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Can Tho

85 Kilometer in 3 stunden

Für die Weiterreise nach Can Tho haben wir Lam’s Taxi Service gebucht, da wir immer noch nicht so fit sind und keine Lust auf den Bus haben. Die Distanz von 85 Kilometern ist für uns eigentlich ein Katzensprung, dennoch dauert die Anfahrt, über die mit Rollern überfüllten Strassen und mit zwei Fähren, geschlagene 3 Stunden. Immerhin kommen wir in den Genuss eines wunderschönen Sonnenuntergangs. Auch klar ist, dass wir hier sicher niemals ein Auto mieten werden. Rollerfahren ist schon kritisch aber bei so vielen Rücksichtslosen Rollern mit einem Auto hindurchpflügen?! Nein danke.

 

Es ist bereits dunkel als wir in unserer Unterkunft ankommen, in welcher wir aber gar nicht erwartet werden. Es kommt uns zwar nach einem Telefon jemand am Strassenrand abholen, damit wir unser Gepäck auf den Roller laden können, da man mit dem Auto nicht bis ganz nach hinten kommt, aber der Herr ist ganz offensichtlich verwirrt über unser Eintreffen.

 

Es stellt sich heraus das wir beim Umbuchen vor ein paar Tagen im Monat März und nicht im Februar gebucht haben. Wieder ein Beweis, dass man krank nicht arbeiten sollte, nicht einmal Zimmer buchen scheint einfach zu sein. Da es aber genügend Platz hat, kriegen wir trotzdem unser Bungalow am Fluss. Ziemlich kaputt gehen wir spät abends ins Bett, das Moskitonetz ganz gut ums Bett gespannt.

 

Die Reklamation

Doch die Nacht ist auch hier, irgendwo im Nirgendwo, sehr laut und über weite Strecken schlaflos. Dieser ständige Lärm, tagsüber und vor allem nachts, geht uns langsam richtig auf die Nerven. Unser Zimmer liegt direkt neben dem Restaurant, der Rezeption und dem Rollerparkplatz. Die Mitarbeiter kennen den Begriff «Rücksichtnahme» wohl nicht und quatschen auch mitten in der Nacht in einer mega Lautstärke vor unserer Tür und machen bereits früh am Morgen einen riesen Lärm mit den Rollern inkl. Geschrei.

 

Wir reklamieren und gemeinsam mit dem Personal finden wir eine Lösung und erhalten ein brandneues, grösseres Bungalow ohne Aufpreis, im Garten im hinteren Bereich der Anlage. Zwar ohne Flusssicht dafür hoffentlich etwas ruhiger. Das Frühstück ist verglichen mit der letzten Unterkunft etwas lieblos und das Abendessen ist etwas zu teuer aber geschmacklich gerade so in Ordnung. Es ist nicht annähernd so ausgezeichnet wie viele der Bewertungen auf Booking das wiedergeben. Generell sind die Booking Bewertungen in Asien mit Vorsicht zu geniessen. Da werden Unterkünfte hochgejubelt, welche bei uns knapp in die Kategorie "nett aber wir würden nicht wiederkommen" fallen.

 

Das neue Bungalow bietet etwas mehr Komfort und die Nacht war um einiges ruhiger und besser als die erste. Um 7 Uhr ist dann allerdings auch hier fertig mit Schlafen. Während die Bauarbeiten gestern ganz hinten in der Anlage stattgefunden haben, scheint heute das Bungalow direkt neben uns dran zu sein. Mit einer wahnsinnig lauten Wasserpumpe wird erst einmal Wasser aus dem Teich gepumpt um den Garten zu wässern – morgens um 7?!?! Dann können wir jetzt ja auch aufstehen.

 

Danach wird das Bungalow fertig gestellt. Den ganzen Tag schreien sich die Mitarbeiter auf eine Distanz von 2 Metern irgendwas zu und schauen sich während der Arbeit in einer unmöglichen Lautstärke Videos an. Die Getränkebüchsen wandern nicht etwa in den Abfall, nein die werfen sie einfach unter das neue Bungalow. Vom Regen in die Traufe, es ist zum Mäuse melken. Noch zwei Nächte und wir fliegen nach Phu Quoc, da wird es dann hoffentlich etwas ruhiger.

 

Sunset Tour

Heute Abend machen wir die von der Unterkunft angebotene Sunset Tour. Etwa zwei Stunden vor dem Sonnenuntergang steigen wir direkt bei unserer Unterkunft ins Boot. Sehr gemächlich tuckern wir durch verschiedene Nebenarme des Mekong Fluss. Dabei können wir das einfache Leben der Einheimischen beobachten. Die Menschen leben hier in sehr einfachen Hütten direkt am Fluss. Wir sehen Frauen ihre Wäsche im Fluss waschen, Männer welche sich darin Baden und viele Kinder die nur zum Spass im Wasser planschen.

 

Der Mekong ist leider ein ziemlich hässlicher, vermüllter Fluss, in welchem sich unsereins nur ungern baden möchte. Die Menschen hier scheint dies nicht zu kümmern, viele, vor allem die Kinder, rufen unserem Boot "Hello" zu und winken was das Zeug hält. Und die Freude ist jedes Mal gross wenn wir auch zurück winken. 

 

Nach einer Weile legen wir einen Stopp ein. Ein kurzer Landspaziergang führt uns durch einen riesigen Garten und über unzählige kleine Wassergräben. Zum Glück haben wir nicht nur die Flipflops angezogen. Hier sehen wir die grössten Jack Früchte die wir je gesehen haben, kosten leckere Orangen und nach einem Angriff von Riesenameisen flüchten wir aus dem Garten. Von der Besitzerfamilie gibt es zum Abschied noch eine leckere Kokosnuss zum Trinken.

 

Der Sonnenuntergang soll wunderschön sein, haut aber keinen von uns so richtig aus den Sandalen. Die Tour war trotzdem cool und hat Spass gemacht, auch wenn die Kommunikation auch hier total gefehlt hat und es sehr unorganisiert auf uns wirkt. Für den Preis von 5.- pro Person völlig ok.

 

Schwimmender Markt

Es ist nur schwer vorstellbar, doch in Vietnam scheint noch der am einfachsten und abgelegensten wohnender Vietnamese mindestens eine riesige Musikbox und ein Karaoke Mikrofon zu besitzen. Doch die Nacht ist bis auf die zwei Karaoke Helden in der Nachbarschaft verhältnismässig ruhig. Aber es ist schon schade, wenn man eine Unterkunft auf dem Land bucht um den Stimmen der Natur lauschen zu können, nur um danach mit Oropax in den Ohren diese Geräusche auszublenden und trotzdem immer noch den Bass der Musikobox zu hören oder?!

 

Unsere Grippe hat nach fast einer Woche zum Glück endlich spürbar nachgelassen und deshalb packen wir nach der Sunset Tour heute Morgen noch die Floating Market Tour obendrauf. Es ist halb 5 in der Früh und wir steigen noch im Dunkeln in unser Boot. Die Bootanlege Stelle ist übrigens ebenfalls direkt neben den Zimmern wo wir die erste Nacht verbracht haben und obwohl noch mitten in der Nacht ist, schreit der Kapitän in einer Lautstärke in sein Telefon, dass bestimmt jeder der nicht sowieso auf die Tour mitkommt wach ist. Ganz kundenorientierte Mitarbeiter hier, nett.

 

Der Mitarbeiter, welcher als Guide mitkommt, ist etwas irritiert über die Anzahl Personen, welche darauf warten dass die Tour startet und fragt in vollem ernst ob wir den wirklich alle mit auf die Tour kommen? Nein, wir stehen einfach zum Spass morgens um halb 5 hier herum…

 

Los geht es dann endlich an den schwimmenden Markt. Nach einer halben Stunde herum Tuckern in der Dämmerung erreichen wir Can Tho und damit auch den berühmten schwimmenden Markt.

 

Plötzlich sind wir eines von unzähligen Touristenbooten, welche sich neben ein paar Händlerbooten auf dem Fluss tummeln. Durch die vielen orangen Schwimmwesten die die Touristen auf den Booten tragen, sieht man die Händlerboote kaum mehr. Der Fluss ist sehr breit aber trotzdem wird es sehr eng mit all den vielen grossen Touristenbooten, welche sich teilweise zu fünft um eine kleine Nussschale drängen.

 

Wir sehen Boote voll beladen mit Melonen, Ananas und anderen Früchten und Gemüsen. Ein Highlight ist aber der Mann mit dem Getränke Boot, welcher umher tuckert und Kaffee, Tee und allerlei Getränke anbietet. Auf einem schwimmenden Restaurant erhalten wir danach unser Frühstück in Form einer Nudelsuppe. 

 

Jetzt legen wir bei einem Ananas Boot an. Hier erhalten wir ein grosses Stück frische Ananas, während wir dem Handel auf dem Fluss zuschauen. Als letzten Stopp schauen wir uns noch den Markt in der Stadt direkt am Fluss an. Hier wird dann alles was nicht schon auf dem Wasser verkauft wird angeboten, von Enten, Fisch und Fleisch bis hin zu lebenden Fröschen, Gemüse, Früchten, Kleidern und etliche Souvenirs. Ein riesen Gewusel aber wir mögen solche Märkte, denn es gibt immer etwas zu sehen.

 

Auf der Rückfahrt ist das Wasser schon merklich zurück gegangen und legt grosse, schlammige Flächen frei, welche von Müll geradezu überschwemmt sind. Die Leute werfen hier einfach alles in den Fluss. Schuhe, Kleider, ganze Kerichtsäcke und auch kaputte Boote lassen sie einfach auf dem Wasser verrotten. Es ist eine Schande.

 

Kurz vor 10 Uhr sind wir zurück in unserem Homestay und haben Hunger. Zur Verwunderung des Personals, bestellen wir gleich das Frühstück welches im Zimmerpreis inbegriffen ist. Unserer Idee schliessen sich gleich einige weitere Gäste an, welche mit uns auf der Tour waren. Nun bricht mal kurz das totale Chaos aus. Einerseits ist doch das Frühstück in der Tour inbegriffen und jetzt kommen diese Touris und bestellen das Frühstück, dass im Zimmer inbegriffen ist auch noch? Und das obwohl der Koch heute frei hat? Nach über einer Stunde haben wir dann beide unser Brötchen und das Spiegelei erhalten. Joli hatte es nach 5 Minuten, Beni nach 50 Minuten, dafür alle die nach uns bestellt haben bekamen es vor ihm und teilweise sogar doppelt. Unglaublich. Als wir statt dem Eiskaffee dann auch noch heissen erhalten, bestellen wir kurzerhand Eis nach um das Ganze selber zu mischen. Als sich der Mitarbeiter entschuldigt und meint der Koch habe heute eben frei, wird er ganz blass als Joli ihn unschuldig fragt wie sie denn gedenken, das Abendessen zu servieren…

 

Denn Rest des Tages chillen wir noch etwas und arbeiten an der Homepage und unseren Fotos weiter. Gegen 5 wollen wir zu Abendessen, aber der Koch ist noch nicht da. Wir sind aber nicht wählerisch und bestellen statt einem Menu (es hat eh nur Hühnchen, Rind oder Fisch zur Auswahl) ein paar Instantnudeln mit Spiegelei, dass dann sogar die Dame der Rezeption hinkriegt. Den Eiskaffee vergisst sie und als sie wieder daran denkt, fällt ihr ein, dass sie sowieso kein Eis mehr haben. Dann nehmen wir eine Cola Light. Sie dreht sich um und vergisst die Bestellung in der selben Sekunde, die Cola kam nie an. Wahnsinn was diese Mitarbeiter hier für Spatzenhirne haben…

 

Die Rechnung

Was für ein Homestay, so ein unorganisiertes Chaos wie hier haben wir schlicht noch nie erlebt. Das Personal besteht durch und durch aus liebenswerten Dumpfbacken, welche nicht das Einfachste auf die Reihe bringen. Sie sind zwar freundlich, haben aber eine Aufmerksamkeitspanne wie ein Zwieback oder vielleicht doch eher ein Kurzzeitgedächtnis wie ein Hanfbauer der seine Ernte selbst vernichtet.

 

Dazu sind weder die Kompetenzen noch die Verantwortlichkeiten untereinander geregelt was den lieben Leutchen immer wieder zum Verhängnis wird, aber immerhin können sie so einander die Fehler zuschieben. Heisser statt kalter Kaffee, Pancake statt Spiegelei, kein Eis oder Brot mehr und wenn hat dann aber der Koch frei um nur einige Beispiele zu nennen. Der Knaller ist aber dann die Rechnung am Schluss, welche Benjoli dann kurzerhand selber in die Hand nehmen. Nachdem wir eine Rechnung präsentiert bekommen haben, waren wir so freundlich und haben die etlichen fehlenden Getränke wie Kaffee, Wasser und Bier natürlich nachgetragen und doppelt verrechnete Essen wieder gestrichen. Auch den doppelten Tag haben wir gestrichen, denn die Touren waren irgendwie auch zwei Mal drauf, weil die Mitarbeiter das Datum mit den Touren einmal oben und einmal weiter unten auf der Rechnung aufgeführt haben. Wir bezahlen gerne was wir konsumieren, streichen jedoch alles was zwar einmal bestellt aber dann doch nicht geliefert wurde. Nach unserer Überarbeitung wird die Rechnung von beiden Seiten diskussionslos akzeptiert, auch wenn der Mitarbeiter meint, der Tee sei günstiger als der Kaffee er mache das Strichlein aber trotzdem beim Kaffee da es keinen Platz mehr habe auf dem Blatt. Leider verrechnet er keine 10 Sekunden später dann auch den Kaffee statt den Tee, weil er es schon wieder vergessen hat. Bei der Bezahlung helfen wir dann gleich noch beim Bedienen des Kartenlesegeräts mit weil die Allgemeine Verunsicherung sehr gross ist.

Auf dem Weg zum Flughafen bietet sich uns ein lustiges Bild der hiesigen Polizei. Da sitzen doch tatsächlich zwei Polizisten auf ihren Mini Plastikstühlen am Strassenrand direkt hintereinander. Während der vordere ein übergrosses Hand Radar Gerät in der Hand hält, blickt ihm der hintere interessiert über die Schulter. Da muss sogar unser Taxifahrer laut lachen und schüttelt seinen Kopf ab den beiden. Leider haben wir davon kein Foto für euch.

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