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Chiang Mai I

Heute fahren wir in über drei Stunden in das 200 Kilometer entfernte Chiang Mai, unserem eigentlichen Ziel. Da es aber schon einen Flug nach Chiang Rai gab dachten wir, wir sparen uns den Tagesausflug mit 6 Stunden Fahrt dorthin und zurück und nehmen einfach von Chiang Rai nach Chiang Mai ein Taxi. Clever nicht?

 

Es ist zwar ziemlich eng im Auto, vor allem hinten auf den billigen Plätzen, aber langweilig wird einem auf den Strassen in Asien nie. Es gibt immer viele kuriose Dinge zu sehen und auch ab unserem Fahrer haben wir uns köstlich amüsiert. Er ist während der Baustelle von über 20 Kilometern nur 20km/h gefahren, weil es ein paar kleine Kiesel auf der Strasse hatte – sein Auto ist neu und er will keinen Kratzer. Zum Glück lebt der ach so vorsichtige Mann in Thailand wo die Strassen generell gut sind und nicht etwa in Argentinien oder so – der käme nie vom Fleck.

 

Wat Saeng Kaeo Phothiyan

Zudem machen wir, auf anraten eines anderen Gastes im Hotel, noch einen Stopp beim Tempel Wat Saeng Kaeo Phothiyan der auf dem Weg liegt. Ein sehr spezieller Tempel mit einer Menge Figuren und wahnsinnig vielen Details. Vor allem die vier Wächter sind schon speziell. Sie sollen wohl gut und böse oder so darstellen, denn die beiden Herren in grau sind voll modernisiert und eher negativ dargestellt. Mit I-Pads hinten in der Hose, Alkohol und Tabak in der Hand, sowie Flipflops & Converse Schuhen an den Füssen. Uns gefällt der Tempel, zusammen mit den Exemplaren in Chiang Rai ist er definitiv um einiges interessanter als die meisten Kirchen, Tempel und sonstigen Anlagen, die doch immer irgendwie ähnlich aussehen. 

 

Ein Alter Freund

Die Anfahrt war mit fast vier Stunden sehr lang. Aber im Verlaufe des Nachmittags kommen wir doch noch an und werden mit einem leckeren Orangensaft freundlich empfangen. Das Zimmer ist wirklich kuhl. Es ist ein Familienzimmer, aber zwischen den beiden Betten kann man einen Vorhang ziehen und es hat zwei Badezimmer, zwei Eingänge und zwei Klimaanlagen – und auch die Hausregeln lassen sich sehen! Da fragt man sich schon, was die Leute hier schon alles erlebt haben mit ihren Gästen.

 

Wir ziehen auch gleich darauf los um noch etwas die Umgebung zu erkunden. Weit kommen wir aber nicht, denn es dauert schon eine geraume Weile bis wir es schaffen überhaupt die stark befahrene Strasse zu überqueren. Aber macht nichts wir haben sowieso noch etwas vor.

 

Nicolas Zybach, der kleine Bruder von Benis besten Freund während der Schulzeit, hat sich über eine SMS gemeldet, als er gesehen hat das wir in Thailand sind. Da er jährlich für ein paar Monate und jetzt auch gerade in Chiang Mai ist, werden wir uns heute gleich auf ein lecker Bierchen mit ihm und seiner Freundin treffen. Da sieht oder hört man sich über 10 Jahre nicht und trifft sich spontan in den Ferien.

 

Auf dem Rückweg zum Hotel fährt uns Nico gleich mit seiner Freundin auf dem Roller über den Weg. Es ist zwar noch eine Stunde bis wir uns treffen wollten, aber wo wir schon mal alle da sind, können wir auch jetzt essen gehen. Nico spricht ziemlich gut Thailändisch und zusammen mit seiner Freundin, die von hier kommt, organisiert er uns ein Sammeltaxi zum normalen (also Thai) Preis - so günstig sind wir noch nie gefahren.

 

Hot Pot

Die beiden führen uns in ein kleines Restaurant, welches Hot Pot anbietet. Es ist mit einem Fondue Chinoise vergleichbar und eigentlich mehr Chinesisch als Thai. Es gibt die beiden Versionen in der Suppe baden (Chinoise) oder auf den Tischgrill schmeissen. Wir probieren natürlich beides. Aus einer Liste wählt Nico für uns die Zutaten aus da wir selbst keine Ahnung haben. Neben Wonton, Crevetten, Meeresfrüchten, Hühnchen, Leber, Glasnudeln und verschiedenem Gemüse versuchen wir uns auch noch an der Qualle, welche eine interessante knackige Konsistenz aufweist. Dazu fliesst bei der Hitze natürlich auch ordentlich lecker Bierchen, damit keiner austrocknet.

 

Benjoli schmeckt das Essen ausgezeichnet, bei den etwas zarter besaiteten Pauschaltouristen aus der Schweiz, kommt nicht ganz so viel Begeisterung auf, obwohl Yvan auch kräftig zulangt – wer weiss wann es das nächste Mal etwas gibt. Joli und er sind sozusagen Leidensgenossen, denn Möni und Beni halten Essen nicht unbedingt für wichtig. Wir essen und plaudern fröhlich über alte Zeiten und Thailand, bis es langsam dunkel wird.

Ladyboy

Nico bietet sich uns als Tourguide an und wir schlendern zuerst gemeinsam etwas über den Nachtmarkt bis wir dann in der klassischen Touristenabzock-Party-Meile stehen, wie uns erklärt wird. Wir kommen vorbei an dubiosen Gestalten, Glückspielkellern und vielen jungen Thai Frauen, welche ihr Glück oder auch nur das Geld suchen. Hier setzen wir uns in eine dieser Bars und gönnen uns eine weitere Runde lecker Bierchen. Dabei werden wir von einem so genannten Ladyboy bedient. Das «hübsche» Mädel, ehemals Männlein, hat sich seinen Schniedelwutz, wie sie selbst so schön sagt, abschneiden lassen und den Hühnern verfüttert – na ob das stimmt wagen wir dann doch etwas zu bezweifeln. Die Ladyboys und Thailänder gehen überaus offen und relaxt mit dem Thema um und erzählen auch gerne ihre Geschichten darüber. Wir haben hier viel Spass und das Bier zeigt immer mehr Wirkung. Mittlerweile ist es kurz vor 22 Uhr.

Thai Boxen

Nico schlägt den Besuch einer Thai Box Arena vor; die beiden Männer sind begeistert, die Frauen eher weniger. Da Nico dort auch bereits mit Thais befreundet ist, erhalten wir ganze 25% Rabatt und schauen uns das mal an. In der Arena nehmen wir Platz, werden gleich wieder mit Bier und Snacks ausgerüstet und sind rechtzeitig zum ersten Kampf bereit. Zuerst haut sich der Nachwuchs gegenseitig auf die Nase, gefolgt von den Frauen und Männern. Insgesamt stehen 6 Kämpfe auf dem Programm. Im Ring fliegen die Fäuste wie wild umher und bei uns fliesst das lecker Bierchen in Strömen - herrlich.

 

Die drei Männer sind sich trotz des hohen Alkoholpegels einig, dass sie noch zu dritt von einem dieser Thai Box Kämpfer verprügelt würden. Wobei Beni immer wieder meint, mit einer der Frauen würde er es locker noch aufnehmen, er nimmt es ja schliesslich auch mit Joli auf. Da wir noch einiges Vorhaben in diesem Urlaub haben wir ihn dieses eine Mal nicht in den Ring geworfen um ihn vom Gegenteil zu überzeugen – aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

 

Der Kampf ist vorbei, aber der Abend noch lange nicht. Möni kämpft schon länger mit Übelkeit und möchte nach Hause und Joli sehnt sich auch langsam nach ihrem Kissen, das Thai Boxen war für ihren Geschmack doch eher langweilig. Nicht so die Herren, die sind noch voll fit – währen die Frauen ebenfalls, hätten sie einen solchen Alkohol Pegel – Mist aber auch. Aber die Männer alleine ziehen lassen will auch Nicos Freundin nicht, denn Karaoke Bars sind bei Thailänderinnen mit Partner eigentlich verpönt – wir kommen noch darauf wieso. Also dann; eine Antiübelkeitstablette für Möni, ein Arschtritt für Joli, ein paar strenge Worte von Nicos Freundin und ab geht’s zur Karaoke Bar.

 

Karaoke

Ein kurze Fahrt mit dem Tuk Tuk steht an. Beni und Nicos Tuk Tuk fährt plötzlich in eine ganz andere Richtung als wir aber wir werden sie schon irgendwo wieder treffen. Währenddessen geht in unserem Tuk Tuk die Post ab. Zu lauter Musik, cruist unser Fahrer um die Kurven und durch die Stadt als gäbe es kein Morgen mehr.

 

Aber wir schaffen es und kurz darauf stehen wir vor der Karaoke Bar. Hier sitzen jede Menge halb nackte Thai Frauen herum. Eine Weiberparty? Nein - wir werden aufgeklärt. Vor der Bar sucht man sich hier normalerweise aus den vielen wartenden Thai Frauen eine Begleitung aus, weshalb die Thai Frauen es auch nicht gerne sehen, wenn ihre Männer in eine Karaoke Bar gehen – man(n) tut das oft auch um ein andere Frau kennen zu lernen oder so… Wir sind aber schon vollzählig und lehnen ab.

 

Wir mieten uns einen eigenen Raum und haben aber plötzlich trotzdem zwei «Damen» im Zimmer – weshalb? Man muss so oder so zwei mitnehmen, die einem bedienen, heisst Getränke und Snacks servieren. «Ja wieso sagst du das erst jetzt?!» meint Beni zu Nico, «Ich hätte schon eine ausgewählt!».

 

Jetzt geht es aber los; wir singen wie die Rockstars abwechselnd Thailändische und Englische Songs und die Stimmung wird immer ausgelassener. Wir lachen und amüsieren uns köstlich und vor allem Beni geht ab wie ein «Zäpfli». Irgendwann beginnt er ein Gespräch mit den beiden «Damen», die aber irgendwie nicht so richtig wissen, was sie mit ihm anfangen sollen, denn sie verstehen ihn nicht und Beni schaut die beiden bei jeder Frage mit einem so strengen Blick an, dass man fast Mitleid mit ihnen bekommen könnte.

 

Irgendwann ist aber leider auch die längste Nacht vorbei, das letzte Bierchen leer gesoffen und die Party neigt sich dem Ende zu. Mit zwei Tuk Tuks düsen wir durch die Nacht zurück in unser Hotel. Vielen Dank an Nico und seine Freundin für den geilen Abend mit euch beiden in Chiang Mai, wir hatten mächtig viel Spass und noch viel mehr lecker Bierchen.

 

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