· 

Mailand

Ehrenrunde

Es ist so weit, die letzte Station auf unserem Weg rund um die Welt. Wir bleiben noch für zwei Nächte in Mailand bevor wir mit dem Zug heimkehren. Ein letztes Mal noch geniessen wir unsere Freiheit, bevor wir uns schon bald, wie kleine Zahnräder zurück in das schweizerische «System» eingliedern. Aber nur nicht juflen, zuerst schauen wir uns noch einen ganzen Tag Mailand an. Unsere letzte Unterkunft ist ein Airbnb, welches sich nur wenige Minuten von der Stazione Centrale befindet. Mit dem Bus vom Flughafen brauchen wir eine Ewigkeit bis wir das nasskalte Mailand erreichen und plötzlich stecken wir auch noch mitten in einem Konzert was die Weiterfahrt des Busses nochmals verzögert.

 

Eigentlich wollten wir ja auch gar nicht nach Mailand fliegen sondern mit der Fähre anreisen. Aber im Gegensatz zu den griechischen Fähren haben die italienischen Fähren einen grauenhaften Ruf. Bei über tausend Bewertungen nur 1 von 5 Sternen zu haben ist schon nicht schlecht. Und den einen haben sie wohl auch nur, weil man 0 gar nicht wählen kann. Die Kommentare zu den Bewertungen jedenfalls sind grauenhaft. Naja somit sind wir doch geflogen und kommen auch mit dem Flughafentransfer Bus irgendwann am Bahnhof an. Nachdem wir wie üblich zuerst in die falsche Richtung loslaufen kommen wir dann doch noch im Airbnb an und gehen sofort wieder los, denn  es ist schon spät und der Hunger ruft.

Im falschen Film

Um die Ecke unseres Airbnbs haben wir uns eine Pizzeria ausgesucht. Auf dem Weg dorthin entscheiden wir uns jedoch spontan für das Restaurant Little Italy, an welchem wir vorbeikommen. Das Haus ist voll und als man uns an einen Tisch mit bereits 4 Personen setzen will, fragen wir kurzerhand ob wir nicht im oberen Stock essen können. Dort sind wir die Ersten aber werden an den schmalsten Tisch direkt an der Treppe verfrachtet. Naja was von aussen mega gemütlich aussah ist innen einfach nur sehr eng. Aber macht nichts.

 

Voller Vorfreude auf eine richtig geile Pizza bestellen wir einen Salami Mafiafladen und eine Pasta Carbonara. Als uns der Kellner die Pizza oder sagen wir besser den Käse-Salami-Kuchen serviert, wissen wir einen Moment lang nicht genau wie uns geschieht. Da steht nun ein Teller vor uns mit einem dreieckigen Pizzakuchen so dick wie ein Sandwich. Ernsthaft jetzt?! Wir sind in Italien und bekommen ein Pizza American Style serviert. Schande aber auch. Wo ist der knusprige dünne Boden mit dem minimalistischen aber qualitativ hochstehenden Belag?

 

Aus den Lautsprechern läuft nun auch noch Latinomusik. Alles spanische Songs, welche wir letztes Jahr in Südamerika dauernd gehört haben. Die Verwirrung ist perfekt, wir fühlen uns wie im falschen Film. Fairerweise muss man aber sagen das der Kuchen sehr gut schmeckt und die Pasta ist sogar hervorragend, auch wenn die kleine Portion im riesigen Teller etwas verloren wirkt und Joli beim ersten Anblick des Tellers fast auf der Stelle verhungert.

 

Wir haben plötzlich einen Höllen Durst und können kaum mehr aufhören zu trinken. Uns ist bereits in Griechenland aufgefallen, dass wir viel durstiger sind und mittlerweile wissen wir auch wieso. Die europäische Küche ist sehr salzig. Wir sind uns diese Unmengen an Salz aus Südamerika und Asien schlichtweg nicht mehr gewohnt und haben zwischenzeitlich das Gefühl zu verdursten. Aber lecker ist es trotzdem.

Der Mailänder Dom

Wir haben einen ganzen Tag um Mailand zu entdecken. Der Entdeckerdrang ist aber massiv auf Sparflamme und wir kommen erst um 10 Uhr aus dem Haus. Wir haben versucht den Stadtplan im Airbnb zu entziffern aber es ist alles auf Chinesisch. Naja die Besitzerin ist Chinesin und hat offensichtlich hauptsächlich Landsleute zu Besuch, da liegt es nahe alles, für uns Europäer, verschlüsselt zu beschriften.

 

Nachdem wir uns den ziemlich hübschen Hauptbahnhof heute noch genauer angeschaut haben, nehmen wir die U-Bahn zum Mailänder Dom. Der Dom sieht hübsch aus, die grosse Menschenmenge eher weniger und wir sind noch nicht sehr begeisterungsfähig an diesem Morgen. Wir entscheiden uns deshalb auch den fälligen Eintrittspreis lieber in italienisches Futter zu investieren und schauen uns den Dom nur von aussen an – immerhin laufen wir einmal drumherum und entdecken auf der anderen Seite einen riesigen Stand mit Schinken und gigantischem Mortadella. Aus all dem leckeren Futter haben sie nicht minder grosse Sandwiches gemacht aber die Auswahl ist wieder einmal so gross, dass wir uns nicht entscheiden können und ohne Frühstück weitergehen.

 

 

Auf dem grossen Platz vor dem Dom, tummeln sich nicht nur viele Menschen, sondern es flattern auch dutzende Tauben umher, kein Wunder die bekommen hier auch ein Frühstück - pfiffige Händler verkaufen hier Vogelfutter und die Touristen fahren voll darauf ab inmitten der herumfliegenden Bakterienschleudern zu stehen. Wohl bekomm’s.

 

Galleria Vittorio Emanuele II

Gleich am grossen Domplatz beginnt die Einkaufspassage der gut betuchten Menschen  unter uns. Dieser Bereich ist komplett überdacht und vieles in edlem Marmor gehalten. Im Schaufenster von Louis Vuitton oder wie der Kollege heisst, steht eine schrill bekleidete Puppe mit einem Outfit, welches Benjoli mal locker ein Monatsbudget kosten würde. Haha, tja wer hat der hat, dafür fehlt es vielleicht ein bisschen an Hirnschmalz, wenn man für ein T-Shirt mehrere hundert ja gar tausende von Franken ausgibt. Aber wir sehen viele Menschen, welche sich voll mit der hier gebotenen Dekadenz identifizieren können. Junge Mädels mit zwei grossen Taschen voller Accessoires posieren hier für Fotos und influencen sich dumm und dämlich. Nun, wir haben nach fünf Minuten genug gesehen und machen uns wieder auf den Weg.

Naviglio Grande

Etwa 30 Minuten spazieren und flanieren wir durch die Strassen der Stadt und wir erreichen schon bald den Naviglio Grande. Dieser Kanal erinnert ein kleines bisschen an Venedig, aber wirklich nur ein kleines bisschen. Ein paar Restaurants säumen den Weg entlang des Kanals, welche zum Verweilen einladen. Ein grosses Schiff voller Schweizerflaggen und Werbung für Schweizer Käse ist im Kanal angebunden. Beni steuert direkt zum Eingang, an welchem er von einem Security Mann gestoppt wird. Ohne zu zögern zückt Beni seine Schweizer Identitätskarte und hält sie dem Security unter die Nase. Dieser ist erst ziemlich irritiert, versteht aber dann Beni's Sinn für Humor. Er muss laut lachen und weist Beni spasseshalber den Weg aufs Boot. Natürlich dürfen wir aber nicht aufs Boot - es findet ein Privatanlass statt - lustig wars trotzdem.

 

Das letzte Abendmahl

Es ist Mittag, wir haben Hunger und auch noch einen Restbetrag aus der Kategorie Kleine Freuden. Aus dem geplanten letzten Abendmahl in Freiheit, wird nun halt ein letztes Mittagsmahl, welches sich noch bis zum späten Nachmittag ziehen wird. Vielen Dank an Hansrudolf & Christine Feller für das Festmahl. Als Hauptspeise gibt es eine "richtige" Pizza und eine Lasagne, begleitet von einem edlen Tropfen Rotwein und zum Dessert das berühmte Tiramisu. Das Essen ist ein Gedicht und schmeckt uns vorzüglich, ein würdiger kulinarischer Abschluss unserer Reise. 

 

Castello Sforzesco

Nach einem längeren Verdauungsspaziergang erreichen wir das Castello von Mailand. Und das Beste, hier findet ein riesiges Alpine Fest statt. Es geht irgendwie um Berge und Bergsteiger oder so, jedenfalls gibt es überall lecker Bierchen zu kaufen und gemütliche Festbänke laden zum Verweilen ein. Etwas verwirrt entdecken wir eine Zelt bei welchem sich alles um «Thun» dreht. Wie sich herausstellt ist die «Thun AG» ein Hersteller von Keramik und Geschenkartikel aus dem Südtirol. Vergebens verfolgen wir die Damen mit den Thuntaschen um auch eine zu bekommen. Macht nichts wir werden anderweitig fündig und glücklich.


Das nächste Zelt ist dann das Bierzelt. Man haben wir ein Glück, wir finden immer wieder tolle Feste zum Mitfeiern und Budget ist auch noch immer vorhanden. Natürlich schlendern wir auch kurz durch den Schlosspark, schlürfen dazu ein lecker Bierchen und sind beeindruckt, denn das Schloss ist ziemlich hübsch anzusehen.

 

Bei einer weiteren Ladung Bier, setzen wir uns in die Sonne und geniessen den letzten Tag unserer Reise. Abwechselnd eine Runde Yazzy, eine Runde Bier und wieder von vorne. Mit dem Bier kommt wieder der kleine Hunger und etwas beschwipst erkundigen wir uns an einem der vielen Fressbuden über das Angebot. Es gibt hier allerlei Leckereien unter anderem werden Sandwiches mit Wurst von riesigen Mortadellas angeboten. Beni versucht sich in Italienisch, driftet aber immer sofort ins Spanische ab, welches zu unserer Überraschung aber sehr gut verstanden wird. Schlussendlich unterhalten wir uns mit der taffen Bedienung abwechselnd in Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch und Deutsch und sind gegenseitig beeindruckt voneinander.

 

Bei einer Käseplatte und Bier, vielen Dank an Claudia Habegger, lassen wir den Nachmittag ausklingen. Wir bekommen von einem Herrn sogar noch etwas Wurst spendiert, er schneidet diese direkt an unserem Tisch und nach einer Kostprobe von seiner leckeren Konfitüre kaufen wir ihm auch noch ein Glas davon ab. Leicht schwankend laufen wir die ganze Strecke zurück zu unserem Airbnb und werfen uns beschwipst ein letztes Mal in ein Weltreisebett.

 

Nochmals vielen Dank an Hansrudolf & Christine Feller und Claudia Habegger, nun haben wir auch die letzten kleinen Freuden vernichtet und hatten jede Menge Spass dabei. Auf dem Heimweg kaufen wir uns in einer Metzgerei noch etwas Schinken und Wurst. Wir wollen ja schliesslich morgen nicht mit leeren Händen ankommen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    renate feller (Donnerstag, 07 November 2019 07:02)

    Ach wie war das schön mit euch auf weltreise zu gehen.freue mich schon auf die nächste. Danke viel viel mal.��