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Kefalonia II

Sonntags Seufzer

Sonntagmorgen kurz nach 8 Uhr, fängt es unter uns im Haus an zu poltern und zu lärmen. Kurz darauf vibrieren die Wände und das nur minim nervtötende Geräusch einer Bohrmaschine schallt durch das Haus. Eine kleine Renovation an einem Sonntagmorgen, anscheinend völlig normal hier. Eine Stunde dauert der Schrecken dann ist plötzlich wieder Ruhe.

 

Der erste Schock ist gerade verdaut und darauf folgt gleich die nächste Überraschung. Allerdings eine erfreuliche diesesmal. Michel & Franziska Kröpfli wollen Beni gerne als Götti für ihre Tochter Mila. Erst etwas zögerlich doch dann mit grosser Freude nimmt Beni die Verantwortung an, schliesslich ist das ja eine wichtige Aufgabe.

 

Die Freude kommt dann sehr schnell auf was insbesondere Joli den ganzen Tag noch zu spüren bekommt. Beni dichtet und singt den ganzen Nachmittag, frei erfundene Texte über das Götti sein und vor allem über seine ganz bestimmt glorreiche Rolle dabei.

 

Da wir heute sonst nicht viel machen, flieht Joli zwischendurch vor Benis Gesang in den Garten und lichtet ein paar Blümchen ab, nur um danach gleich wieder in den vollen Genuss seiner wohltönenden Stimme zu kommen.

 

Kurzerhand fahren wir in die Stadt um ein Café zu suchen. Einerseits in der Hoffnung ein funktionierendes Wifi zu finden und andererseits in der noch grösseren Hoffnung Beni für eine Weile zum Verstummen zu bringen. Beides verläuft ziemlich erfolglos aber immerhin war die heisse Schokolade und der frisch gepresste Orangesaft lecker.

 

Olé es hat tatsächlich Schnee

Vor zwei Tagen haben wir noch im Meer gebadet, zugegeben es war sehr erfrischend und heute stehen wir umgeben von Schnee, bibbernd auf dem 1628 Meter hohen Berg Aenos. Aber fangen wir von vorne an.

 

Das Wetter ist etwas ungemütlich heute, weshalb wir unsere Tour in den Süden der Insel in einem gemütlichen kleinen Café starten. Hier funktioniert sogar das Internet und wir befördern das Café zu unserem Arbeitsplatz für die nächsten, nicht so schönen Tage.

 

Aber jetzt wollen doch erst noch den Süden erkunden. Wir fahren bis Skalas, wo wir einen schönen Strand finden sollen. Naja, nichts wirklich spezielles, aber mit der dicken Wolkendecke kommt, das sonst so schöne Blau des Meeres auch nicht ganz so zur Geltung wie üblich. Immerhin lässt die Blütenpracht uns wieder Staunen und Beni wartet auch ganz geduldig bis Joli fertig fotografiert hat.

 

Wir düsen weiter der Küste entlang, entdecken weitere etwas schönere Strände und kommen an Poros vorbei wo wir am ersten Tag angekommen sind. Aber jetzt wollen wir den Berg Aenos erklimmen, was bei Beni auf wenig Begeisterung stösst, zumal das Wetter immer ungemütlicher wird. Immerhin sind die grünen Hügel mit den Pinien trotz des grauen Wetters faszinierend anzusehen.

 

Aber zurück zu unserer Einleitung. Es ist kalt… Möglich ist dies Mithilfe des verrückten April Wetters. Nachdem wir gestern wiedermal Sonntag gespielt haben und unser Studio nur kurz auf einen Kaffee in Argostoli verlassen haben, sind wir heute mit dem Auto und laufender Heizung unterwegs. Es ist gefühlte 10 Grad kälter als noch die vergangenen Tage und die Sonne ist nicht zu sehen.

 

Trotzdem gehen wir hoch auf den Berg. Es ist zwar heute durch und durch dunstig doch mit etwas mehr Weitsicht als sonst, denn bislang stand der Berg praktisch immer in eine Wolke gehüllt da, auch wenn rundherum nur blauer Himmel zu sehen war, fast so wie wenn bei uns der Niesen einen Hut hat.

 

Wir nehmen den 5 Kilometer Umweg auf uns und kurven den steilen Weg hinauf. Dabei ändert sich die Umgebung urplötzlich von einer eher kargen zu einer mit gelben Blumen übersäten Landschaft. Sieht also ziemlich geil aus.

 

Eher überrascht sind wir dann als wir kurz bevor wir die Spitze des Berges erreichen, am Strassenrand immer grösser werdende Schneewälle vorfinden - Igitt. So richtig hässlich wird es aber erst als wir oben aus dem Auto steigen. Es ist richtig kalt und ein eisiger Wind pfeifft uns um die Ohren. Wir gehen ein wenig umher und finden neben all den vielen Satelliten Schüsseln, Antennen und Gebäuden auch eine Stelle von welcher aus wir einen guten Ausblick haben. Trotz des schlechten Wetters sehen wir bis nach Zakynthos hinüber und auch grosse Teile von Kefalonia. Nach 10 Minuten sind wir aber bereits wieder zurück im warmen Auto und machen uns mit voll aufgedrehter Heizung auf den Heimweg.

 

Übrigens wollen wir auch etwas Ostern feiern. Wir haben ein paar gekochte Eier und einen Schokoladen Hasen gekauft – viel mehr an Osterfood findet man hier jedoch nicht. Die Eier sind wie Eier halt so sind – aber es fehlen ganz klar Aromat und Mayo. Der Osterhase ist aber wirklich ganz hässlich. Man hat das Gefühl in einen Zuckerwürfel zu beissen und es hat nicht einen Hauch Geschmack nach Schokolade.

Ein Hauch Afrika

Heute steht ein Arbeitstag an. Wir suchen unser neu entdecktes Café auf, arbeiten an unserer Homepage und schlemmen den ganzen Tag. Es windet was das Zeug hält. Der Himmel leuchtet gelblich und die Sicht ist schlecht. Unser Auto ist vollgekleistert mit Blütenstaub, dachten wir jedenfalls. In Wirklichkeit ist alles voller Sand, welcher von starken Winden, direkt über das Mittelmeer nach Griechenland getragen wird. Die Sandschicht, welche sich über unsere Insel legt ist doch recht ordentlich, so etwas haben wir nun auch noch nie gesehen. Und auf dem Heimweg regnet es tatsächlich Sand.

Myrthos Beach

Nach dem Sandsturm gestern, wagen wir uns heute auch wieder mal richtig aus dem Haus. Den Norden von Kefalonia haben wir noch nicht gesehen. Dabei kommen wir als erstes am berühmten Myrthos Beach vorbei. Dieser grosse Strandabschnitt verfügt neben vielen Steinen eigentlich als einziger auch über grosse Sandflächen. In Sommer muss hier ziemlich was los sein, heute sind wir wiederum fast alleine da. Auf der kurvigen Strasse zurück in die Berge parkieren wir unser Auto und wagen uns auf einen schmalen Klippenvorsprung, von wo wir eine super Weitsicht auf den Strand haben. Es sah ursprünglich aus wie ein offizieller Aussichtspunkt mit Weg aber schliesslich kämpfen wir uns durch Dornen und Büsche. Macht aber nichts. Die Sicht ist wirklich wunderschön und auf dem Rückweg krempelt Beni seine Hosenbeine einfach hoch, damit die einzige Hose nicht kaputt geht.

Assos

Auch von der Hauptstrasse in Richtung Assos haben wir dann eine wahnsinnig tolle Sicht auf die einzelnen Küstenabschnitte und das Dorf selbst. Die kleine Halbinsel Assos erreichen wir auf unserem weiteren Weg nach Fiskardo. Auf die Burg, hoch oben auf der Halbinsel, führt ein fast zwei Kilometer langer Fussweg. Benjoli ist heute aber ziemlich faul (also in erster Linie Beni), deshalb schränken wir unseren Bewegungsradius bis zum einzigen geöffneten Restaurant ein. Wir gönnen uns eine Runde feinen griechischen Kaffee und dazu Cheese Dip mit Brot. Nachdem es die letzten beiden Tage kalt war, ist nun wieder T-Shirt Wetter angesagt. Es ist aber sehr windig aber das stört uns nicht im Gegenteil, wir lassen uns zu «vom Winde verweht» - Fotos animieren.

 

Fiskardo

Ganz im Norden finden wir dann das Hafenstädtchen Fiskardo. Wir spazieren ein wenig umher und kaufen uns im Supermarkt ein Eis. Am Hafen liegen so viele Boote das man das Wasser fast nicht mehr sieht, aber hübsch ist es dennoch hier. Und auch hier laufen die Saison Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Strassen und das ganze Mobiliar der Restaurants werden mit Hochdruckreinigern gereinigt, was aufgrund des starken Windes zwischendurch zu einer unfreiwilligen Dusche für uns führt. Aber zu Glück ist es mittlerweile schön warm geworden.

 

Melissani CAve

Auf dem nach Hause Weg besuchen wir kurz vor Sami noch die Melissani Höhle. Auf dem Parkplatz ist gerade ganz schön was los. Hier stehen drei grosse Reisebusse und auch ein paar Taxis. Zum Glück sind die ganze Leute gerade am Abreisen und verlassen die Höhle als wir ankommen. Wir bezahlen den stolzen Eintrittspreis von 14 Euro für zwei Personen und steigen die Treppen hinunter in die Höhle. Dort gelangen wir direkt ans Wasser und können hoch oben den Himmel sehen, fast wie eine mexikanische Cenote.

Aber wir geben gerne zu, das Wasser hier ist einfach glasklar ist und man sieht fast 15 Meter tief bis auf den Boden. Da können die Cenoten in Mexiko nicht ganz mithalten. Im Wasser treiben drei Ruderboote mit ihren Rudern, von welchen uns einer auf sein Boot lässt. Die Boote bieten Platz für etwa 20 Personen und wir sind noch alleine, weshalb wir noch etwa 10 Minuten warten müssen da vielleicht noch mehr Besucher kommen. In dieser Zeit kommen drei rappelvolle Boote mit den Reisecar Touristen zurück.

 

Irgendwann legen wir dann trotzdem ab und freuen uns das wir eine Privattour erhalten, cool. Der «Gondolieri» manövriert uns durch die Höhle und erzählt einige sehr interessante Dinge über deren Entstehung. Natürlich können wir uns an alle Informationen erinnern aber wir wollen hier jetzt nicht alles erzählen, damit euch nicht langweilig wird solltet ihr die Tour selber einmal machen…

 

Wir sind das einzige Boot weit und breit und können entsprechend die Ruhe geniessen. Nachdem wir den See (welcher eigentlich ein unterirdischer Fluss ist der einmal quer über die Insel fliesst) überquert haben, kommen wir noch in den dunkleren Teil der Höhle, der aber schön beleuchtet ist, so dass wir trotzdem etwas sehen können.

 

 

Der ganze Spass dauert aber nur etwa 15 Minuten und schon sind wir wieder beim Ein- und Ausstiegsplatz. Und siehe da, hier stehen die nächsten zwei Bussladungen Touristen, welche mit ihrem Kreuzfahrtschiff in Argostoli angelegt haben, wie uns unser Ruderer erklärt. Mann haben wir ein Schwein gehabt waren wir doch perfekt zur rechten Zeit als einzige am rechten Ort. Die Besucherzahlen pro Tag, die uns unserer Ruderer für die Hochsaison genannt hat, sind so immens hoch, dass wir erneut froh sind in der No-Season unterwegs zu sein.

 

Schwups

Den letzten Tag verbringen wir nochmals in unserem Café und bearbeiten die hunderttausend hauptsächlich im Blauton gehaltenen Fotos. Dieses Café hat wunderbare selbstgemachte Kuchen und wir probieren auch heute einen. Den wohl deftigsten Schokoladenkuchen, den wir je gegessen haben. Wir kriegen das eine Stück zu zweit kaum runter und die heisse Schokolade, welche wir dazu bestellt haben tut ihr übriges dazu, dass uns elend übel wird. Aber egal. Lecker wars!

 

Die Zeit vergeht schnell, unsere 9 Tage / Nächte in Kefalonia sind auch schon um. Das war nach Baños in Ecuador (10 Nächte im selben Zimmer) unser längster Aufenthalt in einer Unterkunft während der Reise – hat gut getan sich wieder einmal so halbwegs wohnlich einzurichten.

 

Die Insel ist uns insgesamt ein wenig zu gross geraten, sie ist auch nicht ganz so grün und hat weniger Olivenbäume (die vor allem Joli sehr faszinierend findet) aber sie hat dafür ein paar sehr tolle Buchten, bewaldete Hügel und Höhlen zu bieten.

 

Der Abflug am Flughafen ist dann wieder ein Erlebnis für sich. Wir zwei und ca. 20 Mitarbeiter in einem komplett leeren Flughafengebäude. Wie die Löwen stürzen sich die Sicherheitsleute auf unser Gepäck und raufen sich fast um die 5 Minuten Arbeit heute.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    renate feller (Sonntag, 01 September 2019 09:08)

    Danke wie immer sehr sehr schön und lustig mit euch zu reisen