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Phu Quoc I

Himmel oder Hölle?

Heute fliegen wir für 8 Nächte auf die Ferien Insel Phu Quoc in Vietnam. Die Insel gilt als das Ferienparadies, welches leider gerade einen riesigen Aufschwung und Bauboom durchmacht. Wir wollen uns das selber anschauen und sind gespannt. Der Flug aus Can Tho dauert nur etwa 40 Minuten fällt aber in die Kategorie ziemlich windig, Beni hat es nicht so gefallen. Überraschend sind dann die doch spürbar höheren Temperaturen als noch im Mekong Delta.

Im Himmel - Pomelo Garden

Wir haben sehr lange viele der uns erschwinglichen Unterkünfte auf der Insel verglichen und uns für das Pomelo Garden Resort entschieden. Es liegt 2 Kilometer vom Strand entfernt, etwas abseits in der Natur und wir erhoffen uns hier ruhige Nächte und Erholung.

 

Pünktlich werden wir am Flughafen abgeholt und nach 20 Minuten im Resort abgeladen. 
Der erste Eindruck ist super, ein grosses Restaurant mit Reception, in der Nähe der wunderbare Pool und nicht ein einziger Tourist zu sehen. Die Anlage ist so gut wie neu und super schön gepflegt. Überall blühende Blumen, alles ist sauber und wir werden gleich mit einem Kokosnusswasser und einem Frischmachtüchlein begrüsst.

 

Das Bungalow gefällt uns auch sehr gut, insbesondere das Outdoor Badezimmer – zum Glück haben wir im letzten Moment noch das teurere gebucht, an das Outdoor Badezimmer hatten wir schon gar nicht mehr gedacht und finden es geil. Zähne putzen, Duschen, ja sogar "Kacka" machen unter freiem Himmel, das ist schon cool.

 

Es ist heiss und der Pool schreit regelrecht nach uns. Rein in die Badehose und ab ins kühle Nass. Wir liegen noch keine 5 Minuten auf den Sonnenliegen, da wird uns aus dem Restaurant schon ein Stück Kokos, Bananen, Erdnuss Glace spendiert. Wow, wir sind im Paradies. Was für ein Kontrast zur letzten Unterkunft und der Preis ist nicht einmal doppelt so hoch hier.

 

Auch das Restaurant will getestet werden und wird für gut empfunden. Die Pizza und das Knoblauch-Butter Hühnchen sind zwar etwas klein geraten, schmecken jedoch gut.

 

Beim Duschen werden wir gleich von der Natur willkommen geheissen. In der Abenddämmerung entdeckt Joli beim Duschen wie etwas über das tiefe Terrassendach huscht. Es hat Joli wohl auch aus dem Augenwinkel entdeckt und kommt zurück. Eine Maus, welche neugierig vom Dach auf uns herab schaut. Gleich zweimal beobachtet sie Joli etwas ungläubig für mehrere Sekunden bevor sie wieder verschwindet – muss ein Männchen sein, denn bei Beni kommt sie nicht vorbei.

 

Während Beni sich duscht begrüsst uns dann dafür eine riesen Hornisse (wohl weiblich). Wirklich ein krasser Brummer, bei welchem uns ein wenig Angst und Bange wird, vor allem weil das liebe Tierchen immer wieder im Sturzflug auf Beni losgeht, welcher wie ein Torero das weisse Handtuch schwingt. Nass und nackt tanzt Beni in der Outdoordusche umher und weicht den Attacken aus, bis uns die Flucht in unser Bungalow gelingt ohne gestochen zu werden. Phu, das war knapp.

 

Während wir uns auf dem Laptop noch einen Film anschauen, hören wir nur leise und weit entfernt - na was wohl? Richtig! - Karaoke! Doch es dauert nicht lange und da ist der Spuk wieder vorbei und in der Nacht herrscht bis auf die willkommenen Tiergeräusche absolute Ruhe.

 

Ong Lang BEach

An unserem ersten Ferientag haben wir einen Arbeitstag wie er uns gefällt. Aufstehen um 7:30, anschliessend Frühstück und um 9 Uhr fängt unser Arbeitstag an. Wir recherchieren unser Thailand Abenteuer zu Ende, sortieren Bilder und arbeiten an unseren Beiträgen für benjoli.ch weiter.

 

Um 13 Uhr haben wir für heute dann auch schon genug geleistet. Rein in die Badehosen und rauf auf den Drahtesel, wir wollen ans Meer. Nach 15 Minuten erreichen wir den Strand. Was wir sehen gefällt uns ziemlich gut. Es gibt ein, zwei kleine Resorts mit Strandbars direkt Meer. Ausser uns sind einige andere Touristen hier, es ist aber keineswegs überlaufen oder voll.

 

Der Strand ist schön, kein übermässiger Müll und ein paar Palmen am Strand und Felsen im Meer gibt es auch. Wir spazieren etwas am Ufer entlang und gönnen uns in einem Strandrestaurant eine Runde lecker Bierchen. Auf das Planschen im Meer verzichten wir jedoch noch, wir wollen später lieber noch einmal in den Pool in unserem «Resort». Hier hat übrigens alles was mehr als zwei, drei Zimmerchen und einen Pool hat den Namen Resort – stellt euch also nicht was weiss ich darunter vor.

 

Der Rückweg führt uns dieses Mal an einem kleinen Dorf vorbei mit vielen Touristen, einigen Resorts und Hotels, Restaurants und kleinen Einkaufsläden, in welchen man das nötigste findet. Unter anderem kaufen wir eine Flasche lokalen Wein aus dem vietnamesischen Bergdorf Dalat und zwei Packungen Chips - das Nötigste eben. Wir sind froh ist unser Resort mit zwei Kilometern etwas abgelegener und somit viel ruhiger. Wieder zu Hause hüpfen wir noch in den Pool, schlagen uns den Volleyball etwas um die Ohren, bestellen danach ein leckeres Essen und lassen den Tag bei einem Film ausklingen. Wunderbar, so soll es sein. 

 

Ab in den Süden

Nach unserem gestrigen Arbeitstag gönnen wir uns heute einen kompletten Ferientag. Da stehen wir natürlich gleich mal früher auf um den Tag auch voll auszukosten. Nach dem Frühstück mieten wir uns einen Roller. Wir fragen nach ob sie für die Miete unseren Führerausweis sehen wollen, worauf der nette Mann an der Rezeption meint: «Normally not, but drive slowly.»  Ah ja, da hat man sich wieder einmal hervorragend verstanden. Wir haben ihn trotzdem dabei und ab geht es in den Süden der Insel.

 

Sun World Hon Thom Nature Park

Unser Ziel ist die Seilbahn am südlichen Ende der Insel, welche Phu Quoc mit der Insel Hon Thom verbindet. Die Bahn fährt erst seit einem Jahr und gehört zum Sun World Park auf Hon Thom, welcher sich noch mitten in der Bauphase befindet. Die Fahrt kostet uns 18 Franken und dauert über 15 Minuten. Die 7899,9 Meter lange Strecke und der Panorama Blick aus den 30 Personen Gondeln ist spektakulär.

 

Man schwebt via 6 bis zu 164 Meter hohen Seilbahnstützen über dem blau und türkis schimmernden Meer hinweg. Dabei «überfliegt» man auch mehrere kleinere Inseln bevor man Han Thom erreicht. Die Aussicht ist der absolute Wahnsinn und man ist so hoch oben, dass man fast das Gefühl hat man mache einen kleinen Rundflug über die Gegend.

 

Der Sun World Park wird erst noch gebaut, ein gratis Elektro Shuttle bringt aber die Besucher in 5 Minuten an den Strand. Wir befinden uns hier an einem ziemlich hübschen von Palmen gesäumten Sandstrand. Aber der kleine Strandabschnitt ist komplett überfüllt mit Spass Touristen und ja wir befinden uns hier wieder mal in einem Mini Disneyland. Jet Ski, Wasserhüpfburgen, Restaurants, Liegestühle und viele Menschen die sich vergnügen. Nicht ganz so unser Ding also spazieren wir dem Wasser entlang nach Links bis wir die letzten Liegestühlen hinter uns gelassen haben.

 

Keine 10 Meter nach diesen Liegestühlen sieht man dann das wahre Gesicht des Sun World Park. Der komplette Strandabschnitt ist vermüllt, wir sind entsetzt. Da baut diese Firma eine millionenteure und geile Seilbahn inklusive Vergnügungspark auf einer wunderschönen Insel und schert sich einen Dreck um die Natur. 

 

Das Projekt an sich ist ja vielleicht schon zweifelhaft, wenn man dann aber sieht das man sich nicht mal die Mühe macht den Dreck, welcher sich ansammelt zu beseitigen haben diese Firma und insbesondere die vietnamesische Regierung und deren Naturschutz komplett versagt. Nach einer halben Stunde haben wir genug gesehen und treten schon wieder die Rückfahrt an. Die Fahrt mit der Seilbahn ist schon ziemlich cool, aber zu sehen wie die Natur wieder einmal zur Bespassung der Spezies Mensch mit Füssen getreten wird leider überhaupt nicht.

Sao Beach

Nach einem kurzen Abstecher in ein kleines Fischerdorf, schauen wir uns den Sao Beach an. Wir biegen auf einen kleinen Parkplatz ein, welcher zu einem Restaurant gehört. Wir dürfen gratis Parkieren solange wir für 5 Franken im Restaurant etwas konsumieren. Nun sind wir schon mal da und Durst haben wir auch, also einverstanden.

 

Auch dieser Strand macht auf den ersten Blick ganz schön was her. Und wir lesen ja immer wieder von «weissen Sandstränden» und müssen meistens feststellen, dass die Menschen wohl in der Regel Farbenblind sind, die das Schreiben. Hier einmal nicht. Der Sand ist wirklich fast weiss. Aber auch hier spielt sich die selbe Scheisse (sorry für die Wortwahl) nochmal ab.

 

Kaum haben wir die letzten Liegen mit all den braunen, eingeölten Touristen hinter uns gelassen, bietet sich uns ein Bild des Grauens. Es ist noch viel schlimmer als auf der Hon Thom Insel, der Strand ist voller Müll. Die Menschen haben aber ihre Badetücher teilweise knallhart zwischen oder auf dem Müll ausgebreitet.

 

Wir kennen solche Bilder nur aus dem TV und nun sehen wir mit eigenen Augen was der Mensch getan hat, tut und wahrscheinlich noch lange tun wird: er zerstört unaufhaltsam diese Welt.

 

Es ist uns ein Rätsel wie man ein paar Meter neben dieser Schande gemütlich am Strand liegen und sich erholen kann. Wir können es jedenfalls nicht, wir sind angewidert und verlassen nach einem kurzen Getränk den Strand wieder.

 

Suoi Tranh Wasserfall

Nächster Halt ein Wasserfall. Wir suchen ihn zwar, finden ihn dann aber zufällig. Ein schönes grossen Eingangstor erregt unsere Aufmerksamkeit und nach einer kurzen Nachfrage stellen wir fest, dass ist der Ort den wir suchen. Es ist ein Park mit vielen Blumen und ein paar Häusern, dazu Plastiktiere in Originalgrösse, welche überall verteilt sind. Wir haben keine Ahnung was das Ganze genau sein soll oder darstellen möchte, aber Übel sieht es nicht aus.

 

Wir spazieren den 20 Minütigen Weg durch den Wald vorbei an den Plastikbären, -affen, -pumas usw. bis wir das Tosen des Wassers hören und schliesslich den spektakulären Wasserfall sehen - Achtung Ironie, die Bilder sprechen für sich.

 

Auf dem Rückweg müssen wir uns schon wieder ärgern. Ein Tourist der vor uns herläuft, reisst doch tatsächlich eine der schönen Blumen aus, guckt sie an, riecht daran und wirft sie dann auf den Boden – da fehlen uns einfach die Worte. 

 

Im Hauptdorf der Insel gehen wir dann noch Einkaufen. Brot bei einem deutschen Bäcker und Camembert, Bier und Cider im Supermarkt neben an. Ein leckeres Abendessen schliesst den schönen und gleichzeitig schockierenden Tagesausflug ab und wir düsen nach Hause bevor es dunkel wird.

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