietnam wird auch hier noch gesungen. Lam packt die Gitarre aus und dann geht’s los. Obwohl die Lieder für uns nach wie vor fremd klingen ist es schön und melodisch was uns zur Überzeugung führt, dass die wilden Strassenkaraoke Sänger, welche wir bisher anhören mussten, schlichtweg kein Talent hatten.

 

Wir wollen nach Hause bevor es dunkel wird und verabschieden uns langsam, dabei erhalten wir auch gleich die nächste Einladung. Der Kollege, welcher auch ein Fest gibt, will uns ebenfalls gerne dabei haben und lädt uns deshalb ein Morgen in seinem Geschäft in My Tho mit zu feiern. Wir nehmen dankend an, lassen ihn wissen das er auch in der Schweiz bei uns jederzeit willkommen ist, sollten wir wieder einmal dort sein. Kurz nach 5 Uhr machen wir uns also auf den Rückweg damit wir über die vielen kleinen Nebenstrasse und Feldwege den Weg noch finden.

 

Zu Gast bei Freunden

Nach dem gestrigen Fest geht es heute wieder nahtlos weiter. Vereinbarter Treffpunkt ist 11 Uhr unter der riesigen Brücke, welche über den Mekong führt. Wir haben uns zeitlich total verschätzt und sind fast eine halbe Stunde zu spät. Der Verkehr ist der Horror, hunderte Roller und Autos drängen sich mit uns in Richtung My Tho und Ho Chi Minh. Es ist Sonntag und alle fahren zurück in die Stadt um morgen zu arbeiten. San findet uns schliesslich doch noch irgendwo und wir folgen ihm durch die Stadt zu seinem aktuellen zu Hause und wenig später zum Geschäft von Pho, der uns gestern zu sich eingeladen hat. Hier geht das fröhliche Beisammensein von gestern gleich weiter. Wir futtern und trinken uns wieder quer durch alle möglichen Köstlichkeiten. Auf dem Tisch findet man alles was Huhn und Fisch so hergibt. Spezielle Leckerbissen sind der getrocknete Oktopuss und der Fleischkäse oder so was ähnliches, dass alles getunkt in diversen leckeren Sossen – mjam! Mit steigendem Alkohol Pegel wird umso mehr gelacht und wir lernen eine neue Variante des uns bekannten Flaschendrehens kennen.

Statt einer Flasche nimmt man hier den gekochten Schädel des Huhns, welcher in der Schüssel mit dem Hühnerfleisch liegt und legt diesen auf einen Teller. Darüber kommt ein Schüssel, sozusagen als Deckel und dann wird das ganze kräftig geschüttelt und auf den Tisch gestellt. Der Teller darf nun von jedem am Tisch der möchte gedreht werden. Wenn alle einverstanden sind wird der Deckel abgehoben. Der Schnabel des Hühnerschädels gibt mit seiner Zeige Richtung vor wer als nächstes eine Runde Schnaps trinken muss. Beni hat richtig Pech und muss innert Kürze gleich 4 mal trinken. Unter lautem Gelächter und Gejohle spielen wir ein paar Runden bevor wir kurz aufräumen um ein Haus weiter zu ziehen.

 

Nur ein paar hundert Meter weiter betreten wir eine Karaoke Bar. Pho mietet gleich einen eigenen Raum für uns und das Bier fliesst weiter in Strömen. Auch Essen wird gleich wieder aufgetischt. Wahnsinn was die zierlichen Vietnamesen alles futtern können.

 

Abwechselnd werden Vietnamesische und von uns Englische Lieder geträllert, es macht einen riesen Spass. Wie schon gestern stellen wir auch heute fest, dass unsere neuen Freunde ein Talent für Karaoke haben und die Vietnamesischen Lieder eigentlich ganz schön sind. Die bisherigen Karaoke Sänger hatten also tatsächlich wenig bis gar kein Talent.

 

Wir sind auch nicht übel. Während wir bei Wannabe von den Spice Girls so richtig abrocken, haben wir leider mit Pretty Women ziemlich versagt, dafür sind wir richtige kleine Beatles und singen ein Liedchen von Gestern.

 

Doch auch die schönste Party geht einmal zu Ende, vorher gehen wir aber noch eine Runde Kaffee trinken bei Lam zu Hause. Während wir alle unseren Eiskaffee schlürfen, läuft draussen eine Strassenverkäuferin durch. Die Frauen stürmen auf die Strasse und kaufen gleich Dessert für alle. Es gibt süsse rote Bohnen und eine Art Milchreise mit Zimt. Sehr spontan und richtig lecker. Dann heisst es auch schon Abschied nehmen. Wir hatten zwei Tage lang mächtig Spass mit San und all seinen Freunden, vielen Dank dafür.

 

Ach übrigens der bunte Hund: das arme Tier ist teilweise rasiert und die längeren Stellen sind am Hintern hellblau und um den Hals rosa eingefärbt. Es sieht köstlich aus. Ober er sich wohl schämt oder es cool findet?

 

Die Tribute vom Tet Fest

Die Feste fordern von unseren Körpern ihren Tribut. Oder vielleicht war es auch die etwas kühle abendliche Heimfahrt, die Klimaanlage oder alles zusammen. Am Tag nach dem zweiten Fest kriegen wir Halsschmerzen und laufende Nasen, eine kleine Grippe ist im Anmarsch. Etwas mühsam, darum planen wir nur ein wenig an den nächsten Tagen herum, für mehr fehlt uns dann doch die Energie.

 

Wir haben für zwei Nächte verlängert, also haben wir noch volle drei Tage hier in dem gemütlichen Garten zum auskurieren. Für diese beiden Nächte müssen wir in ein kleines Bungalow am Fluss umziehen. Der Komfort hat durch das Fehlen einer Klimaanlage und der Grösse des Zimmers klar eingebüsst, dafür sind die Faktoren Abenteuer und Charme in der luftdurchlässigen, halboffenen Hütte viel höher. Wir haben Hühner auf dem Steg zu unserem Häuschen, ein Doppelköpfiges komisches Tierchen vor der Tür und als Joli eines Morgens das Bad betritt und (ohne Linsen und Brille) das grosse Blatt wegwischen will, dass kurz vorher durch das Fenster reingefallen ist, erschrecken sie und die riesen Eidechse gleichermassen und beginnen ein Wettrennen in die jeweils entgegen gesetzte Richtung des ach so kleinen Badezimmers. Das Doppelbett ist definitiv auch viel zu klein für zwei Kranke wie uns also schlingen wir um jedes der beiden Betten unser Moskitonetz und voilà das Lazarett ist fertig.

 

Auch der Sitzplatz direkt am Fluss ist sehr gemütlich und bequem. Wenigstens fühlen wir uns wohl während wir uns auskurieren. Bei sommerlichen 30 Grad trinken wir einen heissen Ingwer Tee nach dem anderen um schnellstmöglich wieder zu Kräften zu kommen und entdecken danach zur Abwechslung auch noch das heisse Zitronenwasser als Neocitran Ersatz, lecker. Zum Glück ist auch das Essen hier so gut, dass wir die Unterkunft gar nicht mehr verlassen müssen.

 

Wir verbringen die Tage mit Rumsitzen, Planen, an der Homepage Arbeiten und Lesen. Dazu trinken wir Zitronenwasser und Essen so 2-3x täglich etwas leckeres. Ein richtig stressfreies Erholen vom Krank sein, nicht wie zu Hause wo man sich täglich abmelden muss und obendrein immer noch ein schlechtes Gewissen hat, weil man krank ist.

 

Wir haben auch genügend Zeit zu beobachten wir der Fluss mal extrem hoch und dann wieder extrem tief ist, was ja noch nachvollziehbar ist, da es Ebbe und Flut auch bei Flüssen gibt und es vor allem so nah bei Meeresmündungen gut zu beobachten ist. Das der Fluss aber die Fliessrichtung jedes Mal ändern muss und ständig dieselben Pflanzeninseln wieder vorbei schwimmen, finden wir dann aber doch etwas übertrieben.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0