· 

Kathmandu I

Namasté

Namasté heisst Hallo, Guten Tag und ist aus dem Hinduismus, welcher in Nepal zu etwa 80% in der Bevölkerung vertreten ist. Nach knapp 5 Stunden Flug sind wir in Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, angekommen. Da wir keine Lust auf Preisverhandlungen mit Taxifahrern haben, werden wir vom Privatfahrer unseres Hotels bereits erwartet. Für die knapp 5 Kilometer benötigen wir im dichten Verkehr mehr als eine halbe Stunde.

 

Jetzt müssen wir auch noch die Uhren umstellen. Nepal hat eine spannende Zeitverschiebung nicht stündlich wie bisher sondern noch eine Viertelstunde Unterschied. Wieso kann uns keiner sagen – kurios, ganz kurios.

 

Staubmandu

Der erste Eindruck ist staubig, wahnsinnig staubig. Überall wirbelt es Staub und Sand in der Luft herum, wir sind in Staubmandu angekommen. Unser Hotel befindet sich am Rande des touristischen Stadtteils Thamel, welcher grosse Ähnlichkeit mit dem Old Town in Hanoi aufweist – nur eben viel staubiger.

 

Bei einem ersten kurzen Spaziergang in der näheren Umgebung, finden wir zahlreiche Outdoor Läden, Restaurants aller Art, unzählige Hotels und ganz viel Staub. Auffallend ist das sehr viele Nepalesen ziemlich gut Englisch sprechen und uns (zumindest bisher) freundlich gesinnt sind.

 

Kalte Nächte - Warme Tage

Nach den mit über 30 Grad, feuchtheissen Nächten in Vietnam und Thailand, haben wir seit Wochen wieder einmal mit einem dicken Duvet geschlafen. Die Nächte sind bereits in Kathmandu ziemlich kalt, das dürfte in den Bergen noch lustig werden. Wir sind zwar noch bei Sonnenschein angekommen aber bereits in der ersten Nacht knallt uns ein heftiges Gewitter um die Ohren.

 

Wir gehen morgens auch mit Pullover und Jacke aus dem Haus, es ist bewölkt und kalt. Erst am frühen Nachmittag sind mit 20 - 25 Grad und etwas Sonne wieder T-Shirt Temperaturen vorhanden. Dafür ist es heute nicht mehr staubig sondern nur noch schlammig – juhuuuu!

 

Momo

Eine nepalesische Spezialität sind gefüllte Teigtaschen, hier Momos genannt. Bereits in Japan und Taiwan waren sie sehr lecker und auch die nepalesischen Schlabberdinger sind wunderbar. Die Preise für Essen sind mit etwa 5 Franken für eine Mahlzeit ziemlich günstig, würden wir ausserhalb der Touristenzone Futtern wäre es wohl noch günstiger.

 

Das hiesige Bier schmeckt auch ziemlich gut (wir haben gestern ein lecker Bierchen getrunken) aber wir haben dem Bier für ein paar Wochen abgeschworen, denn das thailändische Bier können wir nicht empfehlen. Durch den übermässigem Konsum bildeten sich bei Beni nämlich überraschend, sogenannte Schwimmringe um den Bauch und da wir jetzt wieder in den Bergen und nicht mehr am Meer sind, sind diese überflüssig und müssen weg. Also heisst es für ein paar Wochen fertig mit lecker Bierchen, dafür futtern wir halt lecker Momöchen.

Feilschen, Handeln und Vergleichen

Wir sind ja eigentlich in Nepal um in den Bergen wandern zu gehen. Die Trekking Routen im Himalaya befinden sich hier in Höhen ab 1500 - 5400 Meter über Meer, da wird es besonders in der Nacht ziemlich kalt, zumal man auf der Strecke keine Hotels mit Heizung finden wird.

 

Zwar haben wir eine ordentliche Winterausrüstung von zu Hause mit im Gepäck, für Temperaturen weit unter null Grad ist diese aber nicht ausreichend. Wir verbringen die ersten Tage in Nepal daher mit Shopping. Objekte unserer Begierde sind eine warme Daunenjacke und ein Schlafsack, welcher auch bei Minus Temperaturen warm hält.

 

Outdoor Läden findet man in Kathmandu an jeder Ecke. Die Ware ist auch immer wieder die gleiche, nicht aber die Preise. Wir vergleichen in verschiedenen Läden die Preise von Jacken und Schlafsäcken. Und siehe da, wer sich die Mühe macht, kann viel Geld sparen. Die Jacken werden uns zwischen  2000 - 4700 und die Schlafsäcke von 4500 - 11'000 NRP angeboten, ein ziemlicher Preisunterschied. NRP sind die Nepalesischen Rupien wobei 1000 NRP etwa 9 Franken entsprechen. Obwohl wir uns erst einmal nur erkundigen wollen, purzeln die Preise wie von selbst wenn wir einen Laden ohne etwas zu kaufen verlassen wollen.

«Heimweh»

Shopping macht hungrig, auch wenn wir noch nichts gekauft haben. Wir finden ein japanisches Restaurant, welches uns spontan gelüstet. Kaum haben wir Platz genommen wird heisser Grüntee serviert. Spätestens als die ebenfalls kostenlose Vorspeise auf dem Tisch steht und kurz darauf unser leckeres japanisches Essen serviert wird, kriegen wir etwas Heimweh nach Japan. Dieses Land wäre aktuell unser beider Wahlheimat und wir schwelgen sofort in unseren wunderbaren Erinnerungen an dieses tolle Land während wir genüsslich jeden Bissen verschlingen. Aber keine Angst, natürlich lieben und vermissen wir auch unsere schöne Schweiz je länger je mehr.

 

Donnerwetter

Auch am zweiten Abend kracht wie aus dem nichts ein gewaltiges Gewitter über Kathmandu herein und das nachdem wir den ganzen Tag angenehmes Wetter hatten. Es blitzt und donnert bis in die frühen Morgenstunden hindurch. Der viele Regen hat auch etwas Gutes, wie wir am nächsten Morgen feststellen. Die Strassen sind zwar etwas schlammig, dafür ist die Luft ziemlich gut. Es liegt kein permanenter Staubfilm in der Luft und es riecht erstmals nach Bergen, herrlich. Im Allgemeinen geniessen wir die ersten Tage in Nepal und saugen die fremde Atmosphäre, den Staub und den Schlamm in uns auf. 

 

Noch ein Donnerwetter

Am zweiten Tag kauften wir uns eine SIM Karte in einem Handyshop. Beim Öffnen der Handy Abdeckung fällt Beni noch ein 1000 Bath Note raus – Ups schon wieder ein so sicheres Versteck gehabt, dass wir vergessen haben das Geld auszugeben oder zu wechseln. Egal schnell aufgehoben und rasch die SIM Karte kaufen.

 

Am nächsten Tag stellen wir fest, dass wir belogen wurden und nicht erhielten was wir wollten und auch noch mehr bezahlten als normal. Wir waren für einmal zu faul um richtig zu recherchieren und haben uns prompt abzocken lassen.

 

Doch nicht mit uns, wir biegen das wieder gerade. Da Beni bei Abzocke keinen Spass versteht und gleich mit dem Vorschlaghammer ins Haus fällt, beschliessen wir das Joli das Gespräch auf diplomatischer Ebene beginnt. Der Vorschlaghammer (Beni) steht erst mal zu Seite und hält sich zurück. Joli klärt den Verkäufer (nicht derjenige von gestern) im Shop darüber auf, das wir nicht erhalten haben wofür wir bezahlt haben. Der Mann nimmt sich unserem Problem an und zeigt zuerst Verständnis. Ja da habe man wohl etwas verwechselt, es sei 1GB für 30 Tage und danach hat man unlimitiert gedrosseltes Internet. Der Verkäufer sagte uns aber das man während 30 Tagen jeweils pro Tag 1GB Internet hat – also Total 30GB. Für alle Dumpfbacken haben wir das etwa 5x wiederholt um ja nichts falsch zu verstehen und das Packet war ja auch teurer als das 30 Tage Paket mit 16 GB und somit machte es auch irgendwie Sinn. Tja weit gefehlt.

 

Im Verlaufe des Gesprächs kommt dann der Verkäufer von gestern dazu, der an akuter Amnesie zu leiden scheint. Das grosse Schulter zucken und Ausreden suchen beginnt. Es sei kein Problem er löst uns jetzt das Paket für 30 Tage und 16 GB. Freundlich aber bestimmt fordern wir bei beiden auf die Änderung kostenlos vorzunehmen und erklären auch gleich, dass wir sowieso doppelt so viel bezahlt haben, als es laut der Homepage des Netzanbieters kostet.

 

Dann auf einmal scheint sich der eine doch wieder an uns zu erinnern. Wir sind doch die beiden, welche gestern hier vor der Verkaufs Theke den 1000 Baht Schein auf dem Boden gefunden haben. Er schnappt sein Telefon, wählt eine Nummer und erklärt uns dann beiläufig, dass sein Freund gestern einen 1000 Bath Schein genau hier verloren habe.

Richtig, du Spatzenhirn, wir sind die beiden mit dem 1000 Baht Schein. Doch die Geschichte ist etwas anders gelaufen. Als Beni sein Handy auseinanderbastelte und der Verkäufer wie auch Joli dabei zusehen, fällt aus der Hülle dieser 1000 Baht Schein heraus. Wir waren überrascht, lachten und steckten die Noten ein. Beni hält immer eine Notfall Geldnote in der Handy Hülle versteckt und wir vergessen sie oft dort. 

 

Zuerst werden wir hier angelogen, dann abgezockt und zu guter Letzt soll unser Geld, welches wir in Benis Handyhülle gefunden haben noch seinem Freund gehören, der es zurück haben will? Sonst geht’s noch?! Nun ist es Zeit für Beni, den Vorschlaghammer. Doch bevor Beni überhaupt den Hammer auspacken kann, hat Joli sämtliche diplomatischen Beziehungen bereits beendet und schwingt gleich selbst den Hammer. Joli zündet ein Feuerwerk an Beschimpfungen in herrlichem British English, welches den beiden Herren die Sprache verschlägt. Zum Glück verschlägt es nicht auch noch die Glasscheibe der Ladentheke, auf welche Joli mit der Faust volle Kanne drauf haut, während sie den Herren die Leviten liest.

 

Zwei Minuten später haben wir was wir wollten und das Ding ist wie geplant wieder gerade gebogen, geht doch. Und die Moral von der Geschicht? Verarsche Benjoli und sie schreien dir ins Gesicht.

 

Die Qual der Wahl

Nach dem wir uns bei einem heissen Tee beruhigt haben müssen wir nun langsam einmal ernsthaft shoppen gehen. Praktischerweise sind die beiden günstigsten Läden nur etwa 20 Meter auseinander. Wenn man hier in einem Laden Interesse für etwas zeigt, will der Händler das Geschäft auch gleich abschliessen. Dabei purzeln die Preise wie von selbst. Wir spielen die beiden Shops ein wenig gegeneinander aus und bringen die beiden Verkäufer fast zur Verzweiflung. Wir versuchen in beiden Läden verschiedene Jacken und Modelle doch das richtige ist irgendwie nicht dabei. In Wahrheit haben wir beide schon etwas gefunden was uns mehr oder weniger passt, wir zeigen uns jedoch überhaupt nicht begeistert.

 

Bald fällt uns auch auf, dass die Verkäufer wenn sie eine Grösse oder Farbe nicht haben in den Laden nebenan gehen um diese zu holen und schon bald probieren wir auch im zweiten Laden die gleichen Jacken, die wir vorher im ersten schon an hatten…

 

Während dem Probieren wird immer wieder auch der Preis ein Thema und fällt und fällt wie von selbst von 7000 auf 5000 NRP für zwei Jacken. Beni bietet dann einfach mal 4000 und beharrt hartnäckig bis zum Schluss darauf. Für 4000 NRP (36Fr) haben wir jetzt zwei neue Daunenjacken ersteigert – nicht ganz in der Wunschfarbe aber wir sehen trotzdem ziemlich hübsch aus, auch wenn wir uns wie zwei kleine Michelin Männchen fühlen.

Wahrscheinlich haben wir immer noch zu viel bezahlt, aber haben immerhin nicht mehr ausgegeben als wir wollten, wir sind zufrieden.

 

Und es kommt anders – anders als geplant

An Tag vier in Nepal wir müssen wir für morgen einen Transport nach Pokhara organisieren, so der Plan. Pokhara liegt 200 Kilometer entfernt an einem See und ist eine Kleinstadt mit sauberer Luft - da wollen wir hin. Praktischerweise ist die Stadt auch Ausgangspunkt für den Annapurna Circuit, den viel kürzeren Poon Hill Trekk und einigen weiteren Trekkings. Im Internet haben wir einen Top bewerteten Reiseanbieter in Kathmandu gefunden und wir haben auch einen empfohlen bekommen. Die beiden besuchen wir nun heute.

 

Wir suchen erst die Empfehlung auf und landen in einem kargen Büro, dass ausser zwei Bürotischen und ca. sechs Mitarbeitern nichts beherbergt. Wir stellen unsere Fragen und versuchen aus den wirr durcheinander sprechenden Mitarbeitern die Antworten heraus zu filtern. Da wir die einzigen Kunden sind, wollen alle sechs mitreden und wir haben unsere liebe Mühe überhaupt irgendetwas zu verstehen. Mit wirren Köpfen und nicht sehr viel mehr Informationen verlassen wir das Büro.

 

Die andere Agentur finden wir dafür fast kaum, da sie in einem Gebäude mit Innenhof ist und von aussen nicht angeschrieben. Wir treffen auch hier auf einen kleinen Raum mit Schreibtisch und ca. fünf Mitarbeitern. Diese verlassen aber den Raum als wir kommen und wir können mit dem Eigentümer alles besprechen was wir wollen. Die Informationen sind top und wir bringen auch in Erfahrung wie wir am besten nach Pokhara kommen.

 

Es gibt nur ein Problem, in Nepal hatten sie den strengsten Winter seit 10 Jahren und deshalb sind viele Trekkings noch voller Schnee oder teilweise gesperrt. Der Circuit ist zwar geöffnet doch nur schwer passierbar. Wir zweifeln schon bei normalen Bedingungen an unserer Fitness, wodurch dieser Trekk momentan gleich auf Eis gelegt wird.

 

Das beliebte Annapurna Basecamp ist aufgrund eines Erdrutsches mit einigen Toten sogar komplett geschlossen, da wollten wie aber auch gar nie hin. Dadurch ist aber der Poon Hill Trekk, unsere Alternative, und die gesamte Region aktuell völlig überlaufen mit Touristen. Was haben wir nur wieder für ein Glück.

 

Nun wir haben aber Zeit, ganze 90 Tage lang ist unser Visum gültig. Wir haben es in Thailand mit einer kleinen Lüge und einem sexy Lächeln geschafft, unseren Flug nach Nepal anzutreten ohne Ausreiseticket. Also ändern wir den Plan und verlängern erstmal unseren Aufenthalt in Kathmandu um weitere drei Nächte in einem anderen Hotel, da unseres ausgebucht ist. Wir fahren nun nicht nach Pokhara, dafür erstmal für ein kurzes Trekking ins Kathmandu Valley, danach schauen wir wieder weiter. Auch wollen wir eine Stadttour machen wo mehrere Tempel besucht werden.

Damit wir noch etwas recherchieren können, gehen wir erst einmal etwas Essen. In einem Döner Restaurant lernen wir dann Daniela aus Bayern kennen, mit welcher wir auf Anhieb auf der gleichen Wellenlinie sind. Sie ist Digital Nomadin, also arbeitet auf der ganzen Welt und verdient ihr Geld mit online Arbeiten. Zusammen besuchen wir den Garden of Dreams und buchen eine Tagestour um Morgen die umliegenden Sehenswürdigkeiten in Kathmandu zu besichtigen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0