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Kathmandu II

Vielen Dank an Dorette Hegetschweiler für die Spende unter Kleine Freuden. Wir haben damit eine interessante Besichtigung durch die Stadt, Kultur und Religion Kathmandus geplant.

 

Wir treffen uns mit Daniela (World Hopper) vor der Reiseagentur, nachdem wir unser Gepäck auf dem Weg noch im neuen Hotel abgeladen haben. So wie wir unseren Plüschaffen Henä Enzo dabei haben und immer wieder ablichten, hat Daniela ihr Dirndl und ihre Bayern Flagge dabei und erscheint in voller Montur für den heutigen Sightseeing Tag. Sieht super aus, da fühlen wir uns beinahe etwas underdressed in unseren ausgelotterten Reiseklamotten.

 

Pünktlich um 9 Uhr fährt unser Fahrer vor und wir düsen einmal quer durch Kathmandu. Ausserhalb des Touristenviertels Thamel sieht man dann etwas mehr vom richtigen Nepal, jedoch nichts was uns nach 15 Monaten und 15 Ländern noch wirklich überraschen oder schockieren würde. Naja mit zwei Ausnahmen vielleicht. Das Kühe mitten auf der Hauptstrasse rumlaufen oder liegen und friedlich vor sich hindösen und das mitten in einer Grossstadt, das haben wir dann doch auch noch nirgendwo gesehen. Tja wenn man heilig ist kann man sich scheinbar alles erlauben. Und der Staub, diese Unmenge an Staub ist schon irgendwie abartig.

 

Wenn wir jedoch hier unsere Weltreise gestartet hätten und nicht erst nach 15 Monaten hier gelandet wären, wäre Beni wahrscheinlich direkt wieder nach Hause geflogen. Ob wir etwas abgestumpft sind? Oder vielleicht einfach schon zu viel gesehen haben oder gar nicht mehr dazu kommen alles zu verarbeiten? Keine Ahnung auf jeden Fall wären wir am Anfang der Reise wohl mit offen Mündern und staunenden, grossen Augen durch diese Stadt gegangen – naja soweit der Staub dies zulässt.

 

Affentempel Swayambhu

Nach 20 Minuten schleichender Fahrt und ein paar Kühe später erreichen wir den Monkey Tempel. Dieser liegt auf einer Anhöhe, welche ohne Auto nur über vieleTreppenstufen zu erreichen ist. Nebst einer schönen Weitsicht über Kathmandu – sofern der Dunst eine weite Sicht erlaubt - sieht man verschiedene Tempelgebäude und Figuren, welche durch kilometerlange, bunte Gebetsfahnen verbunden sind. Das sieht schon ziemlich cool aus und ist ein gewaltiger Anblick.

 

Am Haupttempel schiessen wir viele Fotos und saugen das bunte Treiben in uns auf. Für Jolis Papi, der gestern nach langer Krankheit einschlafen durfte, entzünden wir eine Kerze um ihm eine gute letzte Reise zu wünschen und an ihn zu denken. Gute Reise MaPa – du bleibst für immer in unseren Herzen. Wir sind ja nicht religiös aber dieser Ort hat seine eigene Magie, welche für uns mit Religion nicht viel zu tun hat, weshalb es uns hier richtig erschien diese Kerze zu entzünden. Zudem finden wir, dass Buddha immerhin einer der kuhleren «Götter» ist.

 

Natürlich gibt es auch unzählige Affen hier, wie der Name bereits vermuten lässt. Die kleinen Racker sind aber zum Glück nicht sehr aufdringlich und posieren sogar gerne Mal für Fotos. Obwohl Daniela uns da wohl wiedersprechen würde, denn ein ganz flinker Affe klaut ihr doch tatsächlich die Cola Flasche aus der Hand um sie in sicherer Entfernung genüsslich zu schlürfen. Tja wenigstens sind es hier mal etwas andere Taschendiebe als sonst so üblich.

 

Aber auch die zwei alten Nepalesen auf der Bank bekommen unsere volle Aufmerksamkeit. Die beiden sind richtig «härzig». Wir schiessen mit ihnen zusammen ein paar Fotos und sie wollen die Bilder natürlich immer gleich auf dem Display anschauen. Vor allem Beni zwischen den Beiden sieht herrlich aus, wirkt er doch fast wie ein Riese.

 

Ein faszinierender buddhistischer Tempel mit hunderten von Gebetsflaggen und Affen. Wer in Kathmandu ist, muss sich diesen Ort auf jeden Fall ansehen, denn man kann sogar zu Fuss hingelangen, da der Hügel mit dem Tempel direkt am Stadtrand liegt. Aber wir wollen noch weiter und machen uns auf die Suche nach unserem Fahrer.

 

Patan Durbar Square

Nächster Halt Patan Durbar Square, der Platz des alten Königspalastes, ein UNESCO Weltkultur Erbe. Als Tourist reist man ja bekanntlich mit dem grossen Portemonnaie, was man hier auch schnell bemerkt, denn 18 Franken Eintritt für zwei Personen ist in Nepal viel Geld. Wir bezahlen etwas zähneknirschend und sind keine 15 Minuten später schon mal ziemlich enttäuscht. Das Erdbeben hat sehr viel zerstört und der Wiederaufbau ist noch in vollem Gange, weshalb man nicht wirklich viel zu sehen bekommt. Das Eintrittsgeld wird für den Wiederaufbau gebraucht und ist daher wenigsten sinnvoll investiert.

Wir setzen uns in ein gemütliches Restaurant und geniessen erstmal einen Eiskaffee. Wir wussten nicht, dass man darüber diskutieren kann ob ein Americano mit Milch oder ohne sein kann aber der Kellner ist überzeugt, dass der Americano kalt mit Milch ist und heiss ohne. Dann bestellen wir halt einen heissen und Joli schmeisst ihre Eiswürfel dann einfach in Benis Tasse.

 

Danach schauen wir uns das zugehörige Museum kurz an, wobei wir mit einer nepalesischen Security Angestellten ins Gespräch kommen. Da das Museum zwar über ein paar schöne Gemälde verfügt aber ansonsten nicht besonders interessant ist, legen wir mit der jungen Frau dann spontan eine lustige Fotosession hin bevor es weiter geht. 

 

Pashupatinath  Tempel

Ausser das wir vier Sehenswürdigkeiten ansteuern haben wir eigentlich keine Ahnung was wir genau besuchen. Stopp drei ist ein Hindu Tempel. Hier ist es eine grossflächige Anlage zu sehen, welche wieder stolze 18 Franken Eintritt kostet. Auch hier werden die Touristen geschröpft und man kann sich nicht einmal alles ansehen, wenn man kein Hindu ist – woher wollen die denn wissen, dass wir nicht auch Anhänger des Hinduismus sind? Häää?

 

Schon beim Eingang werden wir von aufdringlichen Tour Guides angesprochen, welche uns ungefragt gleich durch die Anlage führen wollen und auch noch einige Schritte einfach so begleiten. Beni weist die Herren freundlich aber bestimmt ab und wir schlendern selbständig etwas umher.

 

Am grossen Tempeleingang wird uns aber dann der Einlass verwehrt. Wir sind eben keine Hindus. Wir können aber hintenrum und von oben in die Tempelanlage schauen. Aber viel zu sehen bekommt man nicht. Wir denken schon, dass es hier fertig ist, als wir doch noch den Weg zum Rest der Anlage finden, welche wir oben gesehen haben.  Auch hier schliesst sich uns ein Herr an und quasselt freundlich mit uns und als Beni ihn mit «Danke, wir brauchen keinen Guide.» abweist, fängt die ganze Gruppe (anscheinend auch Guides und ein paar Sicherheitskräfte) an zu Lachen. Vielleicht werden sie normalerweise nicht so schnell durchschaut.

 

Hinter dem Tempel liegt ein Fluss, an welchem wir am Ufer an 10 Stellen grosse Feuer brennen sehen. Wir überqueren die Brücke und realisieren erst jetzt etwas näher am Geschehen, was da genau am Flussufer entlang brennt. Da werden doch tatsächlich die Leichen von Verstorbenen verbrannt, in aller Öffentlichkeit. Rundherum stehen die Angehörigen und trauern, während die Touristen dem «Spektakel» aus der Ferne zusehen. Wir finden es ziemlich makaber, in den Tempel dürfen wir nicht rein aber das hier ist dann in Ordnung. An solch einem Ort haben Touristen unserer Meinung nach nichts verloren. Hier wird aber ein Bombengeschäft daraus gemacht. Im Hintergrund brennen die Leichen und wir werden gleichzeitig von Tour Guides und Souvenir Verkäufern belästigt und bedrängt. Wir finden es etwas pietätslos und können nur den Kopf schütteln aber der Art und Weise wie hier Geld gemacht wird. Aber so ist das Leben, andere Länder (Religionen) andere Sitten. Unserer Meinung nach ist der Buddhismus die einzige Religion, welche wir als nicht ganz so «speziell» empfinden – ausser den von uns gegründeten Benjolismus natürlich.

 

Boudha Stupa

Letzter Halt ist eine Stupa. Das ist ein buddhistisches Bauwerk, welches Buddha selbst und seine Lehre, den Darma signalisiert. Es ist gross, weiss mit einem goldenen Dach, hat Augen und viele bunte Gebetsfahnen. Erst einmal müssen wir das Bauwerk aber finden. Unser Fahrer setzt uns aus und meint, dass wir einfach da lang laufen sollen. Bis vorhin haben wir das Ding ja auch noch gesehen aber jetzt wissen wir nur ungefähr die Richtung. Als wir kurz darauf eine total verstopfte Strasse überqueren müssen, wissen wir wenigstens wieso der Fahrer lieber unten auf uns wartet. Nach einigen Biegungen und Gehminuten finden wir die Stupa zum Glück.

 

Es ist ein toller Anblick, aber noch viel toller finden wir den kreisförmigen Platz rundherum. Hier stehen hübsche, bunte Häuser mit Cafés und Restaurants mit schnuckeligen Dachterrassen, welche zum Verweilen einladen. Hier sind dann auch am meisten andere Touristen vor Ort und aus den Souvenirländen strömen sogar ganze Gruppen von Mönchen. Das wäre ein Platz wo wir wohl stundenlang bleiben und einfach schauen und staunen könnten aber wir haben die offizielle Dauer unserer Tour eh schon überschritten und so wollen wir unseren armen Fahrer nicht zu sehr auf die Folter spannen. Also gehen wir gemächlich einmal um die Stupa herum und geniessen die Sicht auf alle Seiten. Wir werden alle auch immer wieder für Selfies angefragt und so geht die Zeit rasch um.

 

Sobald man aber die Umgebung der Tempel und touristischen Orte verlässt sieht man das eigentliche Kathmandu. Während wir zurück zu unserem Fahrer spazieren, werden wir von bettelnden Kindern bedrängt und begleitet.

 

Es war ein langer Tag, nach fast 8 Stunden gehen wir zurück um noch kurz beim Inder etwas zu Essen, bevor wir total kaputt ins Bett fallen. Das Zimmer ist zum Glück schön und die Musik der benachbarten Bar wird zum Glück wie von den Hotel Mitarbeitern versprochen um 22:30 abgestellt. Glück gehabt. Danke nochmals Mimi für den schönen Ausflug.

 

Es wird Zeit

Nach fast einer Woche in Kathmandu sind wir froh weiter zu kommen. Wir haben auch nach dem betrügerischen SIM Karten Verkäufer noch das ein oder andere erlebt – unglaublich.

 

Am zweiten Tag im neuen Zimmer stellen wir fest, dass direkt neben dem Zimmer auch noch eine Baustelle ist. Joli die in Shorts und BH auf dem Bett sitzt bemerkt erst nach einer Weile einen Bauarbeiter der die Arbeit niedergelegt hat und einfach in unser Zimmer starrt. Da auch zurück starren ihn nicht davon abbringt zu Glotzen, schickt sie Beni zum Vorhänge schliessen. Sobald Beni auftaucht dreht sich der Herr um, ist dann aber sofort wieder am Glotzen, als Beni sich abwendet.

 

Also was macht der edle Ritter Beni? Er zieht sich die Boxershorts aus und steht nackt vors Fenster bis der Herr sich mit entsetzt geweiteten Augen dann doch endlich wieder seiner Arbeit widmet.

 

Danach sind wir nicht sicher ob wir mittlerweile extrem versifft aussehen oder wieso man uns mehrmals täglich auf der Strasse Drogen verkaufen will?! Gibt es echt Touristen die für den Drogenkonsum nach Nepal reisen?

Auch ist die zwar freundliche aber aufdringliche Art hier in Thamel langsam anstrengend und dann muss man auch noch immer aufpassen nicht verarscht zu werden – wie überall auf der Welt schon klar aber langsam nervt es schon ein bisschen.

 

Beim Wäsche waschen im Laden neben an heisst es plötzlich, dass die Wäsche 9.- kostet? Whaaat? Wir haben immer zwischen 4-6 Kilo Wäsche und überall haben wir den gleichen Kilo Preis angeschrieben gesehen. Ja auch hier haben sie diesen Kilopreis meint der Herr aber wir hätten 9 Kilo Wäsche nicht 5. Bullshit. Wir gehen beim Nachbarn messen und auch der sagt 9 Kilo – unmöglich! Es klärt sich aber dann aber schnell auf. Die Waage zeigt 9 Pfund an, nicht Kilo. Ah also doch nur 4.50? Nein hier ist ein Pfund = ein Kilo und ein Kilo = 1.-. Ja also verarschen können wir uns auch selber. Aber was solls wir haben keinen Bock zu diskutieren und lassen die Wäsche hier.

 

Groooosser Fehler. Als wir sie am nächsten Tag abholen wollen, prüfen wir alles ganz genau – traue niemandem ausser dir selbst! Zwei Dinge fehlen. Die meiste Wäsche ist noch feucht – verkauft wurde aber Waschen und Trocknen - und die hellen Sachen haben neu kupferfarbene Flecken. Beni dreht ab, schmeisst die Wäsche auf den Tisch und wir bleiben solange im Laden, bis die fleckige Wäsche nochmals zur Wäscherei geschickt wird und der genau Beschrieb was fehlt gleich mit, alles anderen nehmen wir schon mal mit.

 

Als wir zwei Stunden später die restliche Wäsche abholen ist diese zwar nicht mehr fleckig aber nass und wir schmeissen dem Herrn 5.- auf den Tresen mit der Bemerkung dass dies wohl reicht für den ganzen Ärger denn wir hatten. Im Zimmer bauen wir dann eine Wäscheleine unter die Heizung und versuchen das Zeug noch zu trocken, schliesslich wollen wir morgen auf ein 3 Tages Trekking und können schlecht nasse Wäsche verpacken.

 

Aber es ist noch nicht vorbei. Heute ist Freitag und in der Bar neben uns und vor uns (je ein grosses Fenster zeigt auf eine der Bars raus und es können, nebenbei erwähnt, auch alle reingucken) findet je ein Konzert statt und das zur genau gleichen Zeit. Schon mit einem Konzert wäre es eine Zumutung, denn die Lautstärke ist überirdisch. Wir können uns kaum unterhalten im Zimmer und einen Film zu gucken oder gar zu schlafen ist unmöglich. Die beiden Sänger quaken in einem fürchterlichen Stimmen und Songgemisch  während fast 3 Stunden herum und bekommen auch noch einen riesen Applaus nach jedem Lied, während wir im Zimmer fast die Kriese schieben. «Help, we need somebodys help!»

 

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