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Pokhara

Eine Weltreise während der Weltreise

Heute geht es weiter an den Ausgangspunkt unseres Trekkings, in die Stadt Pokhara. Die Stadt liegt wunderschön an einem See und wird umringt von etlichen Berggiganten. Sogar das Wetter spielt mit, es ist sonnig und warm und in nur 4-5 Stunden werden wir dort sein, denn Pokhara ist «nur» 204 Kilometer entfernt.

 

Aber es soll nicht sein. Denn heute wird gebaut. Nach drei Stunden sind wir gerademal 10 Kilometer weit gekommen. Auf der einzigen sonst schon völlig überfüllten Strasse wird der Belag erneuert, was ein ordentliches Chaos verursacht. Immerhin haben wir viel Zeit zum Beobachten. Es ist wahnsinnig staubig. Ein paar junge Männer wischen die Strasse und wirbeln dabei zusätzlich ordentlich Staub auf.

 

Nach einer Weile wird die Fahrbahn durch einen Mittelstreifen getrennt. Wie es sein soll bleibt unser Fahrer auf der korrekten Spur, was man nicht von allen behaupten kann. Viele Motorräder aber auch Autos und sogar Busse fahren einfach in den Gegenverkehr und machen spontan eine dritte Spur. Das scheint niemanden zu stören oder erstaunen nicht einmal die Kühe, die sich auf dem Mittelstreifen sonnen.

 

Auch als wir die Baustelle passiert haben wird es nicht besser. Soweit wir an unseren kurvigen Hügel und auch am nächsten erkennen können hat es Stau in beide Richtungen. Lastwagen reiht sich an Lastwagen, Busse und Autos alle stecken gleichermassen fest.

 

Nach fast sechs Stunden können wir endlich fahren anstatt zu kriechen aber schon nach 5 Minuten freier Fahrt halten wir an. Na klar unser Fahrer hat langsam Hunger und wir legen eine Mittagspause ein. Für vier Franken könnten wir uns bis genug an einem Buffet bedienen, wir haben jedoch keinen Hunger und gehen lieber später noch was Essen. Zudem haben wir noch das halbe Frühstück eingepackt bekommen und essen davon etwas, während wir auf unseren Fahrer warten.

 

Während dem Warten werden wir von einem Touristen angesprochen, der wissen will wann der Bus weiterfährt. Auch nachdem wir mehrmals antworten, dass wir nicht mit dem Bus hier sind und er aber weiter darauf besteht, dass er uns im Bus gesehen hat, verabschieden wir uns schlussendlich mit einem «Keine Ahnung, wann der Bus weiterfährt.» Bevor wir ins Auto steigen schauen wir uns den Bus von aussen und durch die Fenster noch kurz an – wir haben gut entschieden, denn solange in diesem fahrenden Schrotthaufen zu sitzen hätte uns dann doch sehr «angeschissen»!

 

Wir haben Zeit heute, viel Zeit. Stundenlang schauen wir uns die Gegend an und stellen fest das auch hier in Nepal der Müll ein grosses Problem ist. Generell ist Nepal gut mit Bolivien zu vergleichen, obwohl Bolivien doch noch um einiges weiter entwickelt ist, zumindest in Dingen die wir einfach so feststellen können.

 

Statistisch ist ja der Weg mit dem Auto zum Flughafen gefährlicher als das Fliegen im Flugzeug. Da die nepalesischen Airlines aber allesamt auf der schwarzen Liste der EU stehen haben wir die Strasse dem Fliegen vorgezogen. Zudem das Wetter ja auch nicht perfekt für einen Flug ist. Wobei man hier auch sagen muss, die Nepalesen fahren wie die Sau – zum Glück nicht unser Fahrer der überholt noch einigermassen Vernünftig. Doch der Gegenverkehr lauert auch hinter jeder Kurve auf unserer Fahrbahn was sehr gefährlich ist. Deswegen ist es schwierig zu sagen bei welchem Transportmittel die grössere Gefahr lauert, zumal die Strassen auch nicht wirklich sicher sind.

 

Jedenfalls sind wir nach fast 10 Stunden in unserem Hotel angekommen. Auf unsere Frage ob der Fahrer nun auch in Pokhara übernachtet, verneint dieser und meint er müsse gleich wieder zurück nach Kathmandu. Oh my Buddha. Das dürfte gefährlich werden, wir mussten ihn gegen Ende der Fahrt ja schon ein wenig beschäftigen damit er nicht weg nickt und jetzt will der wieder mindestens 5 Stunden zurück fahren, sofern nicht immer noch Stau herrscht. Unser Hotel gefällt uns zum Glück sehr gut und das indische Abendessen in einem nahe gelegenen Restaurant schmeckt auch tiptop. Gefüttert und müde stürzen wir ins Bett ein langer Tag geht zu Ende und morgen wartet Pokhara auf uns.

 

Pokhara

Neue Stadt direkt am See, umringt von wunderschönen Berggiganten und Benjoli voller Tatendrang, verlassen frühmorgens das Hotel um die Umgebung zu erkunden. Wir wollen eine Bootstour machen, zwei der umliegenden Hügel erklimmen um das wahnsinns Panorama zu betrachten und allem voran unser Trekking planen. So sollte es eigentlich sein, ist es aber nicht.

 

Wir schaffen gerademal die Treppen runter an das Frühstücksbuffet und danach wieder rauf in unser Zimmer im 4 Stock. Und nein, es ist nicht der Muskelkater und krank sind wir auch nicht. Ok es könnte daran liegen das es in Strömen regnet aber alleine dem Regen die Schuld zuzuschieben wäre auch nicht fair.

 

Der Reiseblues hat jetzt voll eingeschlagen, wir haben einfach keine Lust mehr. Unter Reiseblues verstehen wir den schleichenden «ich hab keinen Bock mehr» - Prozess, welchen man zwar wahr nimmt aber nicht wahr haben will, bis er dann wirklich da ist. Wir sind konsterniert ab unserer Ratlosigkeit und versuchen uns bewusst zu werden wohin die Reise gehen soll.

 

Nach stundenlangem Kopfzerbrechen ohne wirkliches Resultat, schaffen wir es dann nachmittags immerhin noch das Hotel für einen kurzen Spaziergang am See zu verlassen. Das Wetter ist ungemütlich nass und grau und weder der See noch die Shoppingstrasse kann uns wirklich begeistern. Beni ist ausserdem zunehmend genervt ob den teilweise aufdringlichen und unfreundlichen Nepalesen.

 

Joli kauft sich, nachdem Beni hart aber fair den Preis verhandelt hat, einen Jupe, wir gehen am selben Ort wie gestern Abend, das gleiche Gericht nochmals essen und dann zurück ins Bett. That’s it. Der Reiseblues lässt grüssen.

 

Auch die nächsten Tage werden nicht besser. Es regnet und die Sicht ist gleich Null. Wir haben noch nicht einen Berg gesehen, knapp die Hügel, welche die Stadt umgeben. So macht weder Bootfahren Spass noch macht es Spass und Sinn die Aussichtspunkte zu erklimmen. Auch die Prognosen für die nächsten 16 Tage sehen ähnlich aus. Regen, Regen, Regen. Der längste und härteste Winter seit 10 Jahren ist vorbei und geht direkt in die Regenzeit über, welche eigentlich erst im Mai beginnen sollte. Dazu kommt unser Reiseblues und das schlimmste Energietief seit Benjoligedenken.

 

 

Naja Flausen im Kopf haben wir trotz Energietief noch. Beni knipst wieder einmal ein wunderschönes Foto von Joli indem er sagt: «Kannst du da bitte mal pusten, es hat Staub auf der Linse.» Na schönen Dank auch. Hat irgendwie etwas Ähnlichkeit mit dem Kugelfisch, den es in Thailand an den Strand gespült hat…

Die Würfel sind gefallen

Nein, wir haben nicht Yazzy gespielt (also doch natürlich auch aber um das geht es hier jetzt nicht), sondern unser nächstes Land ausgewählt. Lange haben wir hin und her überlegt - wir hatten ja auch viel Zeit, denn es regnet immer noch.

 

Sollen wir das Trekking machen? Ohne körperliche Fitness, ohne Motivation und bei Dauerregen? Eigentlich muss man sich die Frage ja gar nicht stellen, wenn man das so liest und doch haben wir uns so auf Nepal gefreut, bewusst ein 90 Tages Visum gekauft und es gefällt uns ja eigentlich auch aber… Ja dieses Aber.

 

Wir wandern gerne aber nicht hauptsächlich des Wanderns wegen, sondern um etwas zu sehen. Beide Wanderungen haben je mehrere tausend Treppenstufen. Wir mögen keine Treppenstufen wir wollen wandern nicht Treppensteigen. Bei beiden geht es sehr viel durch den Wald und wenn man dann eine gute Sicht hat bringt das aktuell bei der Wetterlage genau gar nichts denn die Wolken lassen sich so richtig hängen – fast wie wir *g*. Das Poon Hill Trekking ist aktuell überlaufen, weil das Annapurna Basecamp wegen Schnee geschlossen ist und auch auf dem Annapura Circuit liegt noch ziemlich viel Schnee vor allen auf dem 5000er Pass den es zu überqueren gilt. Also fällt das Trekking vor allem wetterbedingt flach, denn würde das Wetter passen würden wir uns einen Tritt in den Hintern geben und wie geplant losziehen.

 

Also wohin? China? Das müssen wir von A bis Z durchplanen, bevor wir in Hongkong überhaupt ein Visum beantragen können. Jedes Transportmittel, jedes Hotel, einfach alles und Planen ist genau das was wir aktuell einfach nicht mehr Lust drauf haben. Für die Mongolei ist es zu früh im Jahr und jetzt wieder runter nach Kambodscha oder sogar Indonesien? Irgendwie passt uns nichts wirklich in den Kram. Wie wärs mit nach Hause gehen? Beni möchte eine Pause, wieder mal etwas arbeiten und Strukturen aufbauen, bevor wir das restliche Asien später noch mit neuer Energie erkunden gehen. Joli will aber nicht nach Hause, schon gar nicht arbeiten, hat aber auch keine Lust und Energie mehr um wirklich weiter zu reisen. Verzwickte Sache.

 

Plötzlich die Erleuchtung! Wir kommen (noch) nicht nach Hause, denn wir haben Lust auf Griechenland bekommen. Insbesondere beim Gedanken an griechisches Essen und Wein läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Natürlich ziehen uns auch die Landschaften der Ionischen Inseln an. Vom vielen Denken und vom Hunger getrieben meint Joli plötzlich, das sie jetzt Lust auf griechisches Essen hätte. Wer hätte gedacht, dass uns Jolis Dauerhunger einmal zu Hilfe eilt. In Rekordzeit haben wir Flüge und Unterkünfte verglichen und gebucht, sowie die lange Reise zurück nach Europa durchgeplant. Die Reise führt uns über Istanbul und Athen erstmal für sieben Nächte auf die Insel Zakynthos, dort schauen wir dann weiter.


Zur Feier unserer geplanten Weiterreise gehen wir lecker Abendessen. Ein grosses Dankeschön an Claudia Habbegger für deinen kleine Freuden Beitrag. Wir haben erst jetzt beim Bericht schreiben bemerkt, dass wir deinen Batzen zweimal verfuttert haben, aber das macht ja nichts zumal wir beim Essen während dem Trekking vor lauter Hunger versäumt haben Fotos zu machen.

 

Wir sind im gleichen Restaurant wie immer und bestellen auch das gleiche wie immer plus zur Feier des Tages eine Vorspeise. Bei leckerer Minz Limonade verputzen  wir Bruschetta mit Fetakäse (zur Einstimmung auf Griechenland), danach zwei grosse Naan Knoblauchbrote und je eine Portion Chicken Korma und Butter Chicken. Die beiden Gerichte sind unsere Top Favoriten der indischen Küche. Wer sich noch nie an indisches Essen rangetraut hat, versucht es einfach einmal mit diesen beiden Gerichten (oder auch Chicken Tikka Masala) und den Naan Broten, da kann nichts schief gehen. 

 

Nach 4 Tagen Regenwetter und tiefen dicken Wolken scheint natürlich am Morgen der Rückreise nach Kathmandu kurz die Sonne, war ja klar. Sogar ein paar blaue Störungen hat es und man kann in der Ferne ein paar Berge erahnen. Petrus du kannst uns mal uns ist das jetzt egal, denn wir haben fürs erste mit Nepal abgeschlossen und wollen weiter nach Europa.

 

Und wieder zurück

Unser Fahrer klärt uns auf. Der Winter war so hart wie seit 10 Jahren nicht mehr und so einen schlechten März und April hatten sie auch schon lange nicht mehr. Viel Regen und Wind. Es gab im Süden Nepals vor einigen Tagen sogar einen kleinen Wirbelsturm.

 

Als wir ihm erzählen, dass wir uns noch überlegt haben mit dem Flugzeug statt dem Auto zurück nach Kathmandu zu fliegen, meint er nur, dass diese heute sowieso nicht fliegen wegen des schlechten Wetters. Ah ja? Dabei ist es heute so schön wie schon lange nicht mehr.

 

Die Fahrt geht heute sehr viel schneller und mit weniger Stau als auf dem Hinweg. Unser Fahrer ist ein richtiger Raser und die Überholmanöver plus die Geschwindigkeit erinnern uns etwas an eine Achterbahnfahrt.

 

Trotz der Fluggeschwindigkeit haben wir Zeit uns die Umgebung auch auf dem Rückweg noch etwas anzuschauen. So sehen wir an einer Strassen Baustelle Arbeitsteilung auf Nepalesisch. Zwei Arbeiter stehen mit einer Schubkarre vor einem Berg Sand. Einer schaufelt mit einer Schaufel Sand in die Schubkarre. Sein Kollege steht nicht etwa untätig daneben nein, mit Hilfe eines Seils, welches an der Schaufel befestigt ist, hilft er dem Schaufelführer beim Schaufeln in dem er am Seil zieht.

 

Auch sehen wir viele Duschen und Wasserstellen, wo die Leute sich duschen und waschen, denn nicht jeder hat eine Dusche oder gar fliessendes Wasser im Haus. Die 4 - 5 Häuser die man zwischendurch am Strassenrand sieht, teilen sich jeweils eine solche Wasserstelle. Stellt euch vor ihr hättet bei euch im Quartier eine offene Duschanlage auf dem Vorplatz, die ihr mit euren Nachbarn teilt und wo ihr auch das Wasser zum Kochen holt. Wir sind sehr verwöhnt in unseren Breitengraden und die meisten sind sich das nicht einmal bewusst.

 

Fast 10 Stunden dauerte die Hinfahrt, zurück sind wir in Rekordverdächtigen 5 Stunden. Unser Fahrer ist aber auch ganz schön sportlich gefahren. In der Schweiz hätte er mit seinem Fahrstil seinen Führerausweis unzählige Male abgegeben auf den 204 Kilometern.

 

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