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Lefkada I

Inselhopping die Dritte - heute geht es nach Lefkada oder genauer gesagt nach Preveza. Leider ist der Weg mit Taxi und Fähre viel zu teuer weshalb wir in die Luft gehen. Auch die Einwegmieten für Autos würden unser Budget sprengen, weshalb sich eine Anmietung und Rückgabe am Flughafen aufdrängt. Preveza liegt zwar auf dem Festland, ist aber über eine Brücke mit der Insel Lefkada verbunden.

 

Nachdem wir am leeren Flughafen in Kefalonia in ein weiteres eher kleines Flugzeug eingestiegen sind, verpassen wir in Preveza doch fast den Ausstieg aus der Maschine. Wir fragen uns schon wieso es solange dauert, bis wir irgendwann feststellen, dass die anderen Passagiere gar nicht aussteigen, sondern weiter nach Korfu fliegen. Draussen wartet dann ungeduldig eine Flughafen Angestellte mit den drei anderen Passagieren auf uns, welche offensichtlich eher gecheckt haben, dass sie aussteigen müssen. Uups!

 

Jetzt aber los um den Mietwagen abzuholen. Wir sollen abgeholt werden aber da ist weit und breit niemand. Nach einer halben Ewigkeit kommt ein Riese von einem Mann und nimmt Beni mit. Er meint es sei einfacher, wenn ich mit dem Gepäck warte und Beni mich dann abholt. Naja im Nachhinein denken wir, hat er wohl gehofft, ein einfacheres Spiel mit uns zu haben, wenn nur einer von uns die kleine Schrottkarre in Augenschein nimmt.

 

Als Beni zurück kommt, macht Joli noch weitere Fotos und fragt nach dem Schadenformular. Hat es keines gegeben? Na dann gleich zurück. Dummerweise fahren wir in die falsche Richtung los und landen an einer Schranke wo wir 5 Euro bezahlen müssen um den Tunnel nach Preveza Stadt zu nehmen. Retour durch die Einbahn und diverse andere Verbote will Beni nicht – wir seien wieder in Europa und nicht mehr in Asien meint er – und einfach einmal um die Schranke rumfahren lassen ohne zu bezahlen, will und kann der Herr im Kabäuschen nicht erlauben.

 

Na dann ab nach Preveza. Schauen wir uns die Stadt halt auch an. Wir cruisen einmal durch und suchen einen Parkplatz. In einer Kurve quetschen wir uns zwischen zwei ziemlich verbeulte Wagen und Joli meint skeptisch, dass dies wohl keine gute Idee ist, die Beulen unserer Autonachbarn sprechen doch wohl Bände. Also fahren wir halt einfach wieder zurück. Nochmals zahlen an der Schranke um wieder rein (oder raus?!) zukommen und dann ab zum blöden Autovermieter.

 

Jetzt haben wir uns mehrmals so sehr aufgeregt, dass wir uns beim Autovermieter nur die Kopie des Schadenformulars schnappen und weiterfahren. Irgendwann stellt Joli fest, dass die ganzen Schäden ja gar nicht eingezeichnet sind… Das wird ein Spass bei der Abgabe – halleluja – aber nochmals umdrehen, dazu haben wir echt keinen Bock.

 

Jetzt erstmal einchecken. Das erste Zimmer finden wir dann doch etwas winzig und fragen nach dem Zimmer nebenan. Schon besser, etwas grösser und heller und immerhin mitten am Nachmittag einen Hauch Sonne auf dem Balkon.

 

 

Jetzt müssen wir nur noch etwas essen, also fahren wir in die Hauptstadt der Insel, welche wir vorhin schon durchquert haben und die zum Glück nicht allzu weit entfernt ist. Am Hafen entdecken wir ein putziges kleines Restaurant mit hübschen Stühlen und Tischen, bei welchem wir uns ordentlich griechische Küche gönnen. Naja, wieder einmal erhalten wir den Beweis, dass Restaurants an bester Lage es einfach nicht nötig haben auch das beste Essen zu kochen. Und als Joli danach die Strasse überquert um zu bezahlen und das innere dieses Lokals sowie die Küche und den Koch in Trainerhosen und auf dem Handy rumdrückend vorfindet bevor er wieder direkt Gemüse schneidet, meint sie danach nur zu Beni er solle sich bloss nicht wundern, wenn das Essen schneller wieder rauskommt als normal.

 

WOW!

Dank unseren rücksichtslosen Nachbarn durften wir wieder mal mit Ohrstöpseln schlafen. Auch in Europa gibt es massenweise schrecklich nette Nachbarn, Beni freut sich sehr auf ein ruhiges zu Hause in der Schweiz – oooh ja!

 

Wir sind dennoch motiviert heute Lefkas (so wird die Insel häufig auch genannt) zu erkunden. Wir schauen uns als erstes die Nord und Westküste der Insel an. Die ersten Strände liegen auf einem schmalen Landstreifen, welcher sich vor der Hauptstadt Lefkada befindet. Die Strände sind nicht besonders hübsch verglichen mit dem was wir hier bereits gesehen haben.

 

Dafür ruft Joli plötzlich laut «Stopp! Stopp! Stooooooop!» Wir fahren an einem grossen, wahnsinnig schönen Mohnblumenfeld vorbei. Die Blumenpracht ist der Knaller und wir können uns kaum daran satt sehen. Wir steigen aus um an den Rand des Feldes zu laufen und gaaaanz viele Fotos zu machen. Immer wieder beeindruckend mit welcher Schönheit die Natur uns aufwartet. Und wenn wir an den kürzlich gelesenen Artikel denken, wo ein Mohnblumenfeld in Amerika von Instagrammern nieder getrampelt wurde damit auch alle die gleichen Bilder mitten im Feld posten können, sind wir wahnsinnig froh hier einfach alleine zu sein und eine unzerstörte Blumenpracht geniessen zu können.

 

Etwas weiter kommen wir an einen berühmten Strand, dem Mili Beach. Berühmt soll er für die Sonnenuntergänge aber auch für die Windmühlen sein. Naja, viel ist von den Windmühlen nicht mehr da, sie sind dem Zerfall sehr nahe und die Treppen im Innern, sehen dann doch eher kriminell aus. 

 

Osterkloster

Auf dem Weg durch die Hügel an die Westseite der Insel kommen wir an einem Kloster vorbei. Als wir gerade parkieren kommen ganz viele Griechen aus dem Klostergelände gelaufen. Da ist wahrscheinlich gerade der Ostergottesdienst zu Ende gegangen. Die Einheimischen sind äusserst chic gekleidet. Lange Hosen, Anzüge, Blusen, keine Haut zu sehen. Wir fühlen uns in unserem Touristenoutfit etwas underdressed um jetzt hier ein Sightseeing zu starten, weshalb wir den Besuch des Klosters verschieben.

 

 

Ach ja schon klar Ostern war bei euch schon vor einer Woche aber hier in Griechenland feiern sie den Osterhasen und seine Eier (oder um was gings noch gleich bei Ostern?) eine Woche später. Warum wissen die Götter, äh Gott – oder wahrscheinlich nicht einmal er.

 

Sooo Schöööön

Nach einem kurzen Abstecher an einen nach Benis Meinung unspektakulären Strand (Agios Ioanis) machen wir an einem Aussichtspunkt einen weiteren Halt und sehen uns den Strand Pefkoulia. Also beide Strände sind wunderschön, Beni mag einfach die Steine und das Gras nicht, welche am ersten Strand das Strandbild dominierten und von hier oben sieht man beim Pefkoulia Strand einfach den klassischen Sandstreifen. Ob es aber wirklich Sand und nicht doch Kieselsteine sind lässt sich von hier oben eh nicht klar erkennen. Wir wissen, wir haben schon mehrmals erwähnt wie schön das Meer leuchtet, doch wir sind immer wieder fasziniert von diesem Anblick, den Blautönen und Mustern die wir im Wasser erblicken. Es ist einfach nur schön. 

 

So schön das alle Touristen, welche wie wir ihre Autos hier parken, sofort aussteigen und wie verrückt vor der genialen Kulisse für Fotos posieren. Für den Schmunzler des Tages sorgt dann ein junges Mädel mit ihrer riesigen Kamera, auf welcher ein noch grössere Blitz montiert ist. Der Blitz ist gegen den Himmel gerichtet (nicht etwa auf ihre posierende Kollegin), die Sonne scheint mit aller Kraft von oben hinunter und das Mädel lässt es natürlich unnötigerweise blitzen wie verrückt, so das man meinen könnte ein Gewitter sei im Anmarsch. Immer wieder herrlich Touristen mit ihren riesigen Kameras inklusive Zubehör zu sehen und festzustellen, dass sie keine Ahnung haben was sie damit tun oder tun könnten.

 

Wir fahren weiter, weil wir einen berühmten Strand, den Milos Beach aufsuchen wollen. Dazu müssen wir nach Agios Nikita und von dort aus laufen. Wir parkieren, laufen ins Dorf und folgen dem Wegweiser zum Strand. Bereits nach ein paar Schritten landen wir in einer Sackgasse – zumindest sieht es nach einer aus, weshalb Beni sofort meint, das wir besser umkehren und im Dorf etwas essen gehen. Wer weiss vielleicht wäre ein kleiner Weg aufgetaucht, welcher uns in 20 Minuten an den schönen Strand gebracht hätte aber der Hunger ist erst einmal grösser. Wir laufen durch das hübsche kleine Dorf Nikita und entdecken auch dort direkt vor den Tavernen einen Strand. «Voilà hier ist dein Milos Strand.», meint Beni. Etliche Touristen räkeln sich hier im Sand während ein paar Meter weiterhinten andere Touristen in den Tavernen futtern und dazu die Touristen am Strand beobachten.

 

Ist uns irgendwie zu wider hier zu Essen, weshalb wir ein kleines Lokal in einer der hinteren Gassen aufsuchen. Alle Angestellten inklusive Koch sitzen gemütlich auf der Terrasse und erklären uns, dass sie erst in einer Stunde öffnen. Naja, dann gehen wir halt ohne Futter und ohne Strand weiter, was solls. Immerhin geben wir unseren Parkplatz für andere Touristen frei, welche dieses Dorf schon in den No-Season überfluten.

 

Ein kühles Bad

Wir verlassen die Hauptstrasse und wagen uns wieder einmal auf eine der Seitenstrassen, welche uns zu drei Stränden führt. Wir entscheiden uns für den Petra Beach und finden hier Strand einen wunderschönen verlassenen Strand für uns alleine. Das Wasser ist, ach ihr wisst schon, wunderschön. Im Wasser liegen auch ein paar grosse Felsen und die Sonne scheint bei 24 Grad. Es ist gerade alles perfekt für eine kleine Erfrischung. Wir haben keine Ahnung weshalb uns das kalte Wasser nicht vom Baden abhält. Mit nur 15 Grad ist das Planschen eigentlich nicht einladend. Wir sind aber relativ schnell im Wasser und haben uns auch innert ein paar Minuten schon an die Kälte gewöhnt, weshalb wir locker eine Viertelstunde im Wasser bleiben. Nach dem anschliessendem Sonnenbad müssen wir nun aber wirklich etwas gegen unseren Hunger tun. Es ist schon drei Uhr Nachmittags und wir haben noch nichts gegessen heute.

 

*mampf*

Vom Strand aus beenden wir unsere Erkundung von heute und cruisen einmal quer über die Hügel zurück in Richtung unserer Unterkunft. Im kleinen Bergdorf Eglouvi kommen wir am Hauptplatz an einer kleinen Taverne vorbei, welche sogar geöffnet hat. Hier futtern wir bei Spiel und Spass eine Runde feinstes Tzatziki und einen Cheese Dip.

 

Nydri

Eine halbe Stunde Fahrt und wir sind in der Touristen Hochburg Nydri. Tatsächlich reihen sich hier Souvenirshops und Restaurants aneinander, welche sogar allesamt geöffnet haben. Wir spazieren die Uferpromenade rauf und runter und können uns einfach nicht entscheiden wo wir essen gehen wollen. Auch werden wir ständig von Tourenanbietern unterbrochen und hören uns die ach so individuellen Routen an, welche dann doch alle gleich sind. Naja immerhin haben wir nun Preise und Daten und können uns überlegen, welche Tour wir eventuell machen.

 

 

Schlussendlich entscheiden wir uns für ein Restaurant ausserhalb der Touristenhochburg ganz bei uns in der Nähe. Das Essen ist zwar etwas teurer als auch schon, das Muschel Saganaki und die Muschel Pasta schmecken aber sehr lecker. Für ein vergleichbares Muschel Essen im Restaurant Hecht am Thunersee, müssten wir locker das Vierfache bezahlen.

 

Ein Irrenhaus

Nach den tollen Unterkünften auf Zakynthos und Kefalonia, mal ausgenommen von einem lauten Sonntagmorgen, sind wir auf Lefkada in einem richtigen Irrenhaus gelandet. Die Familien in den Apartments unter uns schreien und toben bis spät nach Mitternacht herum. Kinder und Eltern. Jeden Abend. Ohne Ohrstöpsel wäre hier an Schlaf nicht zu denken.

 

Sobald wir jeweils auf den Balkon rausgehen um zu ergründen woher der Lärm genau kommt hört man jedoch nichts mehr. Das Haus ist nach aussen scheinbar gut isoliert aber im Inneren hört man den Nachbarn sogar furzen. Von den tosenden Wasserrohren wollen wir gar nicht reden, denn die Nachbarn duschen lange und bis spät in die Nacht, wenn sie einander nicht gerade anschreien.

 

Nach zwei Nächten konfrontieren wir unseren Gastgeber und geben ihn die Möglichkeit in seinem Haus die Nachtruhe durchzusetzen. Er zeigt Verständnis und beruhigt uns damit, dass wir bereits Morgen die einzigen Gäste sein werden. Es seien halt Osterfeiertage und so weiter und die Leute feiern. Jaja, blabla interessiert uns einen feuchten *»%!+. Aber er sollte Recht behalten, die lauten Nachbarn ziehen am nächsten Tag aus, doch die letzte Nacht ist ebenfalls noch einmal eine Frechheit par excellence und an Lautstärke nicht zu überbieten. Gibt leider Punkteabzug für diese Unterkunft, denn der Vermieter hat von uns die Chance erhalten seine Hausregeln zu kommunizieren und durchzusetzen, was er leider verpasst hat.

 

Wir haben uns dann aber jeweils jeden Morgen gegen Sieben, wenn wir wach wurden revanchiert und im Zimmer laute Musik gehört, gesungen und dazu haben wir uns hüpfend durch die Räume fortbewegt. Rache ist süss. Denkt ja nicht wir lassen euch gemütlich ausschlafen, wenn ihr uns die ganze Nacht terrorisiert.

 

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